Von Überzeugung bis Ablehnung: So denken Gastronomen über 2G

Die Gastronomen in der Region können frei wählen, ob sie Geimpften, Getesteten und Genesenen (3G) oder nur Geimpften und Genesenen Zutritt zu ihren Einrichtungen gewähren. Beides hat Vor- und Nachteile.

von Axel Otto und


(Symbolbild)
(Symbolbild) | Foto: pixabay

Region. Mit der aktuellen Corona-Verordnung ist es Gastronomen freigestellt, ob sie nur Geimpften und Genesenen oder auch Getesten Einlass gewähren. Allein diese Auswahlmöglichkeit sorgt schon für Diskussionsbedarf. Gründe dafür, Geteste vom Gastronomiebetrieb auszuschließen, gibt es ebenso wie Gegenargumente, jedoch spielen auch wirtschaftliche Erwägungen und sogar die Immobilien der Schankhäuser bei der Entscheidung eine Rolle. regionalHeute.de hat mit Gastronomen in der Region gesprochen.


Eines zeigt sich bei den Befragungen sehr deutlich: Es herrscht ein großer Pragmatismus, der sich häufig auch aus den mit 2G verbundenen Vorteilen von 2G gegenüber 3G ergibt. Die Masken können weg, es herrscht auch im Innenbereich keine Abstandspflicht mehr. Auch für die Angestellten bedeutet 2G aufatmen - denn diese laufen teils acht Stunden mit Maske durch die Restaurants, um Gäste zu bedienen. Ein großer Faktor ist auch die Größe der Restaurants. Denn je kleiner ein Betrieb, desto schwerer sind Abstandsregeln umzusetzen und desto weniger Gäste können bedient werden.

Peter Schittko betreibt in Wolfenbüttel die Lokalitäten Zum Glück und l Oliveto.
Peter Schittko betreibt in Wolfenbüttel die Lokalitäten Zum Glück und l Oliveto. Foto: Axel Otto



Peter Schittko, Betreiber der Betriebe "Zum Glück" und "l`Oliveto" in Wolfenbüttel hat sich beim Thema 2G oder 3G bislang in Zurückhaltung geübt: "Falls sich die Rahmenbedingungen jetzt ändern werden denke ich, dass wir hier 2G machen werden, aus pragmatischen Gründen. Weil dann kann ich halt mein Restaurant voll machen ohne Beschränkungen", so der Wolfenbütteler Gastronom. Auch für die Mitarbeiter sei es eine Erleichterung, ohne Maske arbeiten zu können. Schittko hebt hervor: "Der Aufwand ist ja gleich, bei 3G muss ich genau so viel kontrollieren wie bei 2G." Die Vorteile überwiegen für ihn klar. Dennoch gebe es auch Kritik, wie ihm Kollegen berichtet haben: "Aber ich bitte da auch um Verständnis, wir müssen unser Geschäft betreiben. 2G hat Vorteile für uns und die Sicherheit für die Gäste, die dann da sind, ist gegeben."

Ein differenzierter Blick


Alexander Scharf betreibt gleich mehrere gastronomische Betriebe in Goslar. In allen gibt es andere Argumente für oder gegen 2G.
Alexander Scharf betreibt gleich mehrere gastronomische Betriebe in Goslar. In allen gibt es andere Argumente für oder gegen 2G. Foto: Axel Otto



Alexander Scharf ist eine Größe in der Goslar "Gastronomieszene". Er betreibt nicht nur das Schiefer in repräsentativer Lage am Marktplatz, sondern auch das Wildfang, MyCoffee und das Tim's in der Kaiserpassage. "Es ist so, dass wir im Grunde aus dieser politischen Diskussion rausgelassen werden wollen", stellt der Gastronom klar. Man könne es nur falsch machen: "Wir werden ganz klar politisch dafür instrumentalisiert, dass wir eine indirekte Impfpflicht durchsetzen sollen", so Scharf weiter. Aus seiner Sicht müsse die Politik die Entscheidung für 2G oder 3G treffen, nicht die Gastronomen. Denn dadurch, dass diese die Entscheidung treffen müssen, werden sie zur Zielscheibe: "Es wird so oder so einen Shitstorm geben. Entweder wir werden angefeindet von denen, die sagen: 'Nur, weil die Leute sich nicht impfen lassen müssen wir noch weiter eine Maske tragen' oder die anderen sagen: 'Ihr seid Impffanatiker, wir wollen uns nicht impfen lassen und deswegen dürfen wir am gastronomischen Angebot nicht teilhaben.'" Andererseits, so Scharf, werde auch das Wetter schlechter und die in Goslar aufgrund niedriger Inzidenzen bislang weitestgehend beschränkungsfreie Außengastronomie steht nicht mehr zur Verfügung.



