Braunschweig

Unternehmergespräch mit vielen Gästen


Auswirkung der Digitalisierung auf Märkte und Geschäftsmodelle erläuterte Dr. Andreas Brill von der Agentur business4brands aus Duisburg beim 33. Unternehmergespräch der Stadt Braunschweig. Hier Brill (von rechts nach links) im Gespräch mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa und Gastgeber H.G. Christian Krentel, Vorstandsvorsitzender der ckc Group. Foto: Jürgen Sperber
Auswirkung der Digitalisierung auf Märkte und Geschäftsmodelle erläuterte Dr. Andreas Brill von der Agentur business4brands aus Duisburg beim 33. Unternehmergespräch der Stadt Braunschweig. Hier Brill (von rechts nach links) im Gespräch mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa und Gastgeber H.G. Christian Krentel, Vorstandsvorsitzender der ckc Group. Foto: Jürgen Sperber Foto: Jürgen Sperber

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07.09.2016




Braunschweig. „Als Mittelpunkt der größten Forschungsregion Deutschlands ist Braunschweig dafür prädestiniert, technologisch als smarte Stadt zu punkten“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth am Dienstag, 6. September, vor rund 300 Gästen beim 33. Braunschweiger Unternehmergespräch in den Räumen des Technologieunternehmens ckc Am alten Bahnhof.

Die Digitalisierung sei das zentrale Thema für Unternehmen und Gesellschaft, sie berge gleichermaßen Risiken wie Chancen, weil sich sehr vieles grundlegend ändern könne. Auch die Stadt stehe digitalen Neuerungen positiv gegenüber. Die neuen Technologien eröffneten ungeahnte Möglichkeiten, Nachfragewünsche zu wecken und auch zu erfüllen. Deshalb habe die Stadt gemeinsam mit den Nachbarstädten die Initiative für ein regionales WLAN ergriffen. In Braunschweig haben derder Energieversorger BS|Energy und der Provider htp einen ersten Schritt unternommen und vor dem Schloss, auf dem Bohlweg und dem Kohlmarkt ein öffentliches WLAN eingerichtet. Dieser Internetzugang eröffne die Möglichkeit, Dienstleistungsangebote, die sich an Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt richten, kostenfrei zu beziehen.

Viel in Arbeit


Die Stadt, so der OB, bereite schon lokale digitale Angebote vor: So müssen Parkgebühren in Braunschweig nicht mehr bar bezahlt werden, sondern können in Kürze mit dem Handy beglichen werden, und Touristen lernen Sehenswürdigkeiten schon seit längerem mit der Braunschweig-App kennen. Es sei zu erwarten, dass auch Braunschweiger Unternehmen verstärkt auf diesem Terrain aktiv würden. „Je vielfältiger das lokale Angebot ausfällt, desto größer werden die direkten Auswirkungen auf die Lebensqualität der Stadt sein.“ Die Aufgeschlossenheit für den Wandel sei weit mehr als eine Mode, sagte der OB. „Wer nicht an Bedeutung verlieren will, sollte besser zu denen zählen, die rechtzeitig den nächsten Schritt in Richtung digitale Transformation gehen.“ Braunschweig sei in dieser Hinsicht in einer guten Position.

Automatisiertes Fahren


Markurth verwies darauf, dass sich die Stadt als eine von sechs Städten für einen digitalen Feldversuch des Bundesverkehrsministeriums qualifiziert habe, in dem automatisiertes Fahren im Realverkehr entwickelt werden soll. Damit werde die besondere Kompetenz der Stadt beim Thema Mobilität anerkannt. Mit der „Anwendungsplattform Intelligente Mobilität“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt liege Braunschweig auf diesem Gebiet weit vorn. Auch die von Volkswagen angekündigte technologische Offensive bei Zukunftsthemen wie Mobilitätsdienstleistungen, Elektromobilität, Batterietechnik und selbstfahrende Autos könne in Braunschweig und der Region einen Schub auslösen, der sich vor allem bei der Technischen Universität und den Braunschweiger Forschungsinstitutionen wie dem Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik und dem Niedersächsischen Forschungszentrum für Luftfahrt am Forschungsflughafen, aber auch bei Braunschweiger Unternehmen bemerkbar machen würde.

