Helmstedt

Trauma-Netzwerks Niedersachsen: B.A.C.A. stellte sein Konzept vor


Volker Vogel von Bikers against Child Abuse stellte, die Arbeit des Vereins vor. Foto: AWO Psychiatriezentrum Königslutter
Volker Vogel von Bikers against Child Abuse stellte, die Arbeit des Vereins vor. Foto: AWO Psychiatriezentrum Königslutter

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16.06.2017

Königslutter. Traumapädagogik – Anerkennung, Schutz und soziales Netz für Opfer von Gewalttaten – so lautete das Motto der 7. Fachtagung des Trauma-Netzwerks Niedersachsen am gestrigen Mittwoch im AWO Psychiatriezentrum Königslutter stattfand. Mit dabei waren auch die Biker des gemeinnützigen Vereins Bikers against Child Abuse (B.A.C.A.).


Der Verein B.A.C.A versteht sich als Behüter von Kindern, die Missbrauchsopfer geworden sind. Aber, sie entsprechen so gar nicht dem Klischee der gewaltbereiten Bikern, sondern setzen sich genau für das Gegenteil ein und propagieren die Ablehnung jeder Form von Gewalt. Volker Vogel, Präsident des Vereins, sagte gleich zu Beginn „Wir sind einfach nur da. Wir wollen dem Kind Kraft geben.“ Aus diesem Grund zelebrieren die Biker bei der Aufnahme eines Kindes in die „Biker-Familie“ bestimmte Rituale, zu denen auch die Übergabe einer Kutte dient. Damit verbunden ist das Versprechen: Wir sind Tag und Nacht für dich da, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. „Wenn ein Kind nachts anruft, weil es Angst hat, kommen wir mit unseren Motorrädern. „Manchmal stehen wir einfach nur vor der Tür, das Kind schaut aus dem Fenster und kann ruhig schlafen,“ berichtet Vogel. Die Biker-Philosophie und Mentalität hilft, missbrauchte Kinder zu stärken. Die Zusammenarbeit mit Polizei ist gut, genauso wie mit anderen Institutionen, zum Beispiel bei der Begleitung des Kindes zu Gericht. Dabei hat Bikers against Child Abuse keinen therapeutischen Anspruch.


Dieser therapeutische Hintergrund wird im Traumanetzwerk durch die angeschlossenen Krankenhäuser und Fachärzte gewährleistet. Das Traumanetzwerk konnte seit 2009, dem Jahr der Gründung, 22 Anlaufstellen für Erwachsene und elf Anlaufstellen für Kinder- und Jugendliche im Netzwerk etablieren. Weiterer Hilfebedarf an verschiedenen Stellen ist aber notwendig.



Handlungsbedarf an vielen Stellen


So berichtete Prof. Dr. Birgit Herz von einer mehr als 100-prozentigen Steigerung von Kindern im Förderschulbereich, denen das Label ‚verhaltensgestört‘ verpasst wird. Förderpädagogen kommen schnell an die Grenzen, sie sind konfrontiert mit dem inneren Chaos des Kindes, deren Not, aber auch mit der Wut traumatisierter Kinder. Solche Kinder sprengen schnell die Grenzen des Systems. Daraus entsteht ein Kreislauf von Verlegungen, eine Institution reicht das Kind an eine andere weiter „wie eine heiße Kartoffel“.


Traumapädagischen Beratungsstellen fehlen die Möglichkeiten, auch deshalb, weil Fachwissen, diagnostisches Wissen und die Möglichkeiten für Fallbesprechungen und Supervision noch längst nicht überall gegeben sind. Dies bestätigte auch die Schulpsychologin Friederike Dushe von der Landesschulbehörde, die ein ressourcenorientiertes Modell zur Arbeit mit Opfern von Gewalt an Schulen anbieten.


Auch ein Betroffener, Mathias Katsch, Mitglied des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten sexueller Missbrauch (UBSMK) und Sprecher der Initiative eckiger Tisch, bemängelte, dass selbst Profis unsicher im Umgang mit Opfern sexueller Gewalt sind. Dabei sei Aufklärung eine gesellschaftliche Aufgabe; die Reflexion, Kommunikation und am Ende auch die Anerkennung bewirken eine Änderung im Denken und im Verhalten der Gesellschaft.


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