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Streetworker & Sprachkurse: Integrationskonzept wird vorgestellt

von Robert Braumann


Symbolbild: A. Donner
Symbolbild: A. Donner Foto: Anke Donner

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23.02.2016


Braunschweig, Seit diesem Jahr werden Flüchtlinge auch dauerhaft in Braunschweig untergebracht. Die Verwaltung hat vor diesem Hintergrund ein Integrationskonzept erarbeitet, welches den Ratsmitglieder im Finanz- und Personalausschuss am Donnerstag zum ersten Mal präsentiert wird.

42 Seiten ist es lang und es beginnt mit dem Braunschweiger Appell – das Konzept der Verwaltung zur Integration der Flüchtlinge.  In diesem heißt es: "Integration bedeutet vor allem die aktive Herstellung von Chancengerechtigkeit – unabhängig von nationaler, kultureller und/oder ethnischer Zugehörigkeit. Sie bedarf einer gemeinsamen Grundlage, nämlich unserer Verfassung", dieser Appell wurde 2007 vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann unterzeichnet. Integration wird als ein wechselseitiger Prozess zwischen alteingesessener und zugewanderter Bevölkerung beschrieben. Er setze die Bereitschaft zur gemeinsamen Sprache und Verständnis voraus und verlangt Schritte der Annäherung von beiden Seiten. Gerade die fremde Sprache zu lernen, sei ein zentraler Bestandteil, wenn es um Integration ginge. Dies wird an mehreren Stellen des Konzepts betont.

Die fremde Sprache lernen


Viele Sprachkurse auch in Schulen, schnelle Eingliederungen in Kitas und Bildungseinrichtungen werden demnach angestrebt. Dazu beabsichtige die Stadt, an dem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung “zur kommunalen Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ teilzunehmen. Man brauche aber auch von Anfang an qualifizierte Dolmetscher, heißt es an einer anderen Stelle im Konzept.


Die Stadt Braunschweig nimmt schutzsuchende Menschen auf. Das sind die Standorte. Foto: Stadt Braunschweig



In den 16 dezentralen Standorten sollen die Sozialarbeitern eine besonders wichtige Rolle als erste Ansprechpartner einnehmen. Bisher ist für 100 Flüchtlinge ein Sozialarbeiter vorgesehen. Außerdem wird angestrebt Unterstützung bei der Arbeitssuche, der Gesundheitsvorsorge, der Ausbildung oder der Wohnungssuche zu leisten. Für die verschiedenen Maßnahmen würden auch die Ressourcen bei den freien Trägern steigen, bemerkt die Verwaltung. Bisher sind 50.000 Euro vorgesehen, der Fördertopf könne aber erhöht werden.

Über Arbeit teilhaben


Außerdem wird eine Kombination aus Arbeitsgelegenheiten und Sprachunterricht angestrebt.  Konkrete Angebote sind in Planung und relativ kurzfristig realisierbar: Eine Fahrradwerkstatt, in der Flüchtlinge unter Anleitung Fahrräder für Flüchtlinge herrichten. Eine Nähwerkstatt, in der Flüchtlinge unter Anleitung Kleidung ausbessern bzw. selber herstellen.  Vorstellbar sei auch ein neues, zusätzliches Gartenprojekt (urban gardening). In diesem „Flüchtlingsgarten“ könnten zirka 20 Plätze angeboten werden.

Gasteltern und Ehrenamtliche


Auf die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge wird besonders Bezug genommen. Die Integration soll durch Aufnahme bei Gasteltern/Übernahme von Einzelvormundschaften erleichtert werden. Auch verschiedenste Sport- und Freizeitangebot sollen zur Integration genutzt werden. Angebote für Kinder und Jugendlichen sollen den Flüchtlingen näher gebracht werden.  Ohne ehrenamtliche Hilfe sei dies alles aber keineswegs zu leisten, so die Verwaltung. "Die Bereitschaft sich hier zu engagieren, sei groß. Insbesondere durch den massiven Zuzug von Asylsuchenden in die Landesaufnahmeeinrichtung in der zweiten Jahreshälfte 2015 wurde eine breite Welle von Hilfsbereitschaft ausgelöst", heißt es.  Dieses Potential gelte es auch für die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen zu nutzen. Hier wolle man die Netzwerke weiter verdichten.

Streetworker in Kralenriede


Für Kralenriede, mit dem Standort der LAB, gibt es zudem weitere Überlegungen. Man plane weitere Gesprächsrunden und Bürgergespräche zur Situation im Stadtteil mit Akteurinnen und Akteuren aus Politik, Verwaltung, Verbänden, den Kirchen, der Flüchtlingshilfe beziehungsweise der LAB. Hinzu kommen Hilfen für die Bewohnerschaft von der Busbeförderung über die Sauberkeit im Stadtteil bis zur Sicherheit für die Bewohnerinnen und Bewohner.


Die Landesaufnahmebehörde in Kralenriede. Foto. Sina Rühland Foto: Sina Rühland



Die Unterstützung der Bürgerinitiative ART im Quartier Kralenriede, wird zudem in 2016 fortgesetzt (anteilige Übernahme der Miet- und Nebenkosten für die Anlaufstelle am Steinriedendamm).  Hinzu kommt der Einsatz von Busbegleitungen. In Vorbereitung ist zudem Folgendes: Mehrsprachige Personen sollen in der Kralenriede als Streetworker eingesetzt werden, um bei Konflikten deeskalierend zu wirken, auf das Verhalten von Flüchtlingen einzuwirken, zu beraten und unter Umständen zu Fachstellen zu vermitteln. Darüber hinaus plant das Deutsche Rote Kreuz KV Braunschweig-Salzgitter ein stadtteilnahes Integrationsprojekt für Flüchtlinge mit Unterstützung der Aktion Mensch. Die Verwaltung betont, dass es sich bei den Maßnahmen um kein starres Konzept handele. Sie schließt wie folgt:

Die vorliegende erste Fassung eines Konzepts zur Integration von Flüchtlingen in Braunschweig verbindet die tagesaktuellen Herausforderungen mit einer grundsätzlichen, mittel- und langfristigen Strategie. Dies kann nicht immer widerspruchsfrei geschehen. Die notwendige schnelle Lösung des Unterkunftsproblems durch die Inanspruchnahme von Sporthallen muss für die Betroffenen zeitlich so kurz wie möglich gehalten werden, um eine schnelle Integration in die Gesellschaft zu befördern. Die Schaffung von Normalität setzt u. a. ein Wohnen in eigenen Wohnungen und eine Teilhabe am Erwerbsleben, möglichst frei von Transferleistungen, voraus. Braunschweig steht erst am Beginn einer vermutlich länger anhaltenden und umfangreichen Zuwanderung von Schutzsuchenden. Viele notwendige Instrumente einer erfolgreichen Integration sind noch nicht entwickelt und nicht erprobt. Insofern ist die vorliegende erste Fassung eines Integrationskonzeptes in erster Linie ein Einblick in ein „work in progress“, das ständiger Weiterentwicklung unter Beteiligung Vieler bedarf.

Das komplette Konzept finden Sie hier.

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