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Gestern Eintracht, heute: Thomas Pfannkuch, der Leader der Neunziger

Teil 17 unserer Serie über ehemalige Fußballhelden von Eintracht Braunschweig.

von Henrik Stadnischenko


1:1 im Derby am 09. November 1997 (vl.): Abayo Arobieke und Löwenkapitän Thomas Pfannuch gegen Hannovers Carsten Linke und Markus Kreuz.
1:1 im Derby am 09. November 1997 (vl.): Abayo Arobieke und Löwenkapitän Thomas Pfannuch gegen Hannovers Carsten Linke und Markus Kreuz. Foto: imago/Rust

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06.04.2020

Braunschweig. Thomas Pfannkuch kam nie in die Reichweite von Eintracht-Rekordspielern. Und doch prägte der ehemalige Defensivspezialist eine kleine Ära an der Hamburger Straße.

"Ich habe Fußball nie wegen des Geldes gespielt."


Als Thomas Pfannkuch im Juni 1992 als Neuzugang vorgestellt wurde, wehte ein Hauch von Starflair durch das Eintracht-Stadion, denn der Mittelfeldspieler kam vom französischen Traditionsverein Olympique Lyon und spielte zuvor für Borussia Mönchengladbach. Doch wie schaffte es der damalige Zweitligist Eintracht Braunschweig einen Spieler solchen Kalibers zu verpflichten? „Lyon hat damals noch nicht die Rolle gespielt, die sie heute spielen", erinnert sich Pfannkuch und weiter: "Nachdem wir knapp den Klassenerhalt erreicht hatten, fand ein großer Umbruch im Kader statt." Pfannkuch entschied, dass es für ihn das Beste sei, nach Deutschland zurückzukehren. "Die Eintracht überzeugte mich sofort – wenngleich ich nicht damit gerechnet hatte, so lange in Braunschweig zu bleiben." Pfannkuchs erster Vertrag bei den Blau-Gelben lief auch nur über ein Jahr. Im Laufe der folgenden Jahre wurde das Wort "Identifikation" immer mehr mit seinem Namen verbunden. Über 7 Jahre spielte der Mittfeldspieler für die Eintracht und brachte es auf 215 Pflichtspiel-Einsätze.

Ein Wechsel kam über all die Jahre für den heute 50-Jährigen auch nie in Frage: „Zum einem habe ich meine Frau hier kennengelernt und so war klar, dass ich Braunschweig nur ungern verlassen möchte. Zum andern gab es zwar Angebote, die waren jedoch nicht von absoluten Top-Mannschaften, wo ich gesagt hätte, das muss ich unbedingt machen." Die Anfragen seien durchaus lukrativ gewesen, "aber ich habe Fußball nie wegen des Geldes gespielt. Zudem wollte ich das Standing, das ich mir in Braunschweig aufgebaut hatte, nicht über eine ungewisse Zukunft aufgeben“, erklärt Pfannkuch.


13. Februar 1993 (vl.): Bernd Buchheister, Torwart Oliver Lerch, Michael Köpper, Thomas Pfannkuch, Frank Türr, Ralf Geilenkirchen, Ali Muhamed Mahjoubi, Milos Nedic, Sergei Fokin, Ulf Metschies, Michael Butrej. Foto: imago/Rust


"Die Mannschaft hat super zusammen funktioniert"


Ehemalige Mitspieler sagen über ihn, er sei ein absoluter Vollprofi gewesen, ein klarer Führungsspieler und ein Lautsprecher. Als letzteres sieht er sich selbst hingegen nicht: „Ein Lautsprecher war ich nicht, aber wenn man mich gefragt hat, hat man eine klare Meinung bekommen. Manchen Personen hat dies nicht immer gepasst. Ich habe meine Rolle als Kapitän auch sehr gerne ausgefüllt, weil ich gesehen habe, in der Position kann ich etwas für die Mannschaft bewegen. Für mich ging es in erster Linie immer darum, was kann ich für die Mannschaft machen und nicht was kann die Mannschaft für mich machen“, betont der 50-Jährige.

