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Gestern Eintracht, heute: Valentin Nastase, der Zauberer

Teil 14 unserer Serie über ehemalige Fußballhelden von Eintracht Braunschweig.

von Henrik Stadnischenko


Valentin Nastase kam nach Braunschweig, um als erfahrener Führungsspieler die Quali für die 3. Liga zu sichern.
Valentin Nastase kam nach Braunschweig, um als erfahrener Führungsspieler die Quali für die 3. Liga zu sichern. Foto: imago/Hübner

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28.03.2020

Braunschweig. Kann ein Spieler, der lediglich 25 Mal für die Braunschweiger Eintracht aufgelaufen ist, den Verein geprägt haben? Viele Fans würden wahrscheinlich spontan verneinen. Doch das würde Valentin Nastase nicht gerecht werden. Ist die Qualifikation in letzter Minute für die eingleisige 3. Liga doch untrennbar mit seinem Gesicht verbunden.

Es ist eine Mischung aus Stolz und Überraschung die Valentin Nastase empfindet, als wir ihn um ein Interview bitten. Eigentlich – das gibt der Rumäne zu – hätte er erwartet, dass ihn die Braunschweiger-Fans aufgrund seiner nur kurzen Zeit bei der Eintracht vergessen hätten. Doch eine Sache nehmen wir vorweg: Leistest du etwas für die Eintracht, wird dein Name in Braunschweig nicht in Vergessenheit geraten.

"Innerhalb der Mannschaft herrschte ein Spirit"


Und geleistet hat Nastase eine Menge für den Verein. Zwar stand er zeitweise im Schatten von Spielern wie Dennis Kruppke und Domi Kumbela, doch keiner verkörperte diese unheimliche Aura und Präsenz auf dem Platz wie Valentin Nastase. Fünf Mal traf der Rumäne in der Saison 2007/2008 für den BTSV. Mitunter war jedes seiner Tore wichtig auf dem Weg zur Qualifikation der eingleisigen 3. Liga.

Entscheidend waren sicherlich die Treffer gegen Rot-Weiß Ahlen und Borussia Dortmund II. Insbesondere sein Elfmetertor zur 1:0-Führung gegen die „kleinen Borussen“ ließ das Stadion am 31. Mai 2008 beben. Viele Spieler hätten in einer solchen Situation gekniffen oder vielleicht sogar versagt – Nastase hingegen blieb abgezockt, nahezu unmenschlich und eiskalt. „Der Verein hat mich als Führungsspieler verpflichtet. Also war es meine Pflicht auch so aufzutreten. Durch meine Erfahrungen in Italien und Rumänien war ich mir der Schwere der Aufgabe bewusst, musste aber als Vorbild vorangehen und die anderen Spieler mitziehen. Wenn ich auf den Platz gegangen bin, gab es nur mich und den Ball. Alles andere habe ich versucht auszublenden“, erklärt der Ex-Profi.

Von Beginn an war Nastase davon überzeugt, dass die Qualifikation zu schaffen sei: „Natürlich schwebte immer eine gewisse Unsicherheit mit und ich würde lügen, wenn ich sage, dass es uns nicht belastet hätte. Dennoch herrschte innerhalb der Mannschaft ein Spirit und jeder war davon überzeugt, dass wir unser Ziel erreichen würden. Obwohl ich kein Deutsch verstand, hatte ich das Gefühl, dass auch das gesamte Umfeld zu einhundert Prozent hinter uns stand und davon überzeugt war, dass wir die Qualifikation schaffen würden“, erinnert sich Nastase zurück.


Manchmal mussten auch die Mitspieler aufgebaut werden, wie hier Kingsley Onuegbu. Foto: imago/Hübner


"Wolters ist das beste Bier!"


