Von Atemnot bis Gelenkschmerzen: So erkennt man Qualzucht bei Haustieren

Was auf den ersten Blick wie ein spezielles Rassemerkmal wirkt, kann für Haustiere echte Qualen bedeuten.

Auch Möpse zählen zu den Hunderassen, die oftmals mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben.
Auch Möpse zählen zu den Hunderassen, die oftmals mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. | Foto: Pixabay

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Region. Kurze Schnauzen, große Augen oder besonders lange Ohren: Bei der Entscheidung, einen tierischen Begleiter aufzunehmen, spielt für viele Menschen häufig dessen Aussehen eine wichtige Rolle. Doch was auf den ersten Blick süß oder ansprechend erscheint, kann für Hunde, Katzen und kleine Heimtiere mit erheblichen gesundheitlichen Problemen einhergehen. Das berichtet die Tierschutzorganisation TASSO e.V. in einer Pressemitteilung.



Von Qualzucht ist die Rede, wenn Tiere gezielt auf äußerliche Merkmale gezüchtet werden, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sein können. Kurz gesagt: Das gewünschte Aussehen wird über die Gesundheit der Tiere gestellt. Betroffen sind viele Tierarten, darunter auch Hunde, Katzen und kleine Heimtiere. Zu den bekanntesten Merkmalen gehören deutlich verkürzte Köpfe mit flachen Schnauzen bei Hunden, Faltohren oder Haarlosigkeit bei Katzen und Schlappohren bei Kaninchen. Aber auch extreme Kurzbeinigkeit oder Zwerg- und Riesenwuchs sind Qualzuchtmerkmale. Die daraus entstehenden Probleme wie Atemnot, Gelenkschmerzen oder chronische Ohrenentzündungen beeinträchtigen die Tiere oft ihr Leben lang.

Erbkrankheiten sorgen für Blindheit und Krebs


„Manche gesundheitlichen Probleme sind jedoch nicht sofort sichtbar. Auch genetisch bedingte Erkrankungen können über Generationen weitergegeben werden. Sie treten aufgrund einer geringen genetischen Vielfalt innerhalb mancher Rassen gehäuft auf“, sagt Dr. Laura Witting, Tierärztin und Referentin Tierschutz bei TASSO. Sie weist darauf hin, dass je nach Rasse ein erhöhtes Risiko für genetisch bedingte Herz- und Gelenkerkrankungen, neurologische Probleme sowie Knochenkrebs und Blasensteine besteht. Auch bestimmte Fellfarben und Pigmentierungsmuster können bei einigen Rassen und je nach Verpaarung der Elterntiere zu Blind- oder Taubheit bei den Nachkommen führen.

Auch Verhalten betroffen


Qualzucht kann sich zudem auf das Verhalten und die Kommunikation der Vierbeiner untereinander auswirken. Witting: „Manchmal wird ein vermeintlich ruhiges Gemüt als rassetypische Charaktereigenschaft wahrgenommen, dabei kann es auch eine Folge von Schmerzen und körperlichen Einschränkungen sein. Hinzu kommt, dass die Kommunikation mit anderen Tieren erschwert werden kann. Kurzköpfige Hunde werden beispielsweise aufgrund der veränderten Gesichtsform von Artgenossen oft missverstanden.“

Bestmögliche Unterstützung für betroffene Tiere


Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass ihr Hund, die Katze oder das Kaninchen von Qualzuchtmerkmalen betroffen ist. Umso wichtiger ist, dass Tierhalter genau hinsehen, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und tierärztlich abklären zu lassen. Anzeichen können zum Beispiel auffälliges Schnarchen, Hecheln oder Röcheln, Atemnot, schnelle Erschöpfung, ständiger Augenausfluss, gereizte oder hervortretende Augen oder Bewegungsauffälligkeiten sein.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, da viele Tiere – gerade auch kleine Heimtiere – Schmerzen und andere Krankheitsanzeichen lange verbergen. „Dabei lässt sich dem Tier oft helfen. Je nach Qualzuchtmerkmal und Symptom können gezielte medizinische Behandlungen oder Operationen dazu beitragen, die Lebensqualität der Tiere deutlich zu verbessern“, sagt Witting.

Leid vermeiden


TASSO appelliert an alle Menschen, die ein Tier aufnehmen möchten, dessen Wohlbefinden und Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Dazu gehöre, sich über Zuchtmerkmale und damit verbundene gesundheitliche Risiken zu informieren und diese kritisch zu hinterfragen. „Das Einzeltier ist niemals falsch“, betont Witting. „Jedes Tier hat das gleiche Recht auf Schutz, Fürsorge und eine möglichst hohe Lebensqualität. Es geht auch nicht darum, Rassen abzuschaffen, sondern darum, sie gesünder zu machen und den Rassebegriff an manchen Stellen neu zu denken.“

Qualzucht sei menschengemacht und somit vermeidbar: Bewusste Entscheidungen in Zucht und Anschaffung könnten dazu beitragen, weiteres Leid zu verhindern. Weitere Informationen gibt es auf der Tasso-Website.