Auch heute noch merkt man, mit welcher Begeisterung "Pfanni" über seine damaligen Mitspieler spricht: „Meine Ex-Kollegen haben es in den anderen Serien-Teilen bereits angesprochen: Obwohl wir komplett unterschiedliche Charaktere waren, hat die Mannschaft super zusammen funktioniert. Wir waren allesamt keine Überflieger oder Stars sondern einfache Jungs aus dem Volk, das hat geholfen auch die Anerkennung bei den Fans und Zuschauern zu bekommen“, so Pfannkuch, der besonders geschätzt hat, dass immer wieder Jugendspieler zu den Profis kamen. „Als Beispiele nenne ich Sven Boy und Mathias Hain. Beide wurden in das kalte Wasser geworfen und konnten schwimmen. Ich glaube die Fans hat auch überzeugt, dass immer Spieler aus Braunschweig oder Umgebung auf dem Platz standen.“

"Innere Stärke war bei uns in den Neunzigern vorhanden"


Ein Urteil über die derzeitige Situation bei seiner Eintracht möchte sich der Ex-Profi nicht erlauben und er spricht lediglich eine Vermutung aus: „Über Lieberknecht mögen einige Fans schlecht sprechen, dabei gab es unter ihm klare Strukturen; Vorgaben und Ideen – zumindest in den ersten Jahren. Jeder wusste, für das und das steht Eintracht Braunschweig. Ich habe das Gefühl, der Mannschaft fehlt eine innere Stärke. Diese Stärke war bei uns in den Neunzigern vorhanden, die war bei der Bundesliga-Aufsteiger-Truppe vorhanden. Ein Grundgerüst kann nur entstehen, wenn man der Mannschaft Zeit gibt, sich zu entwickeln und nicht immer mehr neue Spieler in den Kader reindrückt. Darüber hinaus ist es wichtig, auch Stabilität auf der Trainerposition zu schaffen. Natürlich muss ein Verein reagieren, wenn der Trainer der falsche ist, aber Stabilität zeichnet sich auf Führungsebene auch dahingehend aus, nicht bei der ersten Krise den Trainer auszutauschen“, betont Pfannkuch.

Mit Trainern kennt Thomas Pfannkuch sich aus. Eine Vielzahl erlebte er selbst als Spieler. Von Uli Maslo über Jan Olsson bis hin zu Michael Lorkowski. Den schlechten Ruf von Lorkowski kann Pfannkuch nicht bestätigen: „Man würde Michael unrecht tun, wenn man ihn als schlechten Trainer bezeichnen würde. Er hatte nun mal eine ganz andere Auffassung von Trainingsgestaltung als Benno Möhlmann. Was man bei Michael kritisieren kann, dass er seine Probleme im zwischenmenschlichen Bereich hatte. Während Benno jeden Spieler abgeholt hat, kam es bei Michael häufig vor, dass er manchmal über Wochen nicht mit den 'Ersatzspielern' sprach“, erinnert sich der ehemalige Publikumsliebling.


Thomas Pfannkuch engagiert sich heute für diverse gemeinnützige Projekte. Foto: privat


"Mit der Verpflichtung von Sandhowe hat sich Eintracht selber geschadet!"


Bei einem Ex-Trainer fällt es dem sonst so ruhigen und diplomatischen Pfannkuch allerdings schwer, positive Eigenschaften hervorzugeben – Wolfgang Sandhowe. „Ich sage es vorsichtig ausgedrückt, mit der Verpflichtung von Sandhowe hat sich Eintracht selber geschadet. Wir waren alle überrascht, als man uns mitteilte Lorkowski sei entlassen“, blickt Pfannkuch zurück.