Für die Eintracht war der Rumäne in jedem Fall ein Glücksfall. Dabei hatten die Verantwortlichen zunächst Bedenken, ob Nastase aufgrund seines fortgeschrittenen Alters eine Verstärkung sein könnte und gaben ihm nur einen leistungsbezogenen Vertrag. Doch der Innenverteidiger, der über 100 Partien in der italienischen Serie A absolviert hat, enttäuschte niemanden: „Auf Braunschweig lasse ich nichts kommen. Vom ersten Tag an haben der Verein und meine Mitspieler alles dafür getan, dass ich mich wohlfühle. Vielleicht gibt es schönere Städte als Braunschweig, aber was die Menschen dort auszeichnet – und darauf können sie stolz sein – sind ihre Herzlichkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Wenn sie dich mögen, mögen sie dich und wenn nicht dann nicht. Die Braunschweiger verstellen sich nicht, sondern sind direkt und ehrlich. Das hat mir imponiert“, erklärt Nastase, der die Löwenstadt nicht nur wegen der Eintracht in Erinnerung behalten wird. „Man muss ehrlich sagen, das beste Bier, welches ich jemals getrunken habe, heißt Wolters“, erzählt der Ex-Profi lachend.

Man könnten denken, einen solchen Profi zu verpflichten erfordert großen Aufwand. Dem war aber nicht so. Beinahe unspektakulär lief der Wechsel ab: „In Rumänien tat sich kein neuer Verein auf und so entschied ich mich für den Sprung ins Ausland. Dass Braunschweig damals eine schwierige Zeit durchmachte störte mich weniger. Vielmehr reizte mich die Aufgabe und die Liga war erstmal zweitrangig. Zumal es einzig und alleine um die Liebe zum Sport ging. Rückblickend fand ich es schade, dass ich erst so spät in meiner Karriere zur Eintracht kam. Wenn ich jünger gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich auch länger in Braunschweig geblieben. Wir hatten eine tolle Truppe, besonders mit Domi Kumbela, Dennis Kruppke oder Deniz Dogan verstand ich mich blendend. Zudem pflegte ich ein sehr gutes Verhältnis zu Torsten Lieberknecht, weil er mir viel Freiheiten gab mein Spiel zu spielen.“

„Nastase der Zauberer“


Während Nastase auf dem Feld den knallharten Führungsspieler mimte, sorgte er in der Kabine dafür, dass trotz der schwierigen Situation, die gute Laune nicht zu kurz kam. Den Beinamen „Nastase der Zauberer“ trug er nicht nur wegen seiner fußballerischen Fähigkeiten, sondern auch aufgrund seiner Fähigkeiten mit seiner Hand.

„Ein guter Freund von mir ist Zauberer und von diesem hatte ich ein paar Tricks gezeigt bekommen. Es war wichtig Lockerheit zu versprühen und nicht allzu verkrampft mit der Situation umzugehen“, ist sich der 45-Jährige sicher. Heute arbeitet Nastase in seinem Heimatland Rumänien, als Co-Trainer der Profimannschaft und als U19-Trainer, für den Zweitligisten FC Arges. Dennoch hat er einen großen Traum. „Wenn ich genug Erfahrungen gesammelt habe, hoffe ich, dass man mir die Chance gibt Cheftrainer der Eintracht zu werden. Im nächsten Jahr versuche ich auf jeden Fall nach Braunschweig zu kommen und mir ein Heimspiel anzuschauen“, so Nastase abschließend.


Diese Fotocollage hängt heute noch im Arbeitszimmer des Rumänen. Er bekam sie als Abschiedsgeschenk. Foto: privat


Teil 13: Uwe Zimmermann


Teil 12: Thorsten Kohn


Teil 11: Kingsley Onuegbu


Teil 10: Leo Maric


Teil 9: Daniel Teixeira


Teil 8: Marjan Petkovic


Teil 7: Dirk Weetendorf


Teil 6: Frank Edmond


Teil 5: Ahmet Kuru


Teil 4: Dennis Brinkmann


Teil 3: Jan Tauer


Teil 2: Marco Grimm


Teil 1: Michél Dinzey




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