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VW streicht 30.000 Stellen - davon 23.000 in Deutschland



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VW streicht 30.000 Stellen - davon 23.000 in Deutschland

von Bernd Dukiewitz


Volkswagen will bis zu 23.000 Stellen in Deutschland abbauen. Symbolbild Foto: pixabay
Volkswagen will bis zu 23.000 Stellen in Deutschland abbauen. Symbolbild Foto: pixabay Foto: pixabay (Public Domain)

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Region. Am Freitag haben sich die Konzernführung von Volkswagen und der Betriebsrat auf den "Zukunftspakt" geeinigt, der den Abbau von rund 30.000 Stellen vorsieht - 23.000 davon alleine in Deutschland. Betroffen sind auch die Werke in Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter.



Ziel des "Zukunftspaktes" ist es, das operative Ergebnis bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro zu verbessern, berichtet das "Handelsblatt". Dazu gehört auch der Stellenabbau von 30.000 Mitarbeitern, vorrangig über altersbedingte Austritte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh sagt: „Die wichtigste Nachricht ist: Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind sicher. Wir haben vereinbart, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen sind. Wenn ich sehe, was in anderen Unternehmen passiert, ist das ein großer Erfolg in schwierigen Zeiten. Ebenso wichtig: Mit dem Zukunftspakt schaffen wir den Einstieg in die E-Mobilität der nächsten Generation. Mit den neuen Autos auf MEB-Basis und Elektrokomponenten aus unseren Standorten werden unsere deutschen Werke Vorreiter bei der Elektrifizierung im Volkswagen Konzern sein. Der Betriebsrat hat dafür gesorgt, dass diese Zukunftsfahrzeuge in Deutschland und nicht im Ausland gebaut werden. Natürlich: Der Zukunftspakt hat Licht und Schatten. Er stellt nach langem Ringen einen tragbaren Kompromiss für beide Seiten dar. Wir haben jetzt ein Ergebnis der Vernunft."

9.000 Stellen sollen in Zukunftstechnologien entstehen




Der Volkswagenkonzern will seine Ausrichtung hin zur E-Mobilität bewegen und in diesem Sektor rund 9.000 Stellen in den nächsten Jahren schaffen. "Der Spiegel" spekuliert daher, dass besonders das Motorenwerk in Salzgitter hart vom Stellenabbau betroffen sein könnte. Personalvorstand Dr. Karlheinz Blessing sagt: „Die Umsetzung des Zukunftspakts wird für viele unserer Beschäftigten große Veränderungen bringen: Sie müssen sich qualifizieren, neue Arbeitsweisen erlernen, neue Aufgaben übernehmen. Aber die Anstrengung lohnt sich: Wir machen Volkswagen schlanker, schneller, stärker – und sichern damit langfristig Beschäftigung in Deutschland."

Ministerpräsident Stephan Weil unterstützt den Plan




Statement von Ministerpräsident Stephan Weil zum Zukunftspakt:


"Die Landesregierung begrüßt die Verständigung des VW-Vorstands und des Betriebsrats auf einen Zukunftspakt. Er ist die Basis für einen konsequenten Weg von Volkswagen in eine erfolgreiche Zukunft.
Die Landesregierung ist sich bewusst, dass die Automobilindustrie insgesamt und auch Volkswagen vor einem tiefgreifenden Wandel stehen. Für das Unternehmen, seine Beschäftigten und das Land ist es von herausragender Bedeutung, dass dieser Wandel gelingt.
Hervorzuheben ist dabei die konsequente Orientierung von Volkswagen auf Elektromobilität und Digitalisierung der Fahrzeuge. Die Landesregierung unterstützt diese Schwerpunktsetzung ausdrücklich. Das gilt insbesondere auch für die Entscheidung, dass Wolfsburg Zentrum der Entwicklung hin zur Elektromobilität sein wird. Ebenso wichtig ist die Festlegung, dass Wolfsburg IT-Zentrum wird. Das bietet für die Region die Chance, sich insgesamt zu einem IT-Cluster weiterzuentwickeln.
Auch die anderen niedersächsischen Standorte erhalten klare Zukunftsperspektiven. Das sind wichtige Weichenstellungen für eine gute Zukunft von Volkswagen in Niedersachsen.
Auf der anderen Seite ist der Verlust von vielen tausend Arbeitsplätzen Bestandteil der Vereinbarung – sei es durch das Auslaufen von Leiharbeitsverhältnissen, sei es durch das freiwillige Ausscheiden älterer Beschäftigter. Die Landesregierung bedauert diesen Arbeitsplatzabbau sehr, zugleich erkennt sie die Notwendigkeit an. Um seine Zukunft zu sichern, muss Volkswagen seine Wettbewerbsfähigkeit und seine Wirtschaftlichkeit verbessern.
Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass ein Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis zum Jahr 2025 vereinbart worden ist. Neben auskömmlichen Bedingungen für einen Vorruhestand legt die Landesregierung zugleich Wert darauf, dass Volkswagen alle Anstrengungen unternimmt, ausscheidenden Leiharbeitnehmern über die Autovision neue Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen. Das Unternehmen muss seinem langjährigen sozialen Anspruch treu bleiben.
Insgesamt leitet der Zukunftspakt den wohl größten Umbauprozess in der Geschichte von Volkswagen ein. Die Landesregierung betrachtet dieses Programm als wichtigen Schritt für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens, gerade auch in Niedersachsen. Wir werden diesen Prozess engagiert und aktiv begleiten. Niedersachsen ist und bleibt das Zentrum des Weltunternehmens Volkswagen."




