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"Überbelastung" - Gewerkschaftsbund fordert sechsjährigen Mietenstopp



"Überbelastung" - Gewerkschaftsbund fordert sechsjährigen Mietenstopp

46,6 Prozent aller Mieterhaushalte in Braunschweig müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete zahlen.

In der Mietenstopp-Zeit sollen neue Sozialwohnungen geschaffen werden. (Symbolbild)
In der Mietenstopp-Zeit sollen neue Sozialwohnungen geschaffen werden. (Symbolbild) Foto: Pixabay

Braunschweig. Angesichts der dramatischen Mietkostenbelastung in Braunschweig fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Niedersachsen einen Mietenstopp und mehr bezahlbare Neubauwohnungen. 46,6 Prozent aller Mieterhaushalte in Braunschweig müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete zahlen. Damit gelten diese Haushalte nach Ansicht der Autoren einer aktuellen Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung als überbelastet durch ihre Wohnkosten. Ihnen bleibt wenig Geld für andere Lebensbereiche. Hierüber berichtet der DGB in einer Pressemitteilung.



Die Studie zeige auch: Selbst wenn alle Mieterhaushalte auf Wohnungen mit angemessener Größe und Preis verteilt werden würden, fehlen in Braunschweig 11.524 bezahlbare Wohnungen. „Viele Beschäftigte mit niedrigen und mittleren Einkommen müssen einen großen Teil ihres erarbeiteten Einkommens direkt an die Vermieter weiterreichen. Selbst bei guten Tarifabschlüssen fressen die Mieten die Einkommen zunehmend auf. Deswegen fordern wir von der nächsten Bundesregierung einen sechsjährigen Mietenstopp. Die Menschen brauchen eine Atempause“ sagte Micheal Kleber, Geschäftsführer der DGB-Region SüdOstNiedersachsen.

"Turbo" beim Neubau


„Der sechsjährige Mietenstopp muss genutzt werden, um beim Bau bezahlbarer Wohnungen den Turbo einzuschalten. Seit 2000 hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in Niedersachsen halbiert. Diese Lücke ist nicht von heute auf morgen zu füllen. Alle politischen Ebenen – Bund, Länder und Kommunen – sind in der Pflicht, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen. Bund und Länder müssen ausreichend Fördermittel für den Bau von Sozialwohnungen zur Verfügung stellen. Ebenso muss die Landesregierung endlich den ersten Spatenstich für eine Landeswohnungsbaugesellschaft setzen, um ihrerseits mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Auf kommunaler Ebene brauchen wir eine bessere personelle Ausstattung der Bau- und Planungsämter, einen strategischen Ankauf von Flächen sowie die Stärkung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Zudem muss die Stadt ihre planungsrechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und Investoren beim Wohnungsbau stärker auf das Gemeinwohl verpflichten“, so Kleber weiter.



Das Team um den Berliner Stadtsoziologen Andrej Holm hat in seiner Studie die Daten des Mikrozensus von 2018 ausgewertet und die Wohnsituation in den 77 Großstädten Deutschlands analysiert. Die Mietbelastungsquote errechnet sich aus dem Anteil des Haus- haltsnettoeinkommens, das für die Miete einschließlich der Betriebs- und Heizkosten aufge- wendet werden muss. Danach haben in Braunschweig 22,5 Prozent aller Haushalte eine Mietbelastungsquote von mehr als 40 Prozent und 11,1 Prozent müssen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aufwenden.


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