Sie sind hier: Region > >

Nach Massenschlägerei in Nordharzklasse: Jetzt sprechen die Vereine


Massenschlägerei beim Fußball: Jetzt sprechen die Vereine

In der 1. Nordharzklasse kam es nach dem Spiel des KSC Wolfenbüttel gegen die SG Bohrstadt zu einer Massenschlägerei. Bei regionalHeute.de schildern beide Vereine ihre Sicht der Ereignisse.

von Niklas Eppert


Bei dem Spiel der SG Bohrstadt gegen den KSC Wolfenbüttel kam es zu einer Massenschlägerei.
Bei dem Spiel der SG Bohrstadt gegen den KSC Wolfenbüttel kam es zu einer Massenschlägerei. Foto: regionalHeute.de

WhatsApp
facebook
Twitter
LinkedIn
E-Mail

Dorstadt/Wolfenbüttel. Beim Spiel der SG "Bohrstadt" gegen den KSC Wolfenbüttel (Endstand 2:3) in der 1. Nordharzklasse Staffel 4 am 3. Oktober kam es nach Abpfiff zu zu einer Massenschlägerei mit mehreren Verletzten, darunter auch ein Mann, dem die Nase gebrochen wurde. Mit regionalHeute.de sprachen Verantwortliche beider Vereine über den Vorfall und erklären aus ihrer Sicht, wie es dazu kommen konnte.

Die Stimmung war von Anfang an aufgeheizt, so schildern Verantwortliche beide Vereine die Atmosphäre beim Spiel der SG Bohrstadt gegen den KSC Wolfenbüttel am 3. Oktober. Zu kippen begann das Spiel in der 1. Nordharzklasse, als gegen Ende der zweiten Halbzeit nahe der Auswechselbänke ein Foulspiel gegen einen Bohrstädter Spieler gepfiffen wurde. Von draußen wurde hitzig reingerufen, schließlich trat der KSC-Spieler nach Angaben eines Bohrstädter Verantwortlichen nach. Nachdem der Spieler sich die Gelbe Karte abgeholt hatte, begannen die ersten Übertretungen: Unterstützer beider Vereine seien aufs Spielfeld gegangen, es sei zu Rangeleien gekommen, auch unter den Spielern. Daraufhin unterbrach der Schiedsrichter das Spiel für 10 Minuten. In Absprache mit beiden Teams pfiff er wieder an.

Zu diesem Zeitpunkt führte die SG Bohrstadt mit 2:1 gegen die kurz hinter ihnen platzierten Wolfenbütteler. Nach Wiederanpfiff drehte der KSC das Spiel, siegte am Ende mit 2:3 durch ein Tor in der mittlerweile neunten Minute der Nachspielzeit. Der Schiedsrichter, dem keine der beiden Seiten einen Vorwurf macht, Pfiff nach 105 Minuten Fußball ab. Er hatte die Unterbrechung nachspielen lassen. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Zuschauer und Spieler schlugen aufeinander ein, die Kabine der SG Bohrstadt wurde demoliert und am Ende musste die Polizei mit mehreren Streifenwagen anrücken. Die SG Bohrstadt will den NFV einschalten.

Lösten rassistische Beleidigungen die Schlägerei aus?


Darüber, wie es bis zu diesem Punkt hochkochte, sind die Meinungen naturgemäß unterschiedlich. Für den sportlichen Leiter des KSC, Yasin Oguz, ist die Sache klar: Aus den Reihen der Zuschauer kamen rassistische und diskriminierende Beleidigungen. Das habe das ohnehin angespannte Spiel zum Überkochen gebracht. "Ich bin lang genug dabei, um sowas wegstecken zu können", sagt Oguz im Gespräch mit regionalHeute.de, "aber die Jüngeren eben nicht." Wenn sich die Spieler des KSC anhören müssten, dass sie wieder in der 'Heimat' spielen sollen und sich 'nachhause' scheren sollen, dann löse das Emotionen aus, sagt Oguz. "Es ist noch schlimmer für die Jungs, weil die alle hier geboren sind. Das ist ihre Heimat."