Im Einzelnen sieht der Zukunftspakt bei Volkswagen Folgendes vor:



• Durch Einsparungen und Effizienzsteigerungen in allen Bereichen und an allen Standorten in Deutschland erwartet das Unternehmen einen positiven jährlichen Ergebniseffekt von rund drei Milliarden Euro ab 2020. Auch die Regionen außerhalb Deutschlands tragen zur nachhaltigen Ergebnisverbesserung bei. Über eigene Aktionsprogramme steuern sie zusätzlich rund 700 Millionen Euro zum Zukunftspakt bei. Die gesamten Ergebnisverbesserungen betragen damit 3,7 Milliarden Euro.

• Der Zukunftspakt soll die Produktivität in den deutschen Werken um rund 25 Prozent erhöhen und die operative Umsatzrendite auf vier Prozent bis 2020 steigern.

• Um Volkswagen auf den Zukunftsfeldern E-Mobilität und Digitalisierung an die Spitze der Branche zu bringen, investiert Volkswagen massiv in neue Technologien. Die deutschen Standorte steigen in die Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen und -komponenten ein. Es wird eine Pilotanlage für Batteriezellen und Zellmodule aufgebaut. Zugleich werden die konventionellen Bereiche zukunftssicher aufgestellt. Insgesamt investiert Volkswagen 3,5 Milliarden Euro in den Umbau des Unternehmens.

• In den Zukunftsfeldern sollen an verschiedenen Standorten neue Kompetenzen aufgebaut und rund 9.000 zusätzliche, zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden. Volkswagen wird diese Stellen überwiegend mit bereits vorhandenen Mitarbeitern besetzen und auch Spezialisten von außen einstellen. Über die nächsten Jahre baut Volkswagen in Deutschland gleichzeitig entlang der demographischen Kurve bis zu 23.000 Arbeitsplätze über Fluktuation und Altersteilzeit ab. Dies erfolgt ausdrücklich ohne betriebsbedingte Kündigungen.

• Der Zukunftspakt enthält Vereinbarungen für neue, zukunftsweisende Fahrzeugprojekte. Die Fertigung von E-Fahrzeugen auf Basis des modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) übernehmen die Werke Wolfsburg und Zwickau. Durch Investitionen in die E-Mobilität schafft Volkswagen an diesen Standorten zukunftssichere Arbeitsplätze. Darüber hinaus sichert das Unternehmen die Fahrzeugbaustandorte weiter ab. Das Werk Emden erhält zur effizienten Auslastung ein weiteres Modell. In Wolfsburg wird künftig mit einem Konzernprodukt ein zusätzliches Fahrzeug produziert.

• Die deutschen Leitwerke der Komponente teilen sich die Zukunftsthemen auf. Braunschweig wird weiterhin das Batteriesystem für den Modularen Querbaukasten (MQB) fertigen und zusätzlich das Batteriesystem für den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) entwickeln und fertigen. Kassel wird den MEB-Antrieb entwickeln und neben der E-Getriebefertigung den Zusammenbau des Gesamtsystems verantworten. Salzgitter wird MEB-Antriebskomponenten fertigen und zuliefern. Gleichzeitig baut der Standort Kompetenzen und eine Pilotanlage für Batteriezellen und Zellmodule auf.


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