Sie sind hier: Region >

Vogelköpfe vor der Kirche - Beutereste der Wanderfalken



Wolfenbüttel

Vogelköpfe vor der Kirche - Beutereste der Wanderfalken

von Anke Donner


Im Turm der Hauptkirche nisten Wanderfalken. Die Reste ihrer Beute liegen auf dem Fußweg. Foto: NABU/Georges Lignier
Im Turm der Hauptkirche nisten Wanderfalken. Die Reste ihrer Beute liegen auf dem Fußweg. Foto: NABU/Georges Lignier Foto: NABU Wolfenbüttel

Artikel teilen per:

Wolfenbüttel. Wer dieser Tage das Frühlingswetter für einen Spaziergang nutzt, wird vor der Hauptkirche der Kirche einen unschönen Anblick erleben. Vor dem Hauptportal liegen zahlreiche Vogelköpfe - Hinterlassenschaften der Wanderfalken, die im Kirchenturm nisten.



Wie Henning Riechers vom NABU-Kreisverband Wolfenbüttel auf Nachfrage von regionalHeute.de mitteilte, handelt es sich bei den toten Vögeln um Amseln, Singdrosseln und Wacholderdrosseln. "In der Tat brüten seit einigen Jahren Wanderfalken im Kirchturm. Da die Brutsaison wieder begonnen hat, ist fortan vermehrt damit zu rechnen, am Fuße des Kirchturmes auf Überreste der Beutetiere zu stoßen", so Riechers.

Wanderfalken ernähren sich hauptsächlich von Vögeln, die im Luftraum über der Stadt erjagt werden. Auch überfliegende Zugvögel werden in den Zugperioden genommen, weshalb sich dann am Erdboden zuweilen Reste von Vogelarten finden lassen, die innerhalb der Stadt gar nicht heimisch sind.



Kein schöner Anblick, aber Teil der Natur Foto: Anke Donner


Seltene Falkenart


"Es ist wichtig zur Kenntnis zu nehmen, dass es sich um Wanderfalken handelt, weil dies eine noch recht seltene Vogelart ist, wohingegen die Turmfalken überall häufig anzutreffen sind.Ursprünglich ist der Wanderfalke ein Felsenbewohner gewesen, den es aber im Laufe der Zeit auch in die Städte mit ihren „Felsen“ gezogen hat. Das Wanderfalkenvorkommen ist seit den frühen 50er Jahren bundesweit stetig rückläufig gewesen, um Anfang der 70er Jahre quasi völlig zusammenzubrechen", erklärt Riechers weiter.


Die Hauptursachen lagen in der Verwendung des Insektizides DDT in der Landwirtschaft sowie in der direkten Verfolgung, also der Jagd und dem Ausnehmen der Nester. Nachdem im Jahre 1972 der DDT-Einsatz deutschlandweit verboten wurde, setzte ab den 80er Jahren eine Bestandserholung ein, sodass wir aktuell bundesweit mit etwa 1.200 Paaren zu rechnen haben. Niedersachsenweit sollten es etwa 60 Paare sein.

Da Wanderfalken sich auch von Tauben ernähren, sehen Brieftaubenbesitzer den positiven Bestandstrend der Wanderfalken natürlich eher kritisch. Umso aufschlussreicher sind die Sichtungen der Beutereste an der Hauptkirche, weil hierbei deutlich wird, dass auch viele andere Arten zum Beutespektrum dieses schnellen Jägers gehören.
Das Foto zeigt einen Wanderfalken mit Jungvogel in seinem ursprünglichen Lebensraum. Es wurde vom NABU/Georges Lignier zur Verfügung gestellt.




zur Startseite