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Stadtteile im Porträt – Teil 11 - Hallendorf


Das Bild zeigt den Kreuzstein von Hallendorf. Foto: Klaus-Dieter Karrasch
Das Bild zeigt den Kreuzstein von Hallendorf. Foto: Klaus-Dieter Karrasch

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30.07.2017

Salzgitter. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht die Stadt Salzgitter Berichte der Ortsheimatpfleger. Darin sollen die Stadtteile vorgestellt werden. Weiterhin wird dadurch auf die besondere Arbeit der Stadtexperten aufmerksam gemacht. regionalHeute.de stellt diese in einer Serie vor. Heute geht es weiter mit Klaus-Dieter Karrasch für Hallendorf.



Salzgitter-Hallendorf: Einst Heimat des Hetilo (von Klaus-Dieter Karrasch)

Dem Fuldaer Mönch Eberhard ist es zu verdanken, dass die Hallendorfer Anfang des neuen Jahrtausends ein beeindruckendes Jubiläum feiern konnten. Der Mönch fasste im 12. Jahrhundert im Codex Eberhardi aus älteren Quellen sämtliche Besitzungen des Klosters Fulda zusammen und erwähnte darin mit „Hetilendorfe“ (= Dorf des Hetilo) auch den späteren Stadtteil Salzgitters. Die Forschung datiert die Ursprungsquelle auf die Jahrhundertwende vom achten zum neunten Jahrhundert, so dass die Hallendorfer auf eine über 1200-jährige Geschichte zurückblicken können. Doch diese schriftliche Ersterwähnung Hallendorfs ist nicht mit der Gründung gleichzusetzen, die vermutlich bereits in der altsächsischen Zeit erfolgte. Und es gibt sogar noch ältere Spuren menschlichen Lebens. Der Hallendorfer Bauer Bethmann fand auf der Gowiese, worauf heute das Hüttenwerk steht, vier Steinbeile und einen Steindolch, die vermutlich aus der Jungsteinzeit stammen und heute im Städtischen Museum Schloss Salder verwahrt werden.

Über die vielen Nöte und Drangsale, die Hallendorf wie viele andere Dörfer in den mancherlei Wirren und Kämpfen der Vergangenheit hat erleiden müssen, gibt es nur wenige direkte Aufzeichnungen. Manches wird gewissermaßen am Rande in den Akten der verschiedensten Art erwähnt. Aus dem Fehdebuch der Stadt Braunschweig geht beispielsweise hervor, dass am 7. Oktober 1380 die Ritter von Ampleven und Reyneshausen in „Hedelendorpe“ einen Meier schindeten und acht Pferde und 15 Ellen Tuch stahlen. Eine spannende Geschichte steckt auch hinter dem Kreuzstein, der sich heute im Wappen von Hallendorf wiederfindet. An der Nordwestecke unseres Dorfes befanden sich an allen vier Ecken der Kreuzung Lebenstedt-Bleckenstedt Steinkreuze aus roh behauenem Kalkstein. 1937 wurde mit den Vermessungsarbeiten zum Bau der Reichswerke begonnen, mit großen Auswirkungen auf das Dorf: 19 Bauern und der Stellmacher Strube verloren ihr Land und erhielten von der Umsiedlungsgesellschaft neue Höfe in Koldingen, Pattensen, Sierße, Thiede-Wiese und Engelnstedt.

Dunkles Kapitel Arbeitserziehungslager Nr. 21


Der Anstieg des Verkehrs an der Kreuzung gefährdete die Kreuzsteine, bei denen es sich vermutlich um alte Sühnezeichen handelt. Sie wurden deshalb ausgegraben und auf dem Schulhof gelagert. Nach dem Krieg wurden sie vor der Kirche wieder aufgestellt. Zu den dunklen Kapiteln der Geschichte zählt die Einrichtung des berüchtigten „Arbeitserziehungslagers“ Nr. 21 im Jahr 1940. Dort wurde eine Vielzahl von Menschen wegen angeblicher Verfehlungen am Arbeitsplatz bestialisch gequält und getötet. Nach dem Krieg war die Wohnungsnot das größte Problem der Hallendorfer. 1957 wurde am Westrand des Dorfes eine neue Siedlung gebaut, die für eine Entspannung des Wohnungsmarktes sorgte. Heute schätzen die gut 1.600 Hallendorfer an ihrem Stadtteil die gute Infrastruktur und das intakte Vereinsleben als Rückgrat der Gemeinschaft.


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