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Steigende Corona-Zahlen: Stadt Salzgitter weitet Maskenpflicht aus

Salzgitter hat einen eigenen, kritischen Inzidenzwert festgelegt, bei dem weiterer Handlungsbedarf besteht.

von Anke Donner


Gesundheitsdezernent Dr. Härdrich und Oberbürgermeister Frank Klingebiel sprachen über die neue Corona-Verordnung für die Stadt Salzgitter.
Gesundheitsdezernent Dr. Härdrich und Oberbürgermeister Frank Klingebiel sprachen über die neue Corona-Verordnung für die Stadt Salzgitter. Foto: Anke Donner

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10.11.2020

Salzgitter. Aufgrund steigender Corona-Zahlen, aktuell beträgt die Zahl der Covid19-Infektionen 801, hat die Stadt eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die am morgigen Mittwoch in Kraft tritt. Laut dieser neuen Verordnung ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung jetzt an noch mehr öffentlichen Plätzen Pflicht.



In einem Pressegespräch machte Oberbürgermeister Frank Klingebiel noch einmal auf die ernste Situation in Salzgitter aufmerksam und appellierte in diesem Zusammenhang eindringlich an die Bürger, sich an die Verfügung der Stadt zu halten. Nur durch eine konsequente Kontaktbeschränkung könne man das Virus bremsen. Denn, so Kingebiel, es sei offensichtlich, dass die meisten Infektionen aus dem privaten Umfeld hervorgehen. Das, was die Stadt ausmache - nämlich Gemeinschaft und Zusammenhalt - ist das, was nun auch zu den hohen Fallzahlen führe.

Bei einem aktuellen Inzidenzwert von 182 blieb der Stadt nur ein weiterer Schritt, um die Ausbreitung der Pandemie in den Griff zu bekommen. Dieser bestehe laut Klingebiel nur in der Konsequenz, die Maskenpflicht auszuweiten. Als erste Kommune hat die Stadt Salzgitter einen weiteren Inzidenzwert als Obergrenze für weitere Maßnahmen festgelegt. Dies bedeutet, dass bei einer 7-Tage-Inzidenz von 100 in weiteren Bereichen der Stadt die Maskenpflicht zu bestimmten Tageszeiten gilt. Damit hat sich die Stadt einen eigenen kritischen Wert gesetzt. Da die 7-Tage-Inzidenz im Stadtgebiet von Salzgitter seit kurzer Zeit deutlich über dem Wert von 100 liegt, werden mit dieser Allgemeinverfügung die Gebiete in den Innenstadtbereichen von Lebenstedt und Bad, in denen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist, für den Fall des Überschreitens des Wertes von 100 noch einmal vergrößert. So wird nun unter anderem auch auf dem Rathausvorplatz das Tragen einer Maske Pflicht. Ab einer Inzidenzzahl von 35 gilt zudem eine Maskenpflicht in Fredenberg rund um das Einkaufszentrum. In welchen Bereichen nun zusätzlich die Maskenpflicht gilt, ist in der Allgemeinverfügung der Stadt Salzgitter einsehbar.


Maskenpflicht in Salzgitter-Lebenstedt bei einer Inzidenz über 100. Foto: Stadt Saltgitter


Maskenplficht auf dem Wochenmarkt


Ab Mittwoch gilt auch eine Maskenpflicht auf den Wochenmärkten. Auf allen Plätzen im Stadtgebiet, auf denen die Wochenmärkte stattfinden, muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden und zwar jeweils für die Dauer ihrer Durchführung. Das betrifft die Märkte in Lebenstedt (Chemnitzer Straße, Am Schölkegraben und in der Gaußstraße) sowie in Salzgitter-Bad auf dem Marktplatz.

