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Warum Wolfenbüttel H&M nicht braucht!



Wolfenbüttel

Warum Wolfenbüttel H&M nicht braucht!

von Werner Heise


Das H&M-Logo ist nicht mehr oder weniger erfolgsentscheidend - meint regionalHeute.de Redaktionsleiter Werner Heise. Foto: iandus (1) / Raedlein (2)
Das H&M-Logo ist nicht mehr oder weniger erfolgsentscheidend - meint regionalHeute.de Redaktionsleiter Werner Heise. Foto: iandus (1) / Raedlein (2) Foto: iandus/Raedlein

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Ganz ehrlich, auch ich war erst einmal geschockt, als ich während unserer Recherchen erfuhr, dass die schwedische Modekette H&M der Lessingstadt eine Abfuhr erteilt und nicht in das Löwentor einziehen wird. Doch ist das wirklich so schlimm, wie jetzt vielleicht viele denken? Ich glaube nicht!



Ja, es ist unstrittig, dass H&M eine weltweit bekannte und - ungeachtet aller Skandale - immens starke Modemarke ist. Meiner Meinung nach jedoch eine, die möglicherweise im stationären Handel überbewertet wird. Wie soll es ein einzelner Modehändler schaffen, die Veränderung im Einkaufsverhalten der Menschheit zu stoppen? Ein H&M Store in Wolfenbüttel wäre zwar subjektiv gefühlt eine schöne Sache, doch am Ende vermutlich vielmehr das erfolglose Klammern an eine Nostalgie.

Luxus Offline-Shopping


Finger hoch! Wer würde sich wirklich noch in die Stadt bequemen, um nach Feierabend oder am Wochenende die Kleidungsständer zu durchwühlen, wenn er das auch nach wie vor bequem virtuell an seinem Smartphone oder Computer machen kann und die Ware versandkostenfrei nach Hause geschickt bekommt? Bequemlichkeit und Preistransparenz, aber auch der Faktor Zeit sind hier nicht zu unterschätzen. Und ja, Ausnahmen und Idealisten gibt es immer, sind jedoch in der Minderheit. Ich selbst empfinde das Shoppen in der Offline-Welt heute bereits als Luxus. Zwar kann es vorkommen, dass Sie mich bei S.Oliver in Wolfenbüttel antreffen, doch die Chancen sind höher, dass Sie mich beim Wischen auf dem Smartphone sehen, wenn ich gerade eine Bestellung aufgebe. Und Hand aufs Herz, damit bin ich nicht allein!

Die Zukunft steht vor der Tür


Unser Online-Einkaufserlebnis steht gerade erst am Anfang. In wenigen Jahren schon wird es eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir eine Nachricht per WhatsApp oder den Facebook Messenger an H&M senden und um die Zusendung einer neuen Jeans bitten. Dank Datenspeicherung wird H&M genau wissen welche Größe wir benötigen und welchen Schnitt wir lieben. Man wird uns ein Bild zusenden, das wir bestätigen werden. Dank elektronischer Bezahlung und SameDay-Delivery halten wir die Jeans nur wenige Stunden später in unseren Händen. Ein Blick nach China und auf den Messenger WeChat lässt erahnen welche Möglichkeiten uns erwarten werden.

Wir müssen lernen zu akzeptieren


Und ist es am Ende nicht so, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt? Ein Leitsatz, den sich alle Kritiker am reichlichen Angebot von Apotheken, Bäckern, Optikern und Handyläden mal auf der Zunge zergehen lassen sollten. Wir Bürger sind es nämlich, die maßgeblich und in erster Linie an der wirtschaftlichen Gestaltung unserer Innenstädte beteiligt sind. Nicht die Stadtverwaltung, nicht die Kommunalpolitik, nicht die Einzelhändler und auch nicht irgendein Investor tragen die Schuld an der gesellschaftlichen und epochalen technischen Veränderung. Sie können nur Rahmenbedingungen schaffen und anpassen.

Wolfenbüttel braucht H&M nicht! Wir müssen akzeptieren, dass sich die Welt weiterdreht, lernen wie man auf Veränderungen reagiert und endlich aufhören zu jammern.




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