Er selbst sei bei dem Spiel mit Bier überschüttet worden, auch Flaschen seien geflogen. An der Schlägerei teilgenommen habe er aber nicht. Überhaupt will er auch nicht die Mannschaft oder alle Anhänger der SG Bohrstadt unter Generalverdacht stellen. Viele hätten versucht zu schlichten, auf beiden Seiten. Trotzdem, da ist sich Oguz sicher, hatte auch der Alkohol seinen Einfluss auf die Szenen, die er beschreibt. Einige Zuschauer seien stark betrunken gewesen, dazu seien die Emotionen aufgrund des Spielverlaufs ohnehin auf dem Siedepunkt gewesen. Eine explosive Stimmung sei entstanden, die sich letztlich einen Weg gebahnt habe.

Problemverein KSC?


Bei der SG Bohrstadt sieht man das naturgemäß etwas anders. Sicher werde am Spielfeldrand auch mal ein Bier getrunken, besonders betrunken sei aber niemand gewesen, erklärt ein Bohrstädter Verantwortlicher, der namentlich nicht genannt werden will. Ja, sagt der Funktionär, das Spiel sei aufgeheizt gewesen, beide Seiten seien auf dem Platz hart miteinander umgegangen. Aber nach dem Spiel sei es wegen des KSC so eskaliert. So habe der Trainer des KSC, Ekrem Carpisan, seine Spieler vor die Dorstädter Zuschauer geschickt, um den Sieg vor ihnen zu feiern. Bei dieser Provokation sei es aber nicht geblieben.

In der Gästekabine wurde danach diese Bank beschädigt. Das Holz wurde einfach herausgetreten.
In der Gästekabine wurde danach diese Bank beschädigt. Das Holz wurde einfach herausgetreten. Foto: privat


Wie ein Video zeigt, das regionalHeute.de vom Spieltag vorliegt, ist Carpisan, der auch eine Sicherheitsfirma besitzt, zu sehen, wie er mit mehreren seiner Spieler auf einen Mann einschlägt. Sekundenlang prügeln sie auf den Zuschauer ein, bis sie schließlich ablassen und in Richtung Kabine gehen, nachdem einige Bohrstädter Spieler dazwischen gehen. Auch auf dem Weg zur Kabine kommt es zu einigen Rangeleien, selbst in der Kabine hätten die KSC-Spieler weitergemacht. "Eine Tür war danach ausgehebelt und eine Bank haben sie kaputt getreten", erzählt der Verantwortliche. "Das war zentimeterdickes Holz. Die Bank war eine Eigenkonstruktion. Die kriegst du nicht einfach so kaputt."

Immer wieder sei es der KSC, wenn es Ärger gibt, glaubt der Funktionär. Und immer wieder werde die Rassismuskarte gespielt, wenn es danach einen Aufschrei gebe. Das wolle die SG Bohrstadt nicht mehr auf sich sitzen lassen. Die Spielgemeinschaft will prüfen, ob der Wettbewerb gegen die Wolfenbütteler Mannschaft ausgesetzt werden kann. Man wolle auch den Rassismusvorwurf nicht mehr auf sich sitzen lassen. "Ich selbst glaube, dass Rassismus keinen Platz auf dem Spielfeld oder überhaupt der Gesellschaft hat", erklärt der Bohrstädter gegenüber reigonalHeute.de. "Aber wenn es wirklich zu solchen Beleidigungen gekommen wäre, wäre die richtige Reaktion gewesen, den Platz zu verlassen. Und nicht das."

Ermittlungen dauern an


Die Polizei ermittelt derweil. Über 100 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt auf dem Sportplatz, die müssten als Zeugen vernommen werden. Das brauche seine Zeit, erklärt Matthias Pintak, Sprecher der Polizeiinspektion Salzgitter-Wolfenbüttel-Peine, die mit dem Fall betraut ist. Die Aussagen müssten aufgenommen und verarbeitet werden. Das brauche seine Zeit. Wie es mit dem Fall weiterginge, könne also noch nicht gesagt werden.

Was Pintak allerdings auf Nachfrage erklärt ist, dass die Beamten vor Ort keine übermäßig betrunkenen Personen angetroffen hätten. Alkohol sei bei manchen im Spiel gewesen, das habe auch die Polizei festgestellt, aber das sei am Rande von Fußballspielen die Regel. Alles Weitere müsse allerdings noch geklärt werden. Dann kann vielleicht auch der wirkliche Schuldige gefunden werden.


zur Startseite