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Gestern Eintracht, heute: Peter Kaack, der knallharte Verteidiger Teil 2

Jubiläum! Teil 20 unserer Serie über ehemalige Fußballhelden von Eintracht Braunschweig wird zum Zweiteiler.

von Henrik Stadnischenko


Legenden unter sich: Peter Kaack, Jürgen Moll und Gerd Saborowski (vl.) genießen eine Dose Meisterbier.
Legenden unter sich: Peter Kaack, Jürgen Moll und Gerd Saborowski (vl.) genießen eine Dose Meisterbier. Foto: Alke Moll/privat

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14.04.2020

Braunschweig. Die Braunschweiger Eintracht war sein Leben: Mit ihr erlebte Peter Kaack den Höhepunkt in Form der deutschen Meisterschaft 1967, aber auch den absoluten Tiefpunkt in Form der Niederlage gegen Juventus Turin. Im zweiten Teil unseres Beitrags (Hier Teil 1) sprachen wir mit Kaack über den Pokal der Landesmeister, den Bundesliga-Skandal und die Karriere nach der Karriere mit Uwe Seeler.

"Die Niederlage gegen Turin war unnötig, weil wir auf Augenhöhe agierten!"


Jeder Profifußballer verbirgt Erinnerungen, über die er nicht so gerne spricht. Bei Peter Kaack ist es das Hinspiel im Pokal der Landesmeister gegen Juventus Turin. Heutzutage würden sich höchstwahrscheinlich die Eintracht-Fans selbst über ein Pokalspiel in Kasachstan freuen. Für viele Braunschweiger sorgen bereits die Erinnerungen an diese historischen Spiele für Gänsehautmomente.

Peter Kaack kann mittlerweile entspannter über die erste von insgesamt drei Partien reden, als es sicherlich in den Wochen nach dem 31. Januar 1968 der Fall war. Lothar Ulsaß versuchte Kaack nach der Partie zu trösten mit den Worten: „Kopf hoch, wer schießt schon drei Tore im Europapokal gegen Juventus Turin?“ Problem: Zwei von den drei Treffern waren unglückliche Eigentore. „Immerhin habe ich gegen Juventus einmal aus gut 20 Metern getroffen und das war ein wirklich sehenswerter Treffer. Jedoch war ich die Tage nach dem Juve-Sieg niedergeschlagen und nicht zu gebrauchen. Ich habe mir wirklich Vorwürfe gemacht. Schnell ist die Trauer dem Trotz gewichen und wir haben uns gesagt: 'Jetzt erst Recht'“, blickt der gebürtige Schleswig-Holsteiner zurück.


Feuerwerk im Wankdorfstadion zu Bern am 20. März 1968. Foto: imago


Turbulenzen in Wankdorf


Die Vorboten für das Rückspiel waren jedoch denkbar schlecht. Beim Anflug auf Turin gab es Turbulenzen, zudem drehte sich die Maschine auf der Landebahn. Doch die Eintracht ließ sich nicht beirren und war davon überzeugt, in Turin den Einzug in die nächste Runde zu schaffen. Die Überzeugung währte bis zur 88. Minute. Juve-Spielmacher Luis del Sol dribbelte durch das gesamte Mittelfeld, hinter ihm Horst Berg, doch stellen konnte Berg del Sol nicht und so kam es wie es kommen musste. Berg brachte de Sol im Strafraum zu Fall: Elfmeter, 0:1, Schlusspfiff. Der Traum vom Weiterkommen war vorerst geplatzt.

Die endgültige Entscheidung sollte nun auf neutralem Boden im Wankdorfstadion in Bern getroffen werden – in jenem berühmten Stadion, in dem die deutsche Nationalmannschaft 1954 Weltmeister geworden war. Doch das deutsche Glück war an diesem Abend aufgebraucht. Die Italiener entschieden die Partie erneut knapp mit 1:0 für sich. Peter Kaack hat eine Erklärung, warum es nicht mit dem Weiterkommen klappen sollte: „Vor dem Spiel wurde bekannt, dass wir in der nächsten Runde gegen Benfica Lissabon hätten antreten müssen. Benfica besaß damals eines der schönsten Stadien in Europa, die wären umgefallen oder gar nicht erst angetreten, wenn die unsere Holztribünen gesehen hätten. Als faire Sportsmänner wollten wir es verhindern", flachst Peter Kaack, wird dann aber Ernst: "Die Niederlage gegen Turin war unnötig, weil wir auf Augenhöhe agierten, besonders im Entscheidungsspiel in Bern“.


