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TU will Mobilfunknetze entlasten


Forscher der TU haben ein neues System entwickelt, Handynutzer sollen davon profitieren. Symbolfoto: Archiv
Forscher der TU haben ein neues System entwickelt, Handynutzer sollen davon profitieren. Symbolfoto: Archiv Foto: Sina Rühland

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11.10.2016

Braunschweig. Immer mehr Menschen nutzen mobile Geräte auch für den Video-Konsum. Wenn viele Nutzer gleichzeitig dasselbe Video abrufen, gerät das Mobilfunknetz an seine Grenzen. Das Institut für Nachrichtentechnik der TU hat nun ein System entwickelt, um das Problem zu lösen.


Tower Overlay für LTE-A+ , kurz TOoL+ spannt einen "Datenschirm" über die kleinflächigen Zellen der Mobilfunknetze. Dazu wird die große Reichweite hoher Sendemasten genutzt, die bisher Fernsehprogramme übertragen. Die Braunschweiger Ingenieure betten das LTE-Handysignal in das DVB-T2-Signal ein, so dass die bereits vorhandene Rundfunkinfrastruktur genutzt werden kann. Wollen einzelne Mobilfunkkunden beispielsweise ein Fußballspiel auf ihrem Smartphone sehen, erhalten sie die Signale aus dem heutigen Mobilfunknetz. Nimmt die Zahl der Zuschauer aber zu, wird der "Datenschirm" hinzugeschaltet und übernimmt die Versorgung, ohne dass die Zuschauer den Übergang merken. Die Mobilfunknetze werden entlastet.

Erfolgreiche Tests


Prof. Ulrich Reimers, der "Vater" des TOoL+-Systems, erklärt: "Im April 2015 haben wir TOoL+ erstmals erfolgreich in Feldversuchen vom Eiffelturm in Paris und im Aosta-Tal in Italien getestet. Heute können wir zeigen, wie es nahtlos in die bestehenden Mobilfunknetze integriert werden kann. Solche Mehrschicht-Netzwerke zu ermöglichen ist ein zentrales Anliegen unserer Forschung." Vincent Grivet, Vorstand Broadcast Development des französischen Sendernetzbetreibers TDF, ergänzt: "Die Video-Übertragung über Mobilfunknetze wird zunehmend ausgereift und für die Kunden attraktiv. Hohe Sendemasten dafür zu nutzen, viele Nutzer zu erreichen ist für die Mobilfunknetz-betreiber eine große Chance zur Optimierung von Kosten und Reichweite – und das ist es, was TOoL+ möglich macht. Dr. Alberto Morello, Vorstand des Forschungszentrums von Radio Italiana (Rai) in Turin, erläutert: "Es wird nicht mehr lange dauern, bis alle Standard-LTE-Geräte TOoL+-Signale empfangen können. Auf unserem Weg von einer Sendeanstalt zum Medienunternehmen ist es wichtig, die Kunden auch mobil zu erreichen." Die industrielle Umsetzung der TOoL+-Technologie erfordert in überschaubarem Umfang Anpassungen des derzeitigen LTE-Standards. Sobald dies geschehen ist, könnte das neue System von der breiten Masse genutzt werden, sind sich die Forscher sicher.


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