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Schnecken entdecken - So einzigartig ist das Naturschutzgebiet bei Königslutter



Helmstedt

Schnecken entdecken - So einzigartig ist das Naturschutzgebiet bei Königslutter

Der Lutterlandbruch bietet nicht nur einer rar gewordenen Schneckenart ein zu Hause, es ist auch ein einzigartiger Lebensraum für viele andere Tier- und Pflanzenarten.

Das FFH-Gebiet Lutterlandbruch.
Das FFH-Gebiet Lutterlandbruch. Foto: ÖNSA/Nicole Feige

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Königslutter. Natura 2000 – das ist das europaweite Netz von Schutzgebieten, um wild lebende Tier- und Pflanzenarten mitsamt ihren Lebensräumen zu schützen. Ein ganz besonderes dieser Schutzgebiete liegt direkt vor den Toren Königslutters: Der Lutterlandbruch. Er gehört damit zum größten Schutzgebietsnetzwerk der Welt – und das zu Recht, denn er hat so manche Besonderheit aufzuweisen. Am eindrucksvollsten ist sicherlich, dass es von einem winzigen Tier bewohnt wird, welches ebenfalls EU-weit geschützt wird: die Schmale Windelschnecke. Sie ist gerade einmal 1,8 Millimeter groß und liebt feucht-nasse Wiesen, Sümpfe und Moore. Hierüber berichtet der NABU in einer Pressemitteilung.



„Der Lutterlandbruch ist somit ein geeigneter Lebensraum für die Schmale Windelschnecke. Solche Gebiete sind rar geworden in Deutschland. Darum steht diese Art in Deutschland auf der Roten Liste und ist als ‚gefährdet‘ eingestuft.“ berichtet Marieke Neßmann, Leiterin der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA). „Wir haben uns diesen Winzling als Wappentier ausgesucht, um auf das Verschwinden der oftmals übersehenen Arten hinzuweisen.“

Merkwürdige "Zigarren" am Schilf


Der Lutterlandbruch bietet noch mehr Highlights. Er ist ein altes Niedermoorgebiet mit Auwäldern und artenreichen Feuchtwiesen, wo im Frühjahr der Pirol singt und Hohe Schlüsselblumen und Sumpfdotterblumen blühen. Auf den Stillgewässern tummeln sich im Sommer zahlreiche Libellen und Wasservögel und die feuchten Wiesen dienen Zugvögeln im Winterhalbjahr als Rastplatz. Wer genauer hinschaut entdeckt merkwürdige Zigarren-förmige Verdickungen an den Schilfhalmen: Der Verursacher ist die Schilfgallenfliege, die ihr Ei in die Sprossspitze des Schilfs legt. Die geschlüpfte Larve frisst sich tiefer in den Halm und unterbindet das Längenwachstum des Schilfs. Es kommt an dieser Stelle zur Stauchung und Verdickung, und es entsteht eine Galle zur weiteren Larvenentwicklung, deren Aussehen an eine Zigarre erinnert. Nach dem Schlupf der Fliege werden die Gallen wiederum von der hochspezialisierten und seltenen Schilfgallen-Maskenbiene für ihren Nestbau genutzt.


Der Lutterlandbruch kann auf einem Rad- und Fußweg erkundet werden, von einem Beobachtungsturm lassen sich Vögel beobachten. Am 6. Juni bietet die ÖNSA zusammen mit dem NABU Helmstedt eine Fahrradtour an, die unter anderem durch den Lutterlandbruch führt. Wer die Schmale Windelschnecke kennenlernen möchte, kann sich den 10. September vormerken: Dann lädt die ÖNSA zu der besonderen Exkursion „Schnecken entdecken“ ein.

Der Lutterlandbruch wurde als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen, kurz FFH-Gebiet. Zusammen mit den Vogelschutzgebieten bilden FFH-Gebiete die Natura 2000-Schutzgebietskulisse. In Kooperation mit den Unteren Naturschutzbehörden betreut die ÖNSA weitere Natura 2000-Gebiete in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel sowie in den kreisfreien Städten Braunschweig und Wolfsburg. Die NABU-Station erfasst seltene Arten und Lebensräume, plant Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen und beauftragt Spezialfirmen, diese fachgerecht umzusetzen. Wer sich mehr über die Arbeit der ÖNSA und die Besonderheiten unserer Natur informieren oder beim Schutz der Natur vor der eigenen Haustür unterstützen möchte, findet mehr Informationen auf www.oensa.de.


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