Zur Erinnerung: Bei der Entlassung von Michael Lorkowski befand sich Eintracht Braunschweig auf Tabellenplatz 1. Doch warum scheiterte Sandhowe in Braunschweig? „Sandhowe hat es nicht geschafft, ein funktionierendes Team nachhaltig noch ein kleines bisschen besser zu machen. Angefangen mit harten und übermäßigen Training, über eine schlechte Ansprache, bis hin zu dem Fakt, dass er nicht fitte Spieler auflaufen ließ, weil er dies so wollte. Ob uns dieser Trainer den Aufstieg gekostet hat vermag ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall hat er uns und dem Verein nicht geholfen“, betont der 50-Jährige. Doch warum ist er als Kapitän damlas nicht eingeschritten? „Ich habe häufiger das Gespräch mit dem Vorstand gesucht. Scheinbar einmal zu viel. Anders kann ich mir die damalige Suspendierung von Toralf Bennert, Daniel Jurgeleit und mir nicht erklären“, lässt es Pfannkuch so stehen und möchte zu dem Thema nicht noch mehr sagen.

"Es gab keine Rivaltät zwischen uns und den Lions"


Vielmehr gefällt es ihm, über die angebliche Rivalität zwischen den New Yorker Lions und der Eintracht in den Neunzigern zu sprechen: „Ich bin immer wieder amüsiert, wenn ich lese, die Lions waren die Nummer 1. Wir waren glaube ich nie die Nummer 2. Klar, die Lions hatten zu der Zeit eine erfolgreiche Phase und haben viele Zuschauer angelockt. Dennoch war der Fußball immer die Hauptsportart. Die häufig angesprochene Rivalität zwischen uns und den Lions gab es nicht! Wir haben uns mit den Lions-Spielern sehr gut verstanden und sind häufiger gemeinsam essen gegangen. Allgemein finde ich es überragend, dass Braunschweig eine Sportstadt ist. Ich finde, die Stadt müsste sich mehr positionieren und nicht nur als Eintracht-Stadt auftreten, sondern auch als Lions-Stadt oder Basketball-Löwen-Stadt", rät Pfannkuch und fügt an: "Zudem fände ich es super, wenn nach der Eintracht zum Beispiel die Lions am selben Tag spielen würden.“


Ausgezeichnete Integration: Sportfeunde Braunschweig. Foto: Vollmer Foto: Vollmer


Der Trainer Thomas Pfannkuch


Seine Berufung nach der aktiven Karriere hat er gefunden – als Trainer. Zunächst bei den Profis von Germania Halberstadt, danach einige Jahre als A-Jugendcoach und Nachwuchskoordinator der Eintracht und jetzt als Co-Trainer der U20-Frauen-Nationalmannschaft beim DFB. Hauptberuflich ist der 50-Jährige beim Niedersächsischen Fußballverband (NFV) angestellt und in der Trainerausbildung und Talentförderung tätig. Darüberhinaus ist er Gründungsmitglied der "Sportfreunde Braunschweig", bei denen es um Inklusion und Integration geht.

„Nach meinem Karriereende habe ich schnell gemerkt, dass mir die Arbeit als Trainer unheimlich viel Spaß macht. Besonders das Arbeiten mit jungen Menschen. Zumal die noch eine ganz andere Motivation haben als Seniorenspieler. Zu sehen wie sich Talente entwickeln und vor allem dazu beitragen, dass sie sich entwickeln erfüllt mich mit großer Leidenschaft. Stand heute könnte ich mir nicht vorstellen eine Mannschaft im Profibereich zu betreuen“, sagt der ehemalige Publikumsliebling abschließend.

Teil 16: Sven Boy


Teil 15: Bernd Eigner


Teil 14: Valentin Nastase


Teil 13: Uwe Zimmermann


Teil 12: Thorsten Kohn


Teil 11: Kingsley Onuegbu


Teil 10: Leo Maric


Teil 9: Daniel Teixeira


Teil 8: Marjan Petkovic


Teil 7: Dirk Weetendorf


Teil 6: Frank Edmond


Teil 5: Ahmet Kuru


Teil 4: Dennis Brinkmann


Teil 3: Jan Tauer


Teil 2: Marco Grimm


Teil 1: Michél Dinzey





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