whatshotTopStory

Streit um die Schafe von Gastwirt Düvel am Pferdemarkt 1836


Stadtansicht von der Südseite: im Vordergrund der Friedrich-Ebert-Platz 1859. Foto: Stadtarchiv Peine
Stadtansicht von der Südseite: im Vordergrund der Friedrich-Ebert-Platz 1859. Foto: Stadtarchiv Peine

Artikel teilen per:

04.12.2016

Peine. Wie die Stadt Peine mitteilt, ist ein neues Archiv-Sonderblatt mit der Nummer 4/2016 mit dem Titel "Streit um die Schafe von Gastwirt Düvel am Pferdemarkt 1836" erschienen.



Die Pressemitteilung der Peiner Stadt zum Archiv-Sonderblatt veröffentlichen wir im Folgenden ungekürzt und unkommentiert:
Im frühen 19. Jahrhundert, als der Friedrich-Ebert-Platz noch weit vor den Toren der Stadt lag und den Peinern schlicht als „Pferdemarkt“ geläufig war, betrieb dort Christian Düvel (Düwel) seine Gastwirtschaft. 1811 hatte er sie in seinem Garten als Ausflugslokal errichtet – ein Ort, an dem später die Peiner Festsäle entstehen sollten. Damals war es weit und breit das einzige Gebäude. Im weiten Rund erblickte man nur Felder und Gärten, die sich südlich der Stadt ausdehnten und noch nicht durch Bahngleise zerschnitten und abgetrennt waren. Die Gaststätte allein reichte Düvel als Lebensunterhalt aber nicht und so hielt er – wie die meisten Peiner Bürger – nebenher noch ein wenig Vieh, darunter einige Schafe. Damit beim „Hüten und Weiden“ des Viehs der Stadtbürger alles mit rechten Dingen zuging, gab es eine offizielle städtische Kommission, die auf die Einhaltung der Regeln zu achten hatte. Im Jahre 1836 nahmen diese sogenannten „Weidedeputierten“ an einer Ratssitzung teil, um dort eine Beschwerde vorzutragen, wie im Protokoll vermerkt ist: „Die Weidedeputierten bemerkten, dass Düwel auf dem Pferdemarkte 10 Schafe vor den Schäfer treibe und da derselbe als Anbauer kein Recht habe, Schafe vorzutreiben, so glaube man, dieserhalb Anfrage machen zu müssen. Es wurde hierauf beschlossen, dem Schäfer bei 5 Rt [Reichstaler] Strafe aufzugeben, die Schafe des Düwel sofort zurückzuweisen, auch solle diese Verfügung dem g.[enannten] Düwel eröffnet werden.“ Gastwirt Düvel nahm das nicht widerspruchslos hin und wandte sich seinerseits an den Rat. „Höchstbefremdend war es mir“, schrieb Düvel, „dass […] mir anbefohlen wurde, meine Schafe nicht ferner auf die hiesige Weide vor den Hirten zu treiben.“ Obendrein habe ihm Schafmeister Welge schon Tags darauf seine „10 Stück Schafe und 4 Stück Lämmer […] ins Haus zurückgebracht.“ Außerdem reklamierte Düwel ein unstrittiges Gewohnheitsrecht für sich, denn „seit 22 bis 25 Jahren“ habe er seine „Schafe auf solche Weise vor dem Hirten hieselbst auf die Weide ungestört und ungehindert getrieben.“ Besonders die Angabe Düvels, schon seit mehr als zwanzig Jahren seine Schafe mitzutreiben, beeindruckte die Magistratsmitglieder. Ein elementarer Punkt, den man etwas genauer untersuchen wollte und daher nach Zeugen Ausschau hielt.

Wie die Streitsache ausging sowie weitere aufschlussreiche Details seien nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das ab sofort in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist: Stadtarchiv, Stadtbücherei, Rathaus (Bürgerbüro), Kreismuseum sowie im Internet als Pdf-Datei zum Download unter "http://www.peine-online.de/".


zur Startseite