Schaffung von Wohnraum


Braunschweig sei seit Jahren eine wachsende Stadt, die vom Zuzug junger Erwachsener profitiere. Eine weitere Herausforderung sei daher die Schaffung von Wohnraum, der die Stadt mit einer differenzierten Wohnungsbaupolitik bisher nicht dagewesenen Ausmaßes begegnet, sagte Markurth. „Wir erleben derzeit einen regelrechten Boom des Wohnungsbaus in Braunschweig. Stadtteile werden ihr Gesicht verändern wie lange nicht mehr.“ Bis 2020 werde für 5.000 Wohneinheiten Baurecht geschaffen. Die Stadt unternehme überdies große Anstrengungen bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen und sei bereit, dafür auch ungewöhnliche Wege zu gehen. So seien im jüngst vom Rat beschlossenen Gewerbeflächenentwicklungskonzept Spielräume in innenstadtnahen „integrierten“ Standorten vor allem für wissensintensive Unternehmen festgestellt worden. Kommunale Grenzen spielten bei diesem Thema eine immer geringere und regionale Zusammenarbeit eine immer größere Rolle.


Er sei optimistisch, dass es gelingt, gemeinsam mit der Stadt Salzgitter ein interkommunales Gewerbegebiet von rund 300 Hektar auszuweisen, sagte der OB. Unabhängig davon loteten die Städte Braunschweig und Wolfsburg und der Landkreis Helmstedt eine Kooperation zur Entwicklung von Gewerbeflächen aus.

Gründer stärken


Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa ging in seiner Begrüßung darauf ein, dass Wirtschaftsförderung darauf abziele, die in Deutschland schwach ausgeprägte Gründerkultur zu stärken und Innovationspartnerschaften zu fördern. Deshalb habe die Braunschweig Zukunft GmbH dem Wirtschaftsausschuss ein Konzept vorgelegt, einen „Innovationsflügel“ im Lilienthalhaus am Forschungsflughafen für Gründer und junge Unternehmen speziell aus dem Bereich der Luft-, Raumfahrt und Verkehrstechnik einzurichten. Hochschulabsolventen, Gründer und Jungunternehmer, aber auch Projektpartner könnten dort zueinander finden und so ein Teil des Mobilitätsclusters Forschungsflughafen werden, etwa um Projekte voranzutreiben. „Ich rechne fest damit, dass aus diesem Angebot neue Arbeitsplätze im Technologiesektor entstehen, denn der Flughafen in Waggum entwickelt zu einem Hotspot europäischer Forschung“, betonte Leppa. „Die Braunschweiger Gründerszene verdient überdies mehr ins Rampenlicht gestellt zu werden“, fuhr der Dezernent fort. Bei einer Bestandsaufnahme sei aufgefallen, dass sich nahe der Technischen Universität weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit eine vielfältige Gründerszene etabliert hat. Hier seien viele Institutionen und Initiativen, die sich mit Wissenstransfer, Innovationen und Unternehmensgründungen beschäftigen. „Diese Konzentration von Gründergeist und technologiebegeisterten Menschen ist in unserer Region etwas Besonderes“, sagte Leppa. „Deshalb haben wir den Begriff vom Braunschweiger ‚Gründerquartier‘ eingeführt, der signalisiert, dass Gründer hier auf Gleichgesinnte treffen“.

Digitalisierung im Mittelpunkt


Gastredner des Abends war Dr. Andreas Brill, Geschäftsführer der business4brands Consulting GmbH aus Duisburg. Schon seit Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte er Konzepte für die digitale Ära. In Köln war er an der privaten Universität Witten/Herdecke tätig, war Manager von Einzelhandel- und Fashion-Unternehmen, gründete 2006 die Agentur business4brands und unterstützt seitdem mit einem Team von 20 Spezialisten als Vordenker, Berater und Dienstleister Unternehmen und Marken auf ihrem Weg in die digitale Transformation. In seinem Vortrag „The winners lose it all. Die Dynamik der Digitalisierung der Wirtschaft“ erklärte er, wie durch die Digitalisierung immer schneller immer weitreichendere Möglichkeiten entstehen, ganze Geschäftsmodelle zu revolutionieren und damit Märkte komplett auf den Kopf zu stellen.

Mit einem Imbiss bei intensiven Gesprächen klang das Unternehmergespräch aus.


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