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Versorgungslücke geschlossen: Klinikum eröffnet Psychosomatik

von Thorsten Raedlein



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01.08.2014


Braunschweig. Das Klinikum Braunschweig eröffnet in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik die neue Fachabteilung Psychosomatik. Dieses neue Angebot in Braunschweig startet ab 1. August am Standort Celler Straße mit zunächst 15 Betten. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2015 sollen insgesamt 34 Betten zur Verfügung stehen.

Damit dürfte der Leidensweg vieler Patienten abgekürzt werden. Diese wandern auf jahrelang von Arzt zu Arzt, beklagen Rücken-, Herz-, Magen- oder Darmbeschwerden. Doch organische Ursachen lassen sich in der Regel nicht finden. Immer häufiger lautet bei unerklärlichen Schmerzen, Ängsten und Unruhen die Diagnose daher: psychosomatische Störungen. Laut einer aktuellen Erhebung des Landes Niedersachsen liegt der stationäre Behandlungsbedarf allein in der Region Braunschweig bei 250 Betten. Dieser Bedarf sei mit den vorhandenen Einrichtungen, zum Beispiel in Königslutter oder Liebenburg, bei weitem nicht gedeckt, verdeutlicht der ärztliche Direktor des Klinikums Braunschweig, Professor Dr. Horst Kirdorf: “ Hier herrscht absoluter Mangel.“ So sei im August 2013 beim niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ein entsprechender Antrag gestellt worden, berichtet Pflegedirektor Ulrich Heller. „Die insgesamt 34 genehmigten Betten beinhalten 22 zusätzliche Betten also eine Ausdehnung der Bettenkapazitäten.“ Die restlichen zwölf Betten existierten schon vorher und mussten lediglich umgewidmet werden.

Nehmen psychosomatische Erkrankungen nun tatsächlich zu – etwa durch gesellschaftliche Veränderungen und zunehmende Technisierung des Alltags, welche das Leben immer hektischer und unübersichtlicher werden lassen? Oder können die Erkrankungen durch bessere Diagnostik einfach eher erkannt werden? Darüber streiten selbst die Experten. „Die Auswirkungen durch Folgen wie Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung sind jedoch enorm“, macht Privat-Dozent Dr. Alexander Diehl, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie Psychotherapie und Psychosomatik, deutlich. Bislang seien psychosomatische Erkrankungen häufig schwer erkennbar und mit einem Tabu belastet gewesen. „Doch die Bereitschaft, Diagnostik und Therapie anzunehmen, wächst“, hat Diehl beobachtet.

Wichtig sei, zunächst körperliche Ursachen für eine Erkrankung tatsächlich ausschließen zu können.“ Darum ist eine Anbindung der Fachabteilung Psychosomatik an die medizinischen Möglichkeiten  an diesem Standort optimal“, so der Chefarzt weiter. in der Regel seien psychosomatische Störungen gut behandelbar, meint Dr. Diehl. Entscheidend sei, rechtzeitig mit den adäquaten Therapiekonzepten zu beginnen.“ Im Schnitt ist bei einer stationären Behandlungsbedürftigkeit von sechs Wochen Dauer auszugehen.“

In der Abteilung Psychosomatik werden Erkrankungen behandelt bei denen gleichzeitig körperliche und psychische Faktoren den Krankheitsverlauf bestimmen. In der Anfangsphase der neuen Abteilung werden insbesondere spezielle Therapieangebote für Depressionen und Angststörungen mit deutlich körperlichen Symptomen oder Krankheitsängsten vorgehalten sowie für psychosomatische Störungen im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen zum Beispiel bei Krebserkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Einen wesentlichen Schwerpunkt wird die Behandlung einer Sonderform des psychosomatischen Krankheitsspektrums bilden, die Gruppe der smatoformen Störungen. Dies sind Patienten, deren körperliche Beschwerden sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Untergebracht ist die Fachabteilung Psychosomatik zunächst im Haus vier am Klinikum Standort Celler Straße. Die dort zuvor untergebrachten Einrichtungen sind zuvor in das ehemalige städtische Ausgleichsamt umgezogen. Dieses Gebäude hatte das Klinikum bereits im vergangenen Jahr erworben. Für die gesamten Renovierung-und Umbauarbeiten hat das Klinikum insgesamt rund 120.000 Euro investiert. Für die Erweiterung wird neues Personal benötigt, insgesamt entstehen 2,5 neue Stellen für ärztliches und psychologisches Personal sowie neun weitere Stellen in der Pflege, Ergotherapie und Sozialarbeit.


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