Nicht nur Jürgen Moll hatte beim knappen 0:1 am 20. März 1968 gegen Juventus Turin seine Chancen. Foto: Alke Moll/privat


Beisitzer im Bundesliga-Skandal


Ins große Rampenlicht – wenn auch unfreiwillig – rückte der Abwehrmann in der Saison 1970/71. Der Bundesliga-Skandal erschütterte den deutschen Profifußball. Durch manipulierte Spiele blieben Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld in der ersten Liga. In die Manipulation mit verwickelt waren auch die BTSV-Stars Lothar Ulsaß und Max Lorenz. Ulsaß hatte vorab mit den Mäzen von Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld Gespräche über eine Siegprämie für das letzte Saisonspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen geführt. Ein Sieg der Eintracht hätte den Kickers und der Arminia den Weg zum Klassenerhalt erleichtert. 170.000 Mark sollten fließen.

Max Lorenz ließ sich nach der Partie von einem Streifenwagen zum Flughafen in Waggum bringen. Dort traf er auf den Bielefelder Geldboten. „Wir hatten nicht gewonnen, aber auch das Remis reichte der Arminia, um nicht abzusteigen. Ich konnte den netten Herrn überzeugen, die Hälfte zu zahlen“, sagte Max Lorenz später einmal dem 'Kicker'. Zu den Prozessen wurde auch Peter Kaack eingeladen. Allerdings nicht als Zeuge sondern als Beisitzer. Aufgrund der Tatsache, dass Kaack in seiner gesamten aktiven Karriere noch keine Gelbe oder Rote Karte gesehen hatte, empfand das DFB-Gericht ihn als optimale Besetzung für den Posten als Beisitzer.

Den Prozess bezeichnet der 78-Jährige als größte Farce: „Zunächst einmal war ich menschlich enttäuscht, dass Braunschweiger in diese Sache verwickelt waren. Ich wäre nie auf die Idee gekommen Geld zu nehmen. Der Prozess insgesamt war ein Schauspiel. Ein Richter kam verspätet zum Prozess, weil er einen Tag zuvor zu viel ins Glas geschaut hatte. Ein Spieler, der überhaupt nichts mit der Sache zu tun hatte, wurde aus seinem Urlaub geholt. Ein weiterer Spieler durfte gehen, weil sein Anwalt nicht in einem Sportverein war. Das war Fremdschämen par excellence. Ich glaube, viele Dinge im Bundesliga-Skandal wurden nie richtig aufgedeckt. Bis heute verstehe ich auch nicht, warum der DFB damals den kompletten Spieltag nicht abgesetzt hat. Im Vorfeld gab es bereits Gerüchte, dass nicht alles mit rechten Dingen zugehen könnte“, blickt Peter Kaack zurück.


Peter Kaack (am Ball) beim Benefizspiel in Wolfenbüttel am 10. August 1977 mit seinem Kollegen Uwe Seeler. Foto: imago/Rust


Mit 'Uns Uwe' bei Adidas


Den Übergang ins „neue Leben“ schaffte der Eintracht-Meisterspieler dank Uwe Seeler. „Uwe war damals Vertreter für Adidas. Die Firma wollte die Bereiche Hartware und Textilware trennen und suchte für den Bereich Textilware noch einen Vertreter. Uwe wurde für mich beim damaligen Adidas-Chef vorstellig, ich bekam den Job und blieb 17 Jahre im Unternehmen. Der Fußball hat mir viele Türen geöffnet und dafür bin ich sehr dankbar“, so ein glücklicher Peter Kaack.

Obwohl er scheinbar immer im Schatten von anderen Spielern stand, wusste Helmuth Johannsen kurz vor seinem Tod, bei wem er zu bedanken hatte. „Ein Journalist aus Braunschweig traf den Trainer kurz bevor er uns verließ. Seine letzten Worte zum Journalisten waren: 'Lothar Ulsaß war fußballerisch der Beste, den ich jemals trainiert habe. Mein wichtigster Spieler war jedoch Peter Kaack.' Als ich das gehört habe, sind mir die Tränen gelaufen“, blickt Peter Kaack zurück – ein Junge, der vom Dorf auszog, um deutscher Meister zu werden und die Welt mit dem Fußball zu entdecken.

Teil 20: Peter Kaack Teil 1


Teil 19: Bernd Buchheister


Teil 18: Fabian Bröcker


Teil 17: Thomas Pfannkuch


Teil 16: Sven Boy


Teil 15: Bernd Eigner


Teil 14: Valentin Nastase


Teil 13: Uwe Zimmermann


Teil 12: Thorsten Kohn


Teil 11: Kingsley Onuegbu


Teil 10: Leo Maric


Teil 9: Daniel Teixeira


Teil 8: Marjan Petkovic


Teil 7: Dirk Weetendorf


Teil 6: Frank Edmond


Teil 5: Ahmet Kuru


Teil 4: Dennis Brinkmann


Teil 3: Jan Tauer


Teil 2: Marco Grimm


Teil 1: Michél Dinzey



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