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Udo Schnelle referierte anlässlich des Reformationsjubiläums



Peine

Udo Schnelle referierte anlässlich des Reformationsjubiläums


Superintendent Dr. Volker Menke (links)  und Professor Dr. Udo Schnelle. Foto: Kirchenkreis
Superintendent Dr. Volker Menke (links) und Professor Dr. Udo Schnelle. Foto: Kirchenkreis

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Peine. Im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe zum 500. Jubiläum der Reformation hatte der evangelisch-lutherische Kirchenkreis zu einem Vortrag mit dem Thema „Willkommen in Gottes Welt. Bibel, Rechtfertigung und Weltverantwortung bei Martin Luther“ ins Gemeindehaus St. Jakobi eingeladen. Mehr als 40 Besucher waren der Einladung gefolgt.



Professor Dr. Udo Schnelle lehrt Neues Testament an der Fakultät für evangelische Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und hat mehrere theologische Einführungswerke verfasst. Von 2014 bis 2015 war er der Präsident der neutestamentlichen Forschungsgesellschaft Studiorum Novi Testamenti Societas.

Superintendent Dr. Volker Menke begrüßte die Gäste und stellte den Referenten und seine Arbeit vor. „Über 20 Bücher finden sich in seiner Bibliographie. Generationen von Theologiestudenten sind mit ihnen groß geworden“, sagte er.

Der Referent stieg mit kurzen Ausführungen zur allgemeinen Lage der Welt in den Vortrag ein. Er nahm insbesondere Bezug auf die fortschreitende Technisierung und Robotik, aber auch auf das ungebrochene Machtstreben und die Gier der Menschen. Beides führe zu Krieg und Terror.

„Sie fragen sich bestimmt, was das alles mit Luther zu tun hat. Eine ganze Menge, denn alles was den modernen Menschen ausmacht, hat in der Reformation seinen Ursprung“, führte Professor Schnelle aus.Das machte der Experte an drei Aussagen fest. Erstens habe Luther ein neues Gottverständnis etabliert. Der Glaube des Einzelnen sei das einzige, das zählt. In der Mitte des neuen Glaubens steht Jesus Christus. Zweitens entsteht daraus die Frage, wie man sich eigentlich als von Gott gerechtfertigter Mensch verhält. Hier führte Professor Schnelle die Zwei-Reiche-Lehre an und die daraus resultierende Erkenntnis, dass Politik nicht von Religion beeinflusst werden dürfe und umgekehrt.

Abschließend ging er auf die Logik des christlichen Glaubens ein, in der nicht der Mensch etwas bewirkt, sondern allein Gottes Handeln. Durch die Entfernung von Gott stelle sich der Mensch immer mehr an seine Stelle. „Gott soll immer mehr aus dem Alltag verbannt, die Religion entzaubert werden. Doch was ist an diese Stelle getreten? Diesseits-Religionen wie Schönheit, Ernährung, Handy, Fußball oder Gesundheit“, sagte Professor Schnelle. Besser gehe es der Welt dadurch nicht, denn die Schere zwischen Arm und Reich klaffe immer weiter auseinander und die Vernichtung der Schöpfung schreite unaufhaltsam voran. So sei die Botschaft des Glaubens heute aktueller denn je. „Wir brauchen keine neue Welt. Wir sollten lieber dafür sorgen, dass diese Welt nicht untergeht“, bekräftigte der Fachmann abschließend.


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