Eine Frage der Räumlichkeiten


Der besondere Knackpunkt sei für ihn das "Wildfang" mit seinen besonders engen Räumlichkeiten: "Da leiden wir sehr unter den Abstandsgeboten und haben übermäßig viele Plätze verloren. Im Wildfang ist es so, dass die Vorzüge von 2G erst einmal überwiegen, dadurch dass wir ganz viele Plätze wieder zurückgewinnen, und dadurch dass die Mitarbeiter befreit von der Maske ihr schönstes Lächeln zeigen können. Auf die Erfahrung freuen wir uns erstmal sehr und gehen an dieses undankbare Thema ran." Scharf will erst einmal die Erfahrung aus dem Wildfang abwarten, um Entscheidungen für seine weiteren Betriebe abzuleiten. Mit der steigenden Impfquote werde diese Entscheidung jedoch einfacher, argumentiert Scharf weiter. Das belege auch eine Instagram-Umfrage, die der Goslarer Gastronom kürzlich auf seinem Firmenaccount durchgeführt hat: ""65 Prozent haben sich für 2G und 35 Prozent für 3G ausgesprochen, wobei es eben auch keine anderen Optionen gab". Nach einer kurzen Pause fügt der Gastronom hinzu, dass andere Optionen im Fall der Fälle auch ohnehin nicht relevant seien - auch wenn es andere Meinungen gebe.


"Meine Mitarbeiter haben genug Opfer gebracht"


Angesichts der bald auslaufenden kostenlosen Tests richtet Scharf noch einen Appell an seine Kundschaft: "Das artet wieder in eine politische Dimension aus, der ich mich eigentlich nicht stellen will und wo ich auch appelliere, dass diese Diskussion nicht mit meinen Mitarbeitern geführt wird." Seine Lokale seien kein Ort wo Politik gemacht wird, man verfolge rein wirtschaftliche Interessen: "Ich glaube, dass meine Mitarbeiter genug Opfer gebracht haben während des Lockdowns. Und wenn sie jetzt die Chance haben einfach nur von der Maske befreit zu arbeiten, dann soll man sie auch lassen." Zudem sei die 2G-Regel inzwischen sehr locker. Unter 18-Jährige fallen automatisch darunter, ebenso Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Der Gastronom schlussfolgert: "Insofern ist es das auch gar nicht mehr Wert, so ein Geschrei darum zu machen."

Der Umsatz reicht mit 3G nicht aus


Volker Götze betreibt die Gaststätte
Volker Götze betreibt die Gaststätte "Minna's Alte Liebe" in Goslar. Foto: Axel Otto



Ebenfalls in Goslar betreibt Volker Götze - derzeit allein - die Schankwirtschaft "Minna's alte Liebe". "Ich habe mich vorletzte Woche dazu entschieden 2G einzuführen, weil ich das weniger als Unterdrückung sehe für alle, die noch nicht geimpft sind, sondern mehr als Möglichkeit für alle anderen mehr Freiheiten genießen zu können", erklärt der Gastwirt entschlossen. Auch bei ihm spielt die Immobilie eine Rolle. Die Kneipe verfügt über eine große Terrasse, aber nur über einen schmalen Innenbereich. Und nun steht der Winter vor der Tür: "Das heißt, wenn ich drinnen also Abstandsregeln befolgen muss, dann wird der Umsatz letzten Endes nicht ausreichen, um die Kosten zu tragen."

