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Warnstreik bei der Funktel GmbH: IG Metall kämpft weiterhin für Tarifbindung



Salzgitter

Warnstreik bei der Funktel GmbH: IG Metall kämpft weiterhin für Tarifbindung

Die IG Metall wirft der Geschäftsführung vor, Tarifflucht zu begehen. Durch ihre Verweigerung an Tarifverhandlungen, schade die Funktel GmbH vor allem ihren Mitarbeitern.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Anke Donner

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Salzgitter. Mit dem zweiten Warnstreik innerhalb von zwei Wochen weitet die IG Metall am heutigen Mittwoch ihren Kampf für die Tarifbindung der Funktel GmbH aus. Verstärkung erhalten die zirka 80 Beschäftigten vor Ort durch die IG Metaller bei SMAG, MAN, Alstom, Bosch, Meyer, Volkswagen, Salzgitter Flachstahl und weiteren Betrieben. Hintergrund sei die weiterhin andauernde Verweigerung der beiden Geschäftsführer der Funktel GmbH, Toralf Hennicke und Rogier Minderhout, die Tarifverhandlungen mit der IG Metall aufzunehmen, wie die IG Metall Salzgitter-Peine in einer Pressemitteilung kritisiert.



„Es ist schlichtweg eine Sauerei“, empört sich Andrea Deiana, der IG-Metall-Vertrauenskörperleiter von MAN Salzgitter, „wie die beiden Eigentümer und Geschäftsführer hier mit ihrer Belegschaft umgehen. Genau wie der MAN-Vorstand haben diese Herren ihren sozialen Kompass völlig verloren. Anstatt Gespräche und Verhandlungen mit der Belegschaft zu führen, werden den Kollegen hier einseitige Entscheidungen vor die Nase gesetzt.“

"Tarifflucht der Funktel GmbH"



Die Tarifflucht der Funktel GmbH sei nach dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall zum 1. April wirksam geworden. Coronabedingt hätte die IG Metall die Forderung nach einem Anerkennungstarifvertrag zur Metall- und Elektroindustrie Niedersachsen aussetzen müssen, heißt es in der Pressemitteilung. Seit Anfang Oktober habe die Auseinandersetzung an Fahrt aufgenommen. Auf den ersten Warnstreikaufruf der IG Metall vor zwei Wochen hätten die Geschäftsführer eine halbe Stunde vor der Arbeitsniederlegung mit der Androhung reagiert, die Fertigung und die Reparatur am Standort zu verlagern.

„Diese beiden Arbeitsbereiche sind immer wieder im Gespräch“, erläutert die Betriebsratsvorsitzende der Funktel GmbH Heidi Reupke. „Die Geschäftsführer sehen in der Verlagerung Potentiale zur Kosteneinsparung. Auch ohne unsere Forderung zur Tarifbindung arbeiten sie an ihren Denkspielen zur Verlagerung. Dabei schrecken sie eben auch nicht davor zurück, große Teile unserer Belegschaft mit Existenzvernichtung zu bedrohen.“


"Kampfbereitschaft unterschätzt"


Tatsächlich hätten die Geschäftsführer aber das Gegenteil bewirkt, was sie mit der Angst-Methode erreichen wollten. „Die Herren Hennicke und Minderhout haben die Kampfbereitschaft ihrer Belegschaft einfach unterschätzt. Selbstbewusste Beschäftigte möchten nun mal nicht bedroht werden“, gibt Marion Koslowski-Kuzu von der IG Metall Salzgitter-Peine ihre Eindrücke wider. „Der erste Kollege, der zum Warnstreik aus dem Betrieb herauskam, meinte, bisher wäre er unschlüssig gewesen. Aber durch die Nachricht der Geschäftsführer hätte er keinen Zweifel mehr an der Arbeitsniederlegung gehabt.“

Nach dem hohen Zuspruch der Belegschaft, mit Warnstreiks der Forderung nach Tarifbindung Nachdruck zu verleihen, sei die Geschäftsführung umgeschwenkt. Statt mit Angst zu arbeiten, würden sie nun auf ihre Überzeugungskraft setzen, betont die IG Metall. In drei Inforunden hätten sie am Dienstag die Beschäftigten überzeugen wollen, warum es besser sei, ohne Tarifvertrag zu arbeiten. Zu den Veranstaltungen sei die IG Metall nicht eingeladen worden. Zu diesen Vorwürfen der Gewerkschaft konnte sich die Geschäftsführung auf Anfrage von regionalHeute.de nicht äußern.

„Wir haben einfach die besseren Argumente und alles spricht für eine Tarifbindung“, weiß Helge Bonse, Betriebsratsvorsitzender bei der SMAG. „Unsere Geschäftsführung im Betrieb hat die IG Metall als verlässlichen Partner schätzen gelernt. Im Frühsommer haben wir betriebliche Verhandlungen geführt und gemeinsam Lösungen für unsere schwierige wirtschaftliche Situation gefunden. Diese Herr-im-Haus-Haltung der Funktel-Geschäftsführer ist doch völlig aus der Zeit gefallen. Sie sollen endlich auf die IG Metall zugehen.“
Durch die Beteiligung der anderen Betriebe habe die Belegschaft der Funktel GmbH in ihrem zweiten Warnstreik ordentlich Rückenwind erhalten. „Unsere Solidarität gibt uns viel Kraft. Wir werden nicht nachlassen, unser Recht auf Tarifbindung einzufordern“, betont Ina Kaczmarczyk, Vertrauensfrau der IG Metall bei Funktel.


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