Braunschweig

Sonderausstellung: „Victoria Luise – ein Leben, zwei Welten“


Museumsdirektorin Dr. Ulrike Sbresny inspizierte die letzte von Victoria Luise genutzte Handtasche
Foto: Schlossmuseum/Peter Sierigk
Museumsdirektorin Dr. Ulrike Sbresny inspizierte die letzte von Victoria Luise genutzte Handtasche Foto: Schlossmuseum/Peter Sierigk Foto: Peter Sierigk

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31.08.2017

Braunschweig. Die Vorbereitungen auf die neue Sonderausstellung „Victoria Luise – ein Leben, zwei Welten“ laufen im Schlossmuseum Braunschweig auf Hochtouren. Vom 14. September an wird die einzige Tochter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und spätere Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg ein Jahr lang Thema dieser besonderen Präsentation sein.



Das Hauptaugenmerk wird auf die Person Victoria Luise gelegt, deren Leben aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Anlass der Ausstellung ist die 125. Wiederkehr ihres Geburtstags am 13. September 1892.

Immer mehr Exponate treffen gegenwärtig im Schlossmuseum ein und manchmal tritt Überraschendes zutage. Aktuell wurde die letzte Handtasche, die Victoria Luise vor ihrem Tod am 11. Dezember 1980, benutzte, aus Privatbesitz für die Dauer der Ausstellung als Leihgabe übergeben. Museumsdirektorin Dr. Ulrike Sbresny inspizierte den Inhalt und stellte fest: „Es handelt sich um eine typische Frauenhandtasche. Sie ist aber auch etwas sehr Persönliches und darüber hinaus ein spannendes Zeitdokument. Wir sind froh, dass wir die Handtasche zeigen können“. Selbst der Inhalt der Tasche dokumentiert den Bruch zwischen dem Leben als Kaisertochter und dem als „normale“ Bürgerin im Alter - eben ein Leben, zwei Welten.

Bis zuletzt „Chanel No. 5“


Victoria Luise hatte neben Dingen, die sie im Alltag nutzte, wie Portemonnaie, zerknitterte Papiertaschentücher, einem ärztlichen Schreiben und sogar Würfelzucker, auch ihre Ausweise in der schwarzen Ledertasche mit Messingbeschlag bei sich. Der weitere Inhalt zeugt vom großen Stellenwert, den Pflege, Mode und Schönheit bis zuletzt für Victoria Luise besessen hatte. Noch immer befinden sich Haarnetze, Lippenstift, Puderdose, Taschenspiegel und ein originalverpackter Flacon des Parfüms „Chanel No. 5“ in der Handtasche.

Es gibt jedoch auch Hinweise auf die finanziellen Schwierigkeiten, die das Alltagsleben der früheren Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg bereitete: eine Brille war zerbrochen und wurde nicht sofort ersetzt. Selbst ihre vielen sozialen Kontakte, auf die sie stets besonderen Wert legte, werden durch den Inhalt der Tasche deutlich, die auch ein Faltblatt zu einem Konfirmationsgottesdienst sowie eine Visitenkarte enthält.

Umzug ins österreichische Exil


Victoria Luise war eine schillernde Persönlichkeit, die die großen Brüche des 20. Jahrhunderts erlebte. Auf ihrer pompösen Hochzeit 1913 mit Ernst August von Hannover tanzten der englische König und der russische Zar noch einen letzten Tanz vor dem 1. Weltkrieg. 1918 musste ihr Ehemann, der Braunschweigische Herzog, abdanken und zog mit Victoria Luise und ihren Kindern ins österreichische Exil. 1945 verlor das Paar durch die Besetzung von Schloss Blankenburg ein weiteres Mal seine Heimat und floh nach Schloss Marienburg bei Hannover. Nach dem Tod ihres Ehemannes (1953) und einer Auseinandersetzung mit ihrem Sohn Ernst August lebte Victoria Luise von 1956 an in Braunschweig. Sie war populäres Mitglied der Stadtgesellschaft und gern gesehener Gast bei zahlreichen Veranstaltungen. Die Trauerfeier zu ihrem Tod fand unter reger Anteilnahme der Öffentlichkeit im Braunschweiger Dom statt.

Die Sonderausstellung „Victoria Luise – ein Leben, zwei Welten“ nähert sich der Person Victoria Luise über die Präsentation persönlicher Gegenstände wie zum Beispiel der Handtasche. Gezeigt werden Schmuck, Kleidungsstücke und Gemälde sowie historische Fotos und Filme.


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