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Corona als Brennglas: Warum Frauen die Hauptlast der Pandemie tragen

Die Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise und kreisfreien Städte in der Region unterstützen den bundesweiten Aufruf "Wann wenn nicht jetzt? Frauen in der Corona-Krise stärken!".

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Symbolbild Foto: pixabay

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23.05.2020

Region. Corona hat das Leben in Deutschland und weltweit grundlegend verändert. Es werde deutlich, dass Frauen wesentlich stärker von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Alle gleichstellungspolitischen Schieflagen, auf die besonders auch die Gleichstellungsbeauftragten immer wieder hingewiesen hätten, würden sich jetzt verschärfen. 20 aktive Frauenverbände und Gewerkschaften aus ganz Deutschland wenden sich mit gleichstellungspolitischen Forderungen an die Bundesregierung und Arbeitgeber. Die Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise und kreisfreien Städte in der Region Braunschweig schließen sich diesem Aufruf an. Das teilt der Landkreis Peine in einer Pressemitteilung mit.


Frauen tragen aktuell die Lasten in der Corona Krise. Sie arbeiten in den schlecht bezahlten Frauenberufen wie Krankenpflege, Altenpflege, sitzen in den Supermärkten an den Kassen und sie betreuen zuhause im Homeoffice ihre Kinder, heißt es in der Pressemitteilung. Dies seien systemrelevante Berufe, zu denen auch Mitarbeiterinnen in den Küchen, den Wäschereien, in der Verwaltung der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sowie den Rettungsdiensten gehörten. Dass fast ausnehmend Mütter ihre Kinder zuhause betreuten, weil Kitas und Schulen teilweise noch immer geschlossen seien, führe auch dazu, dass Frauen sich für längere Zeit aus der Erwerbsarbeit zurückziehen. Dies verfestige die traditionelle familiäre Arbeitsteilung mit ihren geschlechtertypischen Rollenbildern.

Gefahr in den eigenen vier Wänden


Die eigenen vier Wände seien für einige Frauen der gefährlichste Ort im Leben. Durch die Einschränkungen im öffentlichen Leben verschärften sich Konflikte und Fälle von partnerschaftlicher Gewalt stiegen an. "Wann, wenn nicht jetzt werden unsere frauen- und gleichstellungspolitischen Forderungen ernst genommen und umgesetzt?", fragen die Initiatoren.

Mit folgenden Forderungen wenden sich die Frauenverbände und Gewerkschaften an die Bundesregierung und Arbeitgeber:

- Finanzielle Aufwertung der Berufe in Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung und Einzelhandel sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen
- Die Abschaffung der Sonderregelungen für geringfügig Beschäftigte
- Steuer-, Sozial- und Familienleistungen so abzustimmen, dass sie zu einer finanziellen Verbesserung für Frauen, insbesondere Alleinerziehende führen
- Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten schaffen, dass Väter und Mütter sich die Care-Arbeit gerecht teilen können
- Bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen und die Gewährleistung einer bedarfsgerechten und flächendeckenden Versorgung mit Gewaltschutzeinrichtungen (Frauenhäuser) und Beratungsstellen
- Effektiven Gewaltschutz für geflüchtete Frauen

Corona-Pandemie wie ein Brennglas


Silke Tödter, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Peine sagt dazu: „Alles, was wir als Gleichstellungsbeauftragte seit Jahren fordern, erscheint unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wie unter einem Brennglas. Es ist also ein guter Zeitpunkt für Politik und Arbeitgeber, die gleichstellungspolitischen Schieflagen ernst zu nehmen und bei der Umsetzung der Forderungen ein ebenso engagiertes, sachbezogenes, mutiges und zeitnahes Handeln wie jetzt in der Corona-Pandemie zu zeigen.“

Der Landkreis Peine habe gehandelt und zum Beispiel die ersten Verbesserungen der Situation im Frauenhaus schon 2019 auf Initiative der Gleichstellungsbeauftragten im Rahmen der Istanbul Konvention mit der Politik auf den Weg gebracht. Im Rahmen der Corona-Krise wurde schnell reagiert und befristet Finanzen zur Verfügung gestellt, die die Situation der Vollbelegung im Frauenhaus weiter entschärfen können.
Die Gleichstellungsbeauftragte begrüßt die Ausweitung der Kita-Notbetreuung im Landkreis Peine, um mehr Frauen die Möglichkeit zu geben, wieder berufstätig sein zu können.

Der komplette Aufruf ist unter www.frauenbeauftragte.org/Wann-wenn-nicht-jetzt abrufbar.


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