Wahlmöglichkeit wird begrüßt



Sein kleiner Betrieb leide immer noch unter den Folgen des Lockdowns. 3G mit Abstand - innen und außen nur schwer umzusetzen: "Zurzeit kann man mit dem Lokal nicht reich werden, um es mal so zu sagen. Ich muss zurzeit überlegen wie ich hier über die Runden komme und quasi ums nackte Überleben kämpfen. So ist es einfach. 3G kann ich mir einfach nicht leisten." Deshalb begrüße er die Wahlmöglichkeit, die ihm die Behörden geben. "Ich kann einfach in der derzeitigen Situation auf die Menschen, die jetzt nicht unbedingt Impfgegner sind, sondern die es einfach nur aus Schusseligkeit versäumt haben, sich impfen zu lassen, keine Rücksicht nehmen. Weil ich dadurch einfach zu wenig Gäste im Lokal hätte. Die Leute sollen sich bitte, bitte einfach mal einen Impftermin besorgen, damit wir wieder halbwegs Normalität haben."

"Ich habe mich selber bestraft"


Eine Sache ärgert den Goslarer Gastwirt immens. Nach dem letzten Lockdown war eine Öffnung des Betriebes nur unter strengen Auflagen möglich. Manuelle Aufnahme der Kontaktdaten, Abstand zwischen den Tischen, nur Menschen aus zwei Haushalten an einem Tisch. "Das wurde bei uns alles sehr akribisch durchgeführt. Nicht nur, um aller Gesundheit zu schützen, sondern auch weil das Nichteinhalten der Regeln eine Strafe nach sich zieht." Umso verärgerter sei er darüber gewesen, als er bei einem Spaziergang durch die Stadt feststellte, dass sich längst nicht alle an die Auflagen halten: "Wie viele schwarze Schafe es gibt in unserer Stadt! Seien es Betreiber von Kneipen oder auch Restaurants, die sich eben nicht so gründlich an die gültigen Auflagen gehalten haben. Offensichtlich ist das eben nicht bestraft worden. Zumindest nicht so, dass es Wirkung gezeigt hätte. Das hat mich sehr geärgert", erzählt Götze und fügt hinzu: "Ich habe mich ja durch das einhalten der gültigen Regeln quasi selber bestraft, indem ich eben weniger Umsatz hatte, weil viele Menschen die früher hier als Stammgäste in meinem Lokal waren, sich anderweitig orientiert haben, weil es dort plötzlich gemütlicher war - denn da muss man ja weniger Regeln einhalten." 2G sei für ihn nun die logische Konsequenz, weil es die Kontrollen sehr vereinfache: "Ich weiss ja auch irgendwann, welche Stammgäste geimpft sind und welche nicht."


"2G kommt für mich überhaupt nicht infrage"


Silke Paul betreibt das Restaurant Brumbys gegenüber der Kaiserpassage in Goslar.
Silke Paul betreibt das Restaurant Brumbys gegenüber der Kaiserpassage in Goslar. Foto: Axel Otto



Eine andere Position vertritt Silke Paul, die in den Räumlichkeiten der ehemaligen Buchhandlung Brumbys seit dem 14. Juni ein gleichnamiges Restaurant betreibt. Sie hat investiert: In Luftfilter, die auch Viren und Bakterien eliminieren. Auf die Frage nach 2G antwortet sie: "Das kommt für mich überhaupt nicht infrage. Das kann ich auch nicht so richtig gutheißen. Denn wenn Menschen bereit sind sich testen zu lassen, dann sollen sie natürlich Zutritt erhalten." Aus ihrer Sicht seien Getestete schließlich genau so "sicher" wie Geimpfte oder Genesene. "Ich finde die Entwicklung unserer Gesellschaft zu einem Zweiklassensystem tatsächlich sehr schwierig. Das ist etwas, was ich wirklich befremdlich finde und nicht unterstützen möchte. Insofern sind bei mir auch Getestete willkommen", so Paul weiter. Dass sie das Restaurant dann nicht vollständig besetzen kann, störe sie nicht: "Es könnte sein, dass 2G auch für meinen Umsatz förderlich wäre. Allerdings hatten wir ja jetzt auch schonmal 3G und das hat entgegen meiner Befürchtungen keine Einbußen beim Umsatz beschert."


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