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Stadtteile im Porträt – Teil 31 – Bad


Der Kurgarten um 1960. Salzgitter-Bad ist seit 1985 "Staatlich anerkannter Ort mit Sole-Kurbetrieb". Foto: Stadtarchiv Salzgitter
Der Kurgarten um 1960. Salzgitter-Bad ist seit 1985 "Staatlich anerkannter Ort mit Sole-Kurbetrieb". Foto: Stadtarchiv Salzgitter

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29.12.2017

Salzgitter. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht die Stadt Salzgitter Berichte der Ortsheimatpfleger. Darin sollen die Stadtteile vorgestellt werden. Weiterhin wird dadurch auf die besondere Arbeit der Stadtexperten aufmerksam gemacht. regionalHeute.de stellt diese in einer Serie vor. Heute geht es weiter mit einem Bericht aus dem Stadtarchiv über Bad.



Salzgitter-Bad


Salzgitter - Das deutsche Karlsbad (aus dem Stadtarchiv)

Salz und Erz bestimmten die Geschichte der kleinen Salzstadt im Süden der heutigen Stadt Salzgitter. Die wechselvolle Geschichte der Salzgewinnung endete nach vielen Jahrhunderten mit der Stilllegung der Saline 1925.

Von nun an wurde die Sole nur noch zu Badezwecken verwendet. Eine erste Nutzung zu Heilzwecken gab es schon ab 1825, das Jahr 1879 aber gilt als der Beginn der 'Badezeit'. In diesem Jahr wurden erste Wannenbäder verabreicht, angeboten von Salinenpächter. Die Nachfrage war groß, und das Salzgittersche Kreisblatt prognostizierte: "Die Kosten der Anlage werden ohne Zweifel bald gedeckt sein, und so könnte aus kleinen Anfängen bald ein größeres Solbad entstehen und am Ende noch Salzgitters Zukunft sich freundlicher gestalten, zumal auch der Magistrat bisher durch neue Anpflanzungen an Promenaden und Wegen zur Verschönerung des Ortes in anerkennenswerter Weise Fürsorge trägt."

Einer der ersten Führer durch das 'Soolbad Salzgitter' aus dem Jahre 1898 pries die Vorzüge: "Die Kurgäste können im Soolbade Salzgitter ein stilles, idyllisches Leben führen, das in günstigster Weise auf das Nervensystem, zumal der Großstädter, einwirkt." Im Salinenbezirk wurde 1911 ein neues Badehaus errichtet, dem die alte Salzreihe, die Wohnungen der früheren herrschaftlichen Pfänner, weichen musste, ebenso das alte Brauhaus hinter dem Ratskeller.

1926 gelang es, den Badebetrieb in eigene Regie zu überführen. Der Magistrat hatte große Pläne. Die Einrichtungen wurden verbessert, der Kurgarten im alten Salinenbezirk zum Schmuckstück. Das Bad hatte um 1930 eine Blütezeit. Wie bisher sah sich Salzgitter nicht als mondänes Bad, man wollte nach wie vor Ruhe und Erholung bieten, auch wenn der Werbeslogan 'Salzgitter – Das deutsche Karlsbad' anderes vermuten ließ. 1935 warnte die 'Amtliche Kur- und Badezeitung Salzgitter': "Trotz aller Aufklärung und Belehrung wird mit dem Aufenthalte in einem Kurort immer noch zu stark der Gedanke an Vergnügungen und Luxus in den Vordergrund gerückt."

Mit dem Beginn der Erzförderung und dem Aufbau der Reichswerke ließ der Badebetrieb nach, ruhte während des Zweiten Weltkriegs und belebte sich erst ab 1950 deutlich. Allerdings waren die Kureinrichtungen ganz offensichtlich nicht mehr zeitgemäß. Trotz aller Modernisierungen war in den 1960er Jahren eine grundlegende Erneuerung unumgänglich. Das 1911 errichtete Badehaus mit seinen Wannenbädern genügte in keiner Weise mehr den Anforderungen. 1969 wurde entschieden, ein Kurzentrum auf dem Greif zu erbauen. Das neue Thermalsole-Wellenbad mit Kurmittelhaus und Sauna wurde 1972 eröffnet (und 1991 modernisiert). Der alte Salinen- und Kurbezirk erfuhr weitreichende Veränderungen: Der Kurgarten wurde 1973 als Salinengarten vorgestellt und 1989 zum Rosengarten umgestaltet, dessen Anziehungspunkt seit 2009 der Gradierpavillon ist. Salzgitter-Bad ist seit 1985 "Staatlich anerkannter Ort mit Sole-Kurbetrieb", die Kurort-Tradition wird mit großem Engagement erfolgreich gepflegt.


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