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Stadtmarkt: Ein Parkverbot ohne richtiges Konzept?



Wolfenbüttel

Stadtmarkt: Ein Parkverbot ohne richtiges Konzept?

von Werner Heise


Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität könnte das Parken hier bald schon wieder verboten werden. Doch welche Aufenthaltsqualität bietet der Stadtmarkt dann eigentlich? Archivfoto: Alexander Dontscheff
Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität könnte das Parken hier bald schon wieder verboten werden. Doch welche Aufenthaltsqualität bietet der Stadtmarkt dann eigentlich? Archivfoto: Alexander Dontscheff Foto: Alexander Dontscheff

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Sollte man auch künftig mit seinem Auto auf dem Stadtmarkt parken dürfen, ja oder nein? Diese Frage erhitzt derzeit so einige Gemüter in der Lessingstadt. Auf der einen Seite gibt es die Befürworter, die sagen, dass diese 34 Kurzzeitparkplätze essenziell für den Einzelhandel sind und auf der anderen Seite die Parkgegner, die meinen, dass der Platz hierfür zu schade sei und die Aufenthaltsqualität darunter leide.



Die mit der Erstellung eines Parkraumbewirtschaftungskonzeptes von der Stadt beauftragte LK Argus Gesellschaft empfiehlt den Wegfall der Parkplätze und begründet dies ebenso mit einer Stärkung der Aufenthaltsqualität sowie der Verbesserung der verkehrlichen Situation in der Innenstadt. Der Parksuchverkehr würde entfallen. Dabei weisen die erhobenen Daten für den Stadtmarkt lediglich einen maximalen Belegungsgrad von 89 Prozent aus. Und von welcher Aufenthaltsqualität wird hier eigentlich gesprochen? Wer hält sich auf dem Stadtmarkt, den der hiesige Verkehrsclub Deutschland und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club als den schönsten Platz Wolfenbüttels bezeichnen, denn tatsächlich auf?

Im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprojektes "Zukunftsprofil Innenstadt" haben die Einwohner vor einigen Jahren den Wunsch der Umgestaltung des Stadtmarktes erarbeitet, mit dem Ziel besagte Aufenthaltsqualität dort zu steigern. Ein ebenerdiger Platz mit einer Ausdehnung der Gastronomieflächen soll geschaffen werden und der Brunnen am Reiterdenkmal eine große Ringmauer erhalten und so zum Verweilen einladen. Zudem wünscht man sich Spielgeräte für Kinder. Der Rat der Stadt Wolfenbüttel hat diesen Wunsch der Bürger im Oktober 2014 als eines von insgesamt sieben priorisierten Vorhaben zur vorrangigen Umsetzung beschlossen. Der städtische Investitions-Haushalt sah daraufhin in den Vorplanungen für das Jahr 2019 zunächst 200.000 Euro für den Um- und Ausbau des Stadtmarktes vor. Mittlerweile findet man hier nur noch 100.000 Euro für eine Sanierung der Brunnenanlage in 2020. Ein konkretes Konzept ist öffentlich bislang nicht bekannt.


Solange der Stadtmarkt also noch ein eher totes Dasein in gähnender Leere fristet, kann man dem Wolfenbütteler Unternehmer und Parkplatzbefürworter Carsten Richter beipflichten, der sagt: "Die Parkplätze dort stören doch niemanden!" Überdenken kann man diese Aussage dann, sobald der Platz absehbar wahrhaftig an Qualität gewinnen und sich zu einem echten Aufenthaltsort für Menschen wandeln soll. Denn dass Stadtzentren nicht zwingend Autos brauchen um zu überleben, ist längst erwiesen. Empfohlen sei hier ein Blick auf ein sehr interessantes Interview des Wirtschaftsmagazins "brand eins" mit dem dänischen Stadtplaner Jan Gehl.

Voraussichtlich am Mittwoch wird der Rat der Stadt Wolfenbüttel nun sein Urteil fällen. Bleibt zu hoffen, dass dieses nicht konzeptlos ausfällt.


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