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"Rezession ungewissen Ausmaßes droht" - Salzgitter AG zieht Bilanz und wagt Ausblick

Schon vor Corona habe der Konzern einen Verlust eingefahren. Nun droht ein negatives Ergebnis in dreistelliger Millionen-Euro-Größenordnung.

Symbolbild
Symbolbild Foto: Rudolf Karliczek

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13.05.2020

Salzgitter. Der Salzgitter-Konzern verbuchte im ersten Quartal 2020 31,4 Millionen Euro Verlust vor Steuern. Die ab Mitte März spürbaren wirtschaftlichen Beeinträchtigungen der Corona-Krise wirkten sich noch nicht signifikant auf die geringfügig negativen Quartalsergebnisse der stahl- und röhrenproduzierenden Geschäftsbereiche aus. Das Handelssegment wies ein ausgeglichenes Resultat, der Geschäftsbereich Technologie erneut einen Vorsteuergewinn aus. Der Beitrag der Beteiligung an der Aurubis AG fiel wegen Bewertungseffekten aus Preisschwankungen von Edelmetallen negativ aus. Das teilt die Salzgitter AG in einer Pressemitteilung mit.


Vor allem aufgrund der im Jahresvergleich niedrigeren Stahlpreise in Verbindung mit rückläufigen Versandmengen sank der Außenumsatz des Salzgitter-Konzerns auf 2.108,3 Millionen Euro (Q1 2019: 2.293,8 Millionen Euro). Die Nettofinanzposition von – 415 Millionen Euro (31.12.2019: – 140 Mio. Euro) verringerte sich vor allem aufgrund der Zahlung des Bußgeldes an das Bundeskartellamt. Die Eigenkapitalquote beträgt solide 35,3 Prozent (Q1 2019: 36,9 Prozent).

Gesundheit der Belegschaft im Vordergrund


„Zunächst einmal freue ich mich, dass wir es dank einer Vielzahl von Maßnahmen geschafft haben, die Gesundheit unserer Mitarbeitenden zu schützen und nur eine sehr geringe Anzahl von Infektionsfällen in der Belegschaft zu verzeichnen haben", erklärt Vorstandsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Heinz Jörg Fuhrmann zur aktuellen Lage. Hierauf werde auch in Zukunft das Augenmerk liegen. Darüber hinaus zählten zur bestmöglichen Bewältigung dieser bis dato einmaligen Situation: Motivation, Identifikation und Disziplin. Davon zeugten sowohl die Einführung von Kurzarbeit für weite Teile des Salzgitter-Konzerns wie auch der freiwillige, absolut geräuschlos vollzogene Gehaltsverzicht mehrerer hundert Führungskräfte im In- und Ausland.

"Mit konsequentem Kosten- und Liquiditätsmanagement begrenzen wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie", so Fuhrmann. Neue Investitionen würden restriktiv gehandhabt, die bereits angelaufenen strategischen Großprojekte an den Standorten Salzgitter und Ilsenburg jedoch fortgeführt. "Damit werden wir für die Zeit nach Corona produktionstechnisch hervorragend aufgestellt sein", ist sich Fuhrmann sicher. Umso wichtiger sei es, dass jetzt die Europäische Kommission – im Zusammenspiel mit den EU-Mitgliedstaaten – die existentiell notwendigen Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie in Europa setze. Das seien die spürbare Anpassung der EU-Zollkontingente an die Nachfrage, wirksame politische Instrumente zur Vermeidung von „Carbon Leakage“ sowie effektive Maßnahmen zur realen Umsetzung der Branchen-Dekarbonisierung.“

Corona beendet Stabilisierungstendenzen


Die Stabilisierungstendenzen auf dem europäischen Stahlmarkt hätten mit den Wirtschaftseinschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie ein jähes Ende gefunden, vielen Branchen drohe eine Rezession ungewissen Ausmaßes. Die Geschäftsentwicklung des Salzgitter-Konzerns lasse sich in diesem unsicheren Umfeld derzeit nicht in der gewohnten Weise prognostizieren. Die Bandbreite denkbarer Szenarien gestatte keine exakten Quantifizierungen, ohne sich in den Bereich der Spekulation zu begeben. Vor diesem Hintergrund rechnet der Konzern für das Geschäftsjahr 2020 mit einem merklich reduzierten Umsatz, einem negativen Vorsteuerergebnis in beträchtlicher, sehr wahrscheinlich dreistelliger Millionen-Euro-Größenordnung sowie einer sichtbar unter dem Vorjahreswert liegenden Rendite auf das eingesetzte Kapital.


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