Asylantrag abgelehnt - Online-Petition soll Asif helfen

In seinem Heimatland würde dem Pakistaner im schlimmsten Falle der Tod drohen. Seine letzte Hoffnung sei eine Petition, die neben der Härtefallkommission auch Oberbürgermeister Klingebiel übergeben werden soll.

von Julia Fricke


"Asif soll bleiben" - Die Unterschriften der Petition sollen Oberbürgermeister Klingebiel übergeben werden.
"Asif soll bleiben" - Die Unterschriften der Petition sollen Oberbürgermeister Klingebiel übergeben werden. Foto: Privat

Salzgitter. "Asif soll bleiben", so lautete der Titel einer Online Petition, die Petra Viertel-Frees initiiert hatte, um zu verhindern, dass Asif M. aus Deutschland abgeschoben wird. Dies ist der ehemaligen Kollegin und Nachbarin von Asif eine Herzensangelegenheit, denn sie hat Asif, der 2015 aus Pakistan nach Deutschland gekommen ist, als hilfsbereiten, guten Menschen kennengelernt, der sich schnell in die Gesellschaft integrieren wollte. Seinen Arbeitsplatz bei einer Salzgitteraner Firma hat Asif nun schon 3,5 Jahre. Die Petition ist bereits beendet. 325 Unterstützer fand das Papier, das nun Oberbürgermeister Klingebiel vorgelegt werden soll. Auch die Härtefallkommission wurde bereits involviert.


"Pakistan habe ich nicht verlassen, weil ich ein Wirtschaftsflüchtling, Kriegsflüchtling oder ein politisch Verfolgter bin", schreibt Asif in seinem Brief an die Härtekommission. "Ich bin aus Pakistan wegen der elenden Korruption und Gewalt, die ich fast mit meinem eigenen Leben bezahlt habe, geflohen." Eineinhalb Monate lang war er unterwegs. Zu Fuß, mit dem Schiff, mit dem Zug. Die Reise war anstrengend. Vielen Menschen ist er begegnet, deren Sprachen er nicht konnte.

Vater ermordete zwei Menschen


In diese Situation hat ihn sein eigener Vater gebracht. Zwei Menschen hat dieser in Pakistan ermordet. Bestraft wurde er dafür nicht. Er hat sich freigekauft. "Mein Vater ist immer noch frei. Kontakte und Geld spielen in Pakistan eine große Rolle dabei", erklärt Asif im Telefonat mit regionalHeute.de. Nun will die Familie der Ermordeten Rache nehmen - und zwar auch an Asif. Dieses Verhalten sei in Pakistan oft erlebte Praxis. Ein Teufelskreis, der laut Asif immer so weitergehen werde. Einen Angriff der Familie habe Asif nur mit Glück überlebt. Er tauchte unter. Habe nie länger als eine Woche an einem Ort gelebt. "Dieses Leben war unerträglich und ich hatte fürchterliche Angst", beschreibt er die damalige Situation.

Trotz der Vorfälle, die Asif alle durch Dokumente belegen könne, wurde sein Asylantrag abgelehnt. Die Begründung: Er könne anonym in einer Großstadt in Pakistan leben. Untergetaucht, versteckt. "Aber ich könnte nie mehr frei leben, nie mehr ohne Angst die Straße betreten, könnte nicht arbeiten und müsste mich ständig verstecken", heißt es weiter in dem Brief. Was bleibt ist die Angst. Ein Gefühl, das ihn nun auch in Deutschland wieder eingeholt hat. Denn seit seiner Duldung gehe es ihm schlecht. Zu tief sitzt die Angst, dass er wieder zurückgeschickt wird. "In Pakistan wird immer noch für wenig Geld gemordet", erklärt er.

Deutsche Sprache, schwere Sprache


Dass das Leben in Deutschland ein anderes ist, das konnte Asif bereits nach seiner Ankunft in Wartjenstedt erfahren. "Die Bewohner haben sich ohne jegliche Vorbehalte um mich und all die anderen gekümmert." So wurde er in den Sportverein eingeladen. Während des ersten Treffens wurde sich noch mit schlechtem Englisch, Google und Händen und Füßen verständigt. In den Räumen der Kirche in Wartjenstedt gab es dann den ersten Deutschunterricht für ihn, der von den Bewohnern erteilt wurde. Inzwischen spricht Asif ein gutes Deutsch. Das Telefonat mit unserer Onlineredaktion funktionierte bis auf wenige einzelne Wörter problemlos. Einfach sei es dabei nicht gewesen die Sprache zu lernen, denn die Grammatik sei sehr schwierig, so Asif. Auch viele Freunde hat er inzwischen gefunden, von denen er sogar zu Familienfeiern eingeladen wird. Ebenso stünden Ausflüge auf dem Programm. Besonders beeindrucken ihn die Freizeitparks in Deutschland.

Neue Unabhängigkeit


Seit 3,5 Jahren hat er eine Arbeitsstelle gefunden, die es ihm ermöglicht unabhängig von anderen zu sein. Zu dieser Unabhängigkeit zählt auch eine eigene, kleine Wohnung, in der er nun schon zwei Jahre lang lebt. Ein weiterer Schritt in Richtung Eigenständigkeit war es einen Führerschein zu machen. Dies ermöglicht ihm auch die Sprinter bei seinem Arbeitgeber fahren zu können. Momentan spart er auf einen eigenen kleinen Wagen. Doch ob sich dieser Wunsch für ihn in Deutschland noch erfüllen wird, steht momentan auf wackeligen Beinen. "Ich weiß, dass dies meine letzte Chance ist in Deutschland zu bleiben. Ich habe Angst davor, das alles hier zu verlieren", sagt er.


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