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Rekordbeteiligung bei der Stunde der Gartenvögel - Blaumeise im Fokus

Beunruhigendes Blaumeisensterben als besondere Motivation fürs Mitmachen? Im Durchschnitt wurden in Südost-Niedersachsen in diesem Jahr innerhalb einer Stunde knapp 34 Vogelindividuen beobachtet.

In diesem Jahr nahmen besonders viele Vogelfreunde an der Zählung teil.
In diesem Jahr nahmen besonders viele Vogelfreunde an der Zählung teil. Foto: NABU/S. Hennigs

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12.05.2020

Region. Über 1.700 Menschen aus Südostniedersachsen haben das Muttertagswochenende genutzt, um Vögel in Garten, Park oder auf dem Balkon zu zählen. „Die Beteiligung übertrifft alle Erwartungen und die letztjährige Rekordteilnahme um knapp 600 Menschen“, freut sich Marlies Gräwe von der NABU-Regionalgeschäftsstelle Südost-Niedersachsen. Das berichtet der NABU in einer Pressemeldung.


„Das verstärkte Interesse an der heimischen Natur durch die Corona-Krise und das beunruhigende Blaumeisensterben haben besonders viele Menschen bewegt, bei unserer Vogelzählung mitzumachen“, vermutet Gräwe. Bundesweit haben erstmals über 120.000 Vogelfreundinnen und -freunde teilgenommen. Damit haben sich so viele wie noch nie zuvor an der 16. „Stunde der Gartenvögel“ vom NABU und seinem Bayerischen Partner, dem LBV, beteiligt.

35.000 tote Blaumeisen


Im Mittelpunkt des Interesses der diesjährigen Zählung stand die Blaumeise. Seit Anfang März waren beim NABU vermehrt Berichte über kranke und verstorbene Blaumeisen eingegangen. Bis heute registrierte der NABU 19.000 solcher Meldungen, die 35.000 verstorbene Vögel betreffen. In Niedersachsen sind bisher über 2.700 Meldungen mit insgesamt über 5.200 betroffenen Tieren eingegangen. Davon stammen 180 aus Südost-Niedersachsen. Als Ursache wurde inzwischen das Bakterium Suttonella ornithocola identifiziert, das offensichtlich ausschließlich bei Meisenarten im Frühjahr Lungenentzündungen verursacht. Die in Deutschland bisher einmalige Vogel-Epidemie flaut seit Ende April deutlich ab. „Bundesweit betrachtet sind 22 Prozent weniger Blaumeisen pro Garten gemeldet worden“, berichtet Marlies Gräwe. Dieser Wert deckt sich auch mit den Ergebnissen der Region Südost-Niedersachsen.

Um herauszufinden, ob der deutschlandweite Rückgang wirklich auf das Konto der Epidemie geht, haben die Forscher für jeden Landkreis die Veränderungen der Blaumeisenzahlen mit der Anzahl der Meldungen kranker Meisen korreliert. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang: „Je mehr Berichte toter Meisen aus einem Landkreis bei uns ankamen, desto größer waren dort auch die Bestandsrückgänge“, so Gräwe. „Wir können davon ausgehen, dass ein Rückgang von mindestens etwa vier Prozent gegenüber dem Vorjahr direkt auf das diesjährige Blaumeisensterben zurückzuführen ist.“ Bei einem Gesamtbestand von etwa 7,9 Millionen erwachsenen Blaumeisen, den der jüngste offizielle Bericht zur Lage der Vogelwelt ausweist, wäre das eine Größenordnung von ungefähr 300.000 an der Krankheit verstorbenen Blaumeisen.

Der Spatz verteidigt Spitzenposition


Im Durchschnitt wurden in Südost-Niedersachsen in diesem Jahr innerhalb einer Stunde knapp 34 Vogelindividuen beobachtet. Die Top drei der häufigsten Vögel im Garten bleibt unverändert: Auf Platz eins liegt der Haussperling (5,66 Vögel/Garten), gefolgt von Amsel (3,40) und Star (3,25). Platz vier belegt die Kohlmeise mit 2,39 Beobachtungen pro Garten. Auf Platz fünf liegt trotz Rückgang die Blaumeise (1,83). Bundesweit setzt sich die Top fünf aus Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star und Feldsperling zusammen.

Deutlicher Rückgang bei den Finken


Große Verlierer dieses Jahres sind neben der Blaumeise auch die Finken. Sowohl der Buchfink (-30%) als auch der Grünfink (-26%) verzeichnen einen deutlichen Rückgang. Beim Grünfink setzt sich dieser Trend schon seit einigen Jahren fort. Bei den größten Sorgenkindern unter den Siedlungsvögeln, Mehlschwalbe und Mauersegler wiederholten sich die katastrophalen Ergebnisse des Vorjahres zum Glück nicht, aber sie sind weiter weit entfernt von früheren Bestandszahlen. Zu den Gewinnern zählen vor allem Ringeltaube und Grünspecht. Auch beim Eichelhäher ist kein Ende des zunehmenden Trends in Sicht.

Beobachtungen können noch bis zum 18. Mai am besten online unter www.stundedergartenvoegel.de gemeldet werden. Das funktioniert auch mit der kostenlosen NABU-App Vogelwelt, erhältlich unter www.NABU.de/vogelwelt.


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