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Regionale Erzeuger: Der Hirte vom Heesehof

So is(s)t die Region: Schafe sind in der Region ein seltenes Bild. Trotzdem hat sich Christoph Weihe dafür entschieden die Tiere an den Heeseberg zu holen. Seit mittlerweile 13 Jahren verkauft der Landwirt nun Käse und Fleisch aus Schafhaltung. regionalHeute.de hat den Hirten vom Heesehof für den zweiten Teil unserer Reihe besucht.

von Niklas Eppert


Christoph Weihe zwischen seinen Schafen. Mit seinen insgesamt 130 Tieren ist er einer der größen Schafhalter Niedersachsens.
Christoph Weihe zwischen seinen Schafen. Mit seinen insgesamt 130 Tieren ist er einer der größen Schafhalter Niedersachsens. Foto: Niklas Eppert

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11.08.2020

Jerxheim. Wer an die Landschaft der Region denkt, hat vermutlich den Harz, den Elm oder die Oker im Kopf, an den Heeseberg denken außerhalb des Landkreises Helmstedt wohl nur wenige. Aber genau hier sind besondere Landschaftspfleger am Werk: Die Schafe von Christoph Weihe aus Jerxheim und Beierstedt. Die sorgen allerdings nicht nur für den Erhalt der Landschaft im Helmstedter Südkreis: Weihe stellt aus ihrer Milch Käse her und schlachtet selbst. regionalHeute.de hat einen der wenigen Hirten der Region besucht.



Als Christoph Weihe begann, seine Landwirtschaft auf die Schafhaltung umzustellen, sei er von vielen belächelt worden, erzählt der Beierstedter, als wir ihn auf seinem Hof in Jerxheim besuchen. Gerade die älteren Bauern des Helmstedter Südkreises hätten ihn eher für einen Exoten gehalten. Schafsmilch und Käse am Heeseberg? Das sei für viele unvorstellbar gewesen. "Exotisch ist mein Betrieb immer noch", sagt Weihe, "aber heute sind wir etabliert." Nach 13 Jahren Direktverkauf wurde sein Wagen eine feste Größe im Dorf. Heute steht eine weitere Verkaufshütte in Jerxheim.


Die Hütte, aus der der Heesehof seine Produkte verkauft. 2007 hatte alles mit einem Wagen in Beierstedt angefangen. Foto: Niklas Eppert


Spätestens mit der Einrichtung des Direktverkaufs vor 13 Jahren sei die Akzeptanz gewachsen. Damals hatte Weihe einen Wagen in Beierstedt aufgestellt, von dem die Bewohner des Dorfes seine Produkte kaufen konnten. Das setzt sich bis heute fort. Mittlerweile sei der ursprüngliche Wagen zwar nur noch Deko, aber in Jerxheim sei ein zweiter Verkaufsort entstanden. Egal ob Mettwurst vom Schaf, Eier und Kartoffeln von anderen Höfen oder eben Schafskäse, Weihes Verkaufsmodell basiert auf Vertrauen: Die Ware ist frei zugänglich, über der Kasse hängt eine Preisliste. Wer sich etwas aus dem Kühlschrank nimmt, zahlt nach Liste und legt das Geld selbstständig in die Kasse. Schlechte Erfahrungen habe Weihe damit bislang nicht gemacht.

Landschaftspfleger und Nahversorger


Wer um den Heeseberg herum wandert oder einmal auf der Terrasse des Restaurants Kaffee trinken war, der wird irgendwann Weihes Schafe sehen. Der Bauer hat einen Teil seiner Tiere zur Landschaftspflege abgestellt. Die Tiere sollen entlang der Wanderwege das Trockengras pflegen, das die Wiesen im Naturschutzgebiet ausmacht. Für Weihe kein Geschäft, mit dem er Gewinn macht. Zwar wird die Landschaftspflege mit Schafen vom Staat gefördert, am Ende hätte er aber mehr Geld davon, die Tiere auf fetteren Weiden zu halten und schließlich zu melken oder zu schlachten. Er macht es trotzdem. Immerhin ist er in der Umgebung aufgewachsen.


Einige Schafe hat Christoph Weihe auf den Weiden am Heeseberg stehen. Im Naturschutzgebiet pflegen die Tiere die Trockengraswiesen. Foto: Niklas Eppert


Im Gegensatz zu den Pflegeflächen bestellt Weihe seine eigentlichen Weiden selbst. Hier stehen vor allem Kleegräser und Luzerne, fette Pflanzen, die die Schafe mit wesentlich mehr Nährstoffen versorgen als das magere Trockengras am Heeseberg. Und mehr Nährstoffe bedeuten mehr Milch und mehr Gewicht. Auf solchen Wiesen stehen die meisten der 130 Schafe in Weihes Betrieb, Mutterschafe und Lämmer gemeinsam. Nach vier bis sechs Wochen werden die Mütter und Lämmer voneinander getrennt, sonst bliebe den 25 Milchschafen nicht genug Milch für den Melkstand.



Aus den jährlich etwa 3.000 Litern Milch, die die Schafe geben, stellt Weihe den hofeigenen Käse her, der aus der Hütte gekauft werden kann. Sein Schafskäse ist allerdings saisonal: Im Winter stellt Weihe Kuhmlichkäse her. Die Milch dafür kauft er aus dem wenige Kilometer entfernten Schöningen. Daneben bietet der Heesehof auch Kartoffeln, Honig, Eier und sogar Nudeln an, alles von kleineren, regionalen Herstellern, zum Teil aus den Nachbardörfern.

Kriegen Schafe einen Sonnenbrand?


Käse ist jedoch nicht das einzige, das Christoph Weihe in Jerxheim herstellt. Aus den Schafen macht Weihe auch Mettwurst, er tötet und zerlegt die Tiere selbst. Zur Verarbeitung bringt der Bauer die zerlegten Tiere zu einem Schlachter in der Nähe. Das Sortiment wählt der Jerxheimer vorsichtig. "Wir haben noch einen Schlachter im Dorf", erzählt er. Dem wolle man das Geschäft nicht vermiesen, gerade jetzt in der Grillsaison.


Tagsüber stehen die Schafe auf den Kleegras- und Luzernewiesen um den Heeseberg herum. Die Lämmer bleiben vier bis sechs Wochen nach der Geburt bei ihren Mutterschafen. Foto: Niklas Eppert


Die anfallende Wolle verkauft Weihe, daraus werden Pellets gepresst, die als Biodünger verwendet werden. In der Regel lässt Weihe seinen Tieren allerdings die Wolle, vor allem im Sommer. Was manchem widersinnig erscheint, hat für die Schafe einen wichtigen Mehrwehrt. Tatsächlich bekommen vor allem die weißen Tiere einen Sonnenbrand, wenn sie nach dem Scheren zu lang in der Sonne stehen. Die Wolle hilft, die Sonne abzumildern. Nur die Tiere, die auch gemolken werden, werden kahl gehalten. "Das ist eine Frage der Sauberkeit", erklärt Weihe.

Wer mehr über den Heesehof erfahren möchte, kann sich auf der Website des Betriebes umsehen. Übrigens könne auch auf dem Heesehof übernachtet werden, allerdings nur für eine Nacht. Die Familie bietet einen Wohnmobilparkplatz für die Aktion Landvergnügen an.


Um seine Schafe zu treiben hat Weihe insgesamt fünf Border Collies, wie Hündin Annie hier. Auf Herdenschutzhunde verzichtet Weihe bislang. Foto: Niklas Eppert



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