Die Festlegung der nun geltenden Maskenpflicht-Bereiche sei in enger Abstimmung mit dem Ordnungsamt und der Polizei ausgearbeitet worden, so Klingebiel. Ebenfalls seien die Öffnungszeiten der Geschäfte in den verschiedenen Stadtteilen mit in den Entschluss eingeflossen. So seien auch die unterschiedlichen Zeiten der Maskenpflicht zu erklären. Man habe die neue Allgemeinverfügung mit sehr viel Augenmaß erstellt, betont Klingebiel und machte deutlich, dass mal als Verwaltung möglichst transparent agieren und Akzeptanz bei den Bürgern schaffen wolle. Entsprechende Hinweisschilder sollen noch aufgestellt werden, um den Bürgern deutlich zu machen, dass eine Maskenpflicht gilt. In den ersten Tagen nach in Kraft treten der Verfügung wolle man bei Verstößen vorerst nur Verwarnungen aussprechen, so der Oberbürgermeister. Spätestens aber nach einer Woche werden dann aber Ordnungsgelder fällig, wenn gegen die Maskenpflicht verstoßen wird.



Maskenpflicht in Salzgitter-Bad bei einer Inzidenz über 100. Foto: Stadt Salzgitter


Hohes Testaufkommen bringt auch hohe Infektionszahlen hervor


Die Stadt Salzgitter ist, betrachtet man die umliegenden Städte und Landkreise, neben Peine, die Stadt mit den höchsten Inzidenzwerten. Warum es besonders in Salzgitter immer wieder zu hohen Infektionszahlen kommt, kann sich der Oberbürgermeister nur damit erklären, dass es einen hohen Gemeinsinn in der Stadt gebe. Die Menschen seien es gewohnt, zusammenzurücken und gemeinschaftlich Probleme anzugehen. "Das, was unsere Stärke ist, das Ehrenamt, das Zusammenstehen und gemeinschaftlich etwas machen, das mag vielleicht gerade jetzt auch unsere Schwäche bei der Bekämpfung der Pandemie sein. Weil wir hier in Salzgitter immer erfolgreich waren, wenn wir zusammengerückt sind. Und das ist gerade das Problem - zusammenrücken können wir nicht", sagt der Oberbürgermeister. Gleichwohl würden aber auch - zwar in geringem Maß - die Vorsorgetests, die von der Stadt Salzgitter auf freiwilliger Basis wöchentlich durchgeführt werden, zu einem höheren Positivergebnis führen. Das aber als Grund für die hohen Zahlen an Corona-Infektionen zu nennen, würde nicht zutreffen, sagt Klingebiel, der betont, dass man aber auch genau durch diese frühzeitigen Tests erreichen könne, unkontrollierte Ausbreitungen zu verhindern. "In dem Moment, wo beispielsweise ein Mitarbeiter, der keine Symptome hat, positiv ist, können wir ihn frühzeitig aus dem Alten-oder Pflegeheim herausnehmen und damit weitestgehend verhindern, dass die Erkrankung an Bewohner weitergegeben wird. Und in der Tat ist es dann in diesem Bereich so, dass wir im Vergleich zu anderen mehr positive Fälle erzielen, weil wir mehr testen", erklärt Klingebiel.

Die Vorsorge-Testungen, die unter dem Namen "Salzgitter Modell" geläufig sind, hat die Stadt bereits bei der ersten Welle veranlasst und trägt dafür auch selbst die Kosten. Wie Klingebiel berichtet, werden diese freiwilligen Testungen, denen Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen unterzogen werden, bis zum Jahresende mit 600.000 Euro in der Stadtkasse zu Buche schlagen. Pro Woche wird ein Mitarbeiter vorsorglich auf das Virus getestet. "Es geht um den Schutz der Risikogruppe. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter verstirbt, ist eben höher. Durch diese Testungen wollen wir diesen besonderen Schutz sicherstellen. Und das gibt es - so weit ich weiß - bundesweit in diesem Maße nur bei uns. Zumindest waren wir die Ersten. Weil wir gesagt haben, dass wir in diesem Bereich etwas tun müssen", erklärt Frank Klingebiel abschließend.


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