Braunschweig

"(Un)würdige Pflege": Bündnis ruft zur Mahnwache am Schlossplatz auf

Es komme öfter vor, dass älteren Patienten oder Bewohnern von Pflegeheimen nicht die ausreichende Betreuung zukomme, die nötig wäre. Gegen diese "menschen(un)würdige Pflege" demonstriert das Pflegebündnis.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: pixabay

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23.07.2020

Braunschweig. Am Samstag veranstaltet das Braunschweiger Pflegebündnis unter dem Motto "Menschen(un)würdige Pflege" von 16:00 bis 17:30 Uhr eine Mahnwache auf dem Schlossplatz in Braunschweig. Dies berichtet das Pflegebündnis in einer Pressemitteilung.


Zum wiederholten Male rücke das Bündnis damit die teilweise katastrophalen Bedingungen in der Pflege in die Öffentlichkeit. Aber es seien nicht nur die Arbeitsbedingungen und Löhne, die den Pflegekräften Sorge bereiten, sondern die oftmals menschenunwürdige Pflege, die daraus resultiere.

"Wenn bei Pflegekräften die Bedingungen auf einer Station nicht stimmen oder es Probleme mit Bewohnern gibt, können diese aber nach acht Stunden nach Hause gehen, sich in einen anderen Bereich versetzen lassen oder zur Not kündigen. Es wird aber leicht vergessen, dass zum Beispiel für Bewohner in Pflegeheimen die Situation eine andere ist. Sie leben dort, können nicht einfach umziehen und sind auf Hilfe angewiesen”, sagte Bernadette Kersten, Altenpflegerin außer Dienst. "Menschenunwürdige Pflege heißt nicht nur, dass offensichtliche Gewalt oder Vernachlässigung ausgeübt wird, sondern sie beginnt schon dann, wenn Patienten oder Bewohnern ihre Entscheidungsfreiheit und Würde genommen wird, auch wenn dies oft schlicht und einfach aus der Not heraus entsteht.” Krankenschwester Katrin Hünger fügt an: "Es kann nicht sein, dass ein Patient püriertes oder flüssiges Essen gereicht bekommt, nur weil einfach keine Zeit dafür ist diesem Menschen ein normales Essen Bissen für Bissen anzureichen und zu warten bis er oder sie fertig gekaut hat.”

Das Bündnis ist sich einig: Um menschenwürdige Pflege leisten zu können, brauche es genügend Zeit und eine Personalbemessung, die sich am Bedarf der Patienten orientiert. Es dürfe im Gesundheitswesen nicht um Einsparungen und Profite gehen, sondern der Mensch müsse wieder in den Fokus gerückt werden.

Bündnismitglied Siegfried Schulz erklärt außerdem: "Menschenwürdige Pflege braucht Pflegekräfte, die Missstände und Gefahren in der Versorgung auch anzeigen und sich aktiv für Verbesserungen in ihrem erwählten Beruf einsetzen”, dazu gehöre für ihn auch, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Unterstützung erhält das Braunschweiger Pflegebündnis diesmal nicht nur von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, sondern auch lautstark und rhythmisch von der Braunschweiger Samba-Trommelgruppe “Sambattac”.

Engagierte Kollegen, pflegende Angehörige und an der eigenen Gesundheit interessierte Bürger sind eingeladen der Mahnwache beizuwohnen und sich am 25. Juli gemeinsam für eine menschenwürdige Pflege auszusprechen.


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