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Abhilfe auch für die Region: Verein fordert zweite Eishalle in Wolfsburg


Abhilfe auch für die Region: Verein fordert zweite Eishalle in Wolfsburg

Keine Halle zu haben kostet den Profis 120.000 Euro jährlich.

von Martin Laumeyer


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

Wolfsburg. In Wolfsburg steht mit der EisArena eine Eishalle direkt neben dem Badeland, die zum einen die Spielstätte der hiesigen Eishockeyprofis der Grizzlys Wolfsburg aus der Deutschen Eishockeyliga (DEL) ist und zum anderen auch Amateuren und anderen Sportarten, wie Eiskunstlauf und Para-Eishockey, offensteht. Allerdings reicht das nicht aus, wie Karsten Krull, Sprecher der EisAllianzWolfsburg (EAW), im Gespräch mit regionalHeute.de berichtet. Denn es gibt schlicht zu wenig freie Zeiten, was die Situation nicht allein für Wolfsburger Mannschaften verschärfe, sondern auch für Eishockeybegeisterte aus der ganzen Region. Um diese Problemlage zu lösen, setzt sich der Verein für eine zweite Eishalle in Wolfsburg ein.

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In der EisArena tobe seit Jahren ein Verdrängungswettbewerb um die knappen Eiszeiten. Einige Teams und Vereine haben die EisArena bereits verlassen müssen, darunter die USC Ice Cubes aus Braunschweig und der EHC Nord-Elm aus dem Landkreis Helmstedt. Beide spielen nun in Salzgitter. Von Wolfsburg nach Salzgitter sind es "nur" zirka 60 Kilometer, doch manche Spieler fahren sogar bis in den Harz, mehr als hundert Kilometer von Wolfsburg entfernt, um ein paar Stunden auf dem Eis ihren Sport ausüben zu können (siehe Karte).

Keine Halle zu haben kostet 120.000 Euro jährlich


Hier befinden sich Eishallen in unserer Region und darüber hinaus. Für manchen Sportler bedeutet das, Fahrten von mehr als 100 Kilometer.
Hier befinden sich Eishallen in unserer Region und darüber hinaus. Für manchen Sportler bedeutet das, Fahrten von mehr als 100 Kilometer. Foto: EisAllianzWolfsburg


Doch auch regionale Kooperationen, wie etwa die der Young Grizzlies mit Salzgitter, schafften keine - offizielle - Abhilfe. Das Problem seien nämlich Vorgaben des Deutschen Eishockeyverbands (DEB) für das sogenannte Fünf-Sterne-Programm, das die Nachwuchsarbeit eines Profivereins bewertet. Neben Bremerhaven ist Wolfsburg der einzige DEL-Standort mit nur drei Sternen, was für die Vereine eine jährliche Strafe von 120.000 Euro bedeutet. Dieses Geld, was auch von Sponsoren stamme, fließe in der Folge indirekt an die Vereine mit fünf Sternen.

Karsten Krull von der EAW.
Karsten Krull von der EAW. Foto: EisAllianzWolfsburg


Um nun selbst auf fünf Sterne zu kommen, müssen für die Jugendabteilungen mehr Trainingszeiten realisiert werden. Diese dürfen aber nur Werktags und innerhalb Wolfsburgs stattfinden. "Alles, was wir samstags und sonntags tun, ist in den Augen des DEB 'just for fun'", so Krull. Eine Eiszeit in Salzgitter oder ein Standort der neuen Halle außerhalb Wolfsburgs, würde zwar der Region nützen, jedoch nichts zur Verbesserung bezüglich des Fünf-Sterne-Programms beitragen.

Es steht und fällt mit dem Geld


Die EAW möchte eine zweite Eishalle in Wolfsburg.
Die EAW möchte eine zweite Eishalle in Wolfsburg. Foto: EisAllianzWolfsburg


Um die Strafzahlung zu vermeiden, müsse es also eine zweite Eishalle in Wolfsburg geben. Das Thema sei allerdings nicht neu. Seit 2012 habe es Vorstöße, Konzepte und Machbarkeitsstudien gegeben, die alle im Sande verlaufen seien. Die EAW wurde erst letztes Jahr gegründet und vertritt mehr als 600 aktive Sportler. "Wir möchten mit unserem Engagement aber nicht nur die große Bedeutung des Eissports für Wolfsburg, sondern auch den großen Bedarf nach einer weiteren Eisfläche für Menschen mit und ohne Behinderungen verdeutlichen und die gesellschaftliche Relevanz einer zweiten Eisfläche in den Fokus rücken", so Krull.

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Zuspruch erhalte die Idee aus der Politik, aber just hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn in Zeiten knapper Kassen, möchte sie Zahlen hören, die die EAW kaum vorlegen kann. "Wir waren in verschiedenen Standorten in Deutschland und auch im Ausland. Was wir überall gesagt bekommen haben ist: 'Wir haben Zahlen, aber die helfen euch nicht'", berichtet Krull. Denn ein Eishallenbau sei sehr individuell und könne nicht so einfach beziffert werden. Zudem seien für einen möglichen Investor die Vorstellungen der EAW gegebenenfalls zu klein, als dass er die Halle vermarkten könnte. Diese solle eine sogenannte NHL-Eisfläche (56 x 26 Meter) haben, die für 100 Quadratmeter weniger Betriebskosten sorgen würde. Eine Spielgenehmigung für allen Klassen auf so einer Fläche liege bereits vor. Ferner solle die Eishalle barrierefrei sein, ausreichende Kabinen und eine Tribüne für 199 Zuschauer haben. Denn ab 200 gelten wiederum andere Vorgaben, die baurechtlich erfüllt werden müssten.

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Die Lösung der EAW: Die Baukosten übernimmt ein Investor und die Betriebskosten ganz oder teilweise die Stadt. Momentan warte man aber auf eine Zusage der Stadt für eine solche Partnerschaft, aber auch hier fehle es an Zahlen. Es sind also viele, voneinander abhängige, Unbekannte im Spiel. Die Allianz könne derweil nur aus sportlicher Sicht sprechen und zeigen, wie es andere Standorte machen. In Kassel zahle man etwa jedes Jahr 150.000 Euro an Betriebskosten für die Spielstätte der dortigen Huskies. Eine weitere Frage wäre, ob die Halle ganzjährig oder nur in den Wintermonaten betrieben würde. In jedem Falle wäre der nächste Schritt die Erstellung eines Betriebskostenkonzepts. Das muss allerdings von der Stadt beauftragt werden. In der letzten Sitzung des Sportausschusses habe man die Politik daher darum gebeten, dass sie sich diesem Thema annimmt.

Hier sollte sie stehen


Die EisArena Wolfsburg.
Die EisArena Wolfsburg. Foto: Frank Vollmer


Die Halle sollte in den Augen der EAW am besten neben der EisArena und dem Badeland stehen. So könnten Synergien entstehen, von der alle profitierten. Allerdings seien im Allerpark die Flächen eng. Daher sei das Ziel erreicht, wenn die Halle in Wolfsburg steht. Eine Lösung wie in Köln könnte aus Sicht der Eissportler auch möglich sein. Von der dortigen Lanxessarena, der Heimat der Kölner Haie, benötigt es nur einen Fußmarsch von fünf Minuten, um zur Trainingshalle Kölnarena 2 zu gelangen. Diese kommt der Vorstellung der EAW sehr nahe.


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