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Überstundenkonto bei der Feuerwehr explodiert - Wie steht es um unsere Brandschützer?

Die Zahl der geleisteten Überstunden hat sich im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Stadt Braunschweig berichtet, dass man mit einer zeitnahen Verbesserung der Personalsituation rechne. Doch auch hierbei spiele das Coronavirus eine Rolle.

von Marvin König


Ein Einsatzfahrzeug der Berufsfeuerwehr in Braunschweig. (Archivbild)
Ein Einsatzfahrzeug der Berufsfeuerwehr in Braunschweig. (Archivbild) Foto: Anke Donner

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11.09.2020

Braunschweig. Zwischen 2018 und 2019 hat sich die Zahl der Überstunden bei der Berufsfeuerwehr im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Waren es von 2017 bis 2018 noch 3.129 Überstunden, die sich auf dem Konto angehäuft haben, kamen im Folgejahr ganze 6.819 Überstunden zusammen. Dies geht aus einem Bericht an den Feuerwehrausschuss der Stadt Braunschweig hervor. Gleichzeitig sind zwölf Stellen bei der Berufsfeuerwehr nach wie vor vakant, wobei es sich hauptsächlich um Führungspositionen handelt. Wie die Stadt Braunschweig auf Anfrage erklärt, rechne man mit einer zeitnahen Besserung der Situation.


"Im Jahr 2018 wurden 3.129 Mehrarbeitsstunden geleistet, im Jahr 2019 waren es 6.819 Stunden. Bei der Aufschlüsselung der Zahlen nach Dienstgruppen zeigt sich, dass diese Zunahme überwiegend durch die Mitarbeitenden der Wachabteilungen geleistet wurden. Im Jahr 2019 wurde die Aus- und Fortbildung intensiviert und es gab zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die Elternzeit genommen haben", begründet Stadtsprecher Adrian Foitzik unter Berufung auf den städtischen Fachbereich Feuerwehr den Aufbau der Überstunden. Hinzu gekommen sei bei den Kräften der Laufbahngruppe 2 die Betreuung zahlreicher Großprojekte wie der Neubau des Führungs- und Lagezentrums (FLZ) und die damit verbunden Aufgaben. Foitzik ergänzt: "Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese 1.781 Mehrarbeitsstunden in den Wachabteilungen im Jahr 2019 von zirka 270 Mitarbeitenden geleistet wurden. Dies sind im Schnitt 6,6 Stunden pro Person im Jahr 2019 geleistete Mehrarbeit. Das relativiert die Zahl deutlich." In der Laufbahngruppe 2 entfielen etwa 83 Überstunden im Jahr 2019 auf jeden Mitarbeiter.

Die zwölf bislang vakanten Stellen in der Laufbahngruppe zwei sollen im April 2021 von aktuell in Ausbildung befindlichem Personal besetzt werden. Doch wieso ist dies nicht schon früher gestehen, um dem relativierten, aber dennoch sprunghaften Anstieg der Überstunden entgegenzuwirken? "Durch die Umsetzung des Feuerwehrbedarfplans und der Organisationsuntersuchung hat es in den Jahren 2017 bis 2019 einen deutlichen Stellenanwuchs um etwa 40 Stellen bei der Feuerwehr Braunschweig gegeben. Diese zusätzlichen Stellen konnten nur sukzessive besetzt werden", erklärt Foitzik. Neben der eigenen Ausbildung von Nachwuchskräften habe die Stadt Braunschweig auch versucht, die Stellen über externe Stellenausschreibungen zeitnah zu besetzten. Dies sei jedoch nur zum Teil erfolgreich gewesen.

Corona-Pandemie hat Einfluss auf die Feuerwehr


Die Stadt betont, dass sich die personelle Situation seit dem 1. April 2020 ohnehin schon verbessert habe, der weitere Ausblick sei jedoch schwierig. Schuld daran sei auch die Corona-Pandemie: "Drei Mitarbeiter der Laufbahngruppe 2 und vierzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Laufbahngruppe 1 konnten ihre Ausbildung erfolgreich beenden. Eine verlässliche Prognose für das Jahr 2020 ist aktuell nicht möglich", meint Adrian Foitzik. Durch die Pandemiesituation seien sämtliche Aus- und Fortbildungen von März bis Juni 2020 gestoppt worden, gleichzeitig wurde insbesondere von Führungskräften maßgeblich in der Gefahrenabwehrleitung der Stadt mitgearbeitet. Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie wird auch einen erheblichen Einfluss haben."

Städte ringen um Personal


Personal insbesondere für die Laufbahngruppe zwei zu gewinnen und/oder auszubilden, sei jedoch nicht einfach. Bei der Laufbahngruppe zwei handelt es sich um den sogenannten "gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst", eine Führungsposition. Für den Direkteinstieg benötigen Feuerwehrbeamte der Laufbahngruppe 2 ein technisches Studium und eine anschließende zweijährige Laufbahnausbildung zum Feuerwehrbeamten. "Die Feuerwehren konkurrieren hierbei mit der Industrie um die Absolventen der technischen Studiengänge", erklärt Stadtsprecher Adrian Foitzik und fährt fort: "In den letzten Jahren ist zudem die Anzahl der Führungskräfte in der Laufbahngruppe 2 bei fast allen Feuerwehren in Deutschland deutlich gestiegen. Es gibt bundesweit einen hohen Bedarf an diesen Fachkräften und einen intensiven Wettbewerb zwischen den Städten."

Innerhalb der Feuerwehr gebe es jedoch auch Aufstiegsmöglichkeiten. Eine Weiterqualifikation von der Laufbahngruppe 1 (Mittlerer Dienst) dauert acht Monate. Foitzik berichtet, dass sich derzeit drei Kollegen der Berufsfeuerwehr im Aufstieg befinden und ihre Fortbildung voraussichtlich im März 2021 beenden werden.

Wie positioniert sich Braunschweig am Personalmarkt?


Vor einigen Jahren hieß es in einem Feuerwehrausschuss, dass die Berufsfeuerwehr Probleme hätte, Personal zu halten. Foitzik dementiert, dass dies aktuell noch ein Thema sei: "Die Berufsfeuerwehr Braunschweig hat aktuell keine Probleme, Personal zu halten. Die jährliche Fluktuation zu anderen Dienststellen und Werkfeuerwehren liegt bei etwa einem Prozent. Es gab in den letzten 24 Monaten lediglich eine Versetzung eines Feuerwehrbeamten zu einer anderen niedersächsischen Feuerwehr." Im Vergleich zu anderen niedersächsischen Feuerwehren seien die Arbeitsbedingungen bei der Berufsfeuerwehr in Braunschweig "absolut konkurrenzfähig." Trotzdem sei es der Stadt wichtig, die Arbeitsbedingungen kontinuierlich zu verbessern. "Hierzu zählen unter anderem die Umsetzung der Empfehlungen der Organisationsuntersuchung mit der Schaffung von zusätzlichen Stellen und die intensiven Bemühungen diese Stellen zu besetzen sowie der Neubau des Führungs- und Lagezentrums mit den neuen Räumlichkeiten für die Integrierte Regionalleitstelle Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel", so Foitzik abschließend.


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