Wegen drohender Trinkwasserknappheit: Jetzt soll es aus Wolfenbüttel kommen

Das Harzwasser sei als Quelle zu unsicher. Wasser soll jetzt zusätzlich aus Brunnen im Landkreis Wolfenbüttel kommen.

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Symbolfoto. Foto: Pixabay

Braunschweig. Die Auswirkungen des Klimawandels mit “Doppeltrockenjahren” und steigenden Temperaturen haben die Notwendigkeit einer auf die langfristige Versorgungssicherheit ausgerichteten Trinkwasserversorgung für Braunschweig deutlich gemacht. Um die Trinkwasserversorgung abzusichern, wird BS Energy ab dem Jahr 2024 die bisherigen Trinkwasserlieferungen aus den Talsperren des Harzes um Trinkwasserlieferungen aus regionalen Quellen ergänzen. Dies teilte das Unternehmen mit.


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Dies bedeutet, dass künftig rund 35 Prozent des von BS Energy gelieferten Trinkwassers durch Grundwasser gedeckt werden. Hierzu wurde ein langfristiger Liefervertrag mit der Avacon Wasser GmbH geschlossen, der den Bau einer neuen Trinkwasserleitung nach Braunschweig vorsieht. Damit will BS Energy die Trinkwasserversorgung langfristig in "höchster Qualität und zu guten Preisen", so heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

Bessere Versorgungssicherheit


„Mit dem neuen Vertrag stellt sich BS Energy beim Bezug von Trinkwasser für die Zukunft breiter auf“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum, Aufsichtsratsvorsitzender von BS Energy. Für die Braunschweiger bedeute das in Zeiten klimatischer Veränderungen eine noch höhere Versorgungsicherheit mit Trinkwasser von weiterhin hervorragender Qualität. Er begrüße diesen Schritt in Richtung einer stärkeren Diversifizierung.

Bessere Versorgungsstrukturen


Der Klimawandel sei kein neues Phänomen, jedoch zeigten sich die Auswirkungen gerade in den letzten Jahren deutlich in Deutschland und in der Region. Auch die Energie- und Wasserwirtschaft sei davon zunehmend betroffen. Deswegen rücke neben der Reduzierung von Treibhausgasemissionen auch die Schaffung von klimaresilienten Versorgungsinfrastrukturen in den Vordergrund.

Als Betreiber der Braunschweiger Trinkwasserversorgung sei es Aufgabe der BS Energy Gruppe, langfristig die sichere Trinkwasserversorgung bereitzustellen. Aktuell stamme das Trinkwasser mit einem Anteil von 98,5 Prozent aus den Talsperren des Harzes und dem unternehmenseigenen Wasserwerk am Bienroder Weg in Braunschweig (1,5 Prozent).

Harz als Quelle nicht mehr ausreichend


„Auf die Trinkwasserversorgung aus den Talsperren des Harzes konnten wir uns über die vergangenen Jahrzehnte stets verlassen. Doch auf die zunehmenden regionalen Klimaveränderungen und die damit verbundenen Veränderungen in Häufigkeit und Verteilung der Niederschläge sowie auf den steigenden Trinkwasserbedarf in der Region, müssen wir reagieren. So haben die sogenannten ‘Doppeltrockenjahre’ aufgezeigt, dass wir zusätzliche Wasserdargebote für Braunschweig erschließen müssen, um die Trinkwasserversorgung zukunftsfest aufzustellen”, so Dr. Volker Lang, Vorstandsmitglied von BS Energy.

Avacon Wasser gehört zu den größten wasserwirtschaftlichen Unternehmen in Niedersachsen und kooperiert mit über 32 Kommunen. Mit einem Wasseraufkommen von rund 30 Millionen Kubikmetern pro Jahr ist das Unternehmen verantwortlich für die Trinkwasserbelieferung von rund 485.000 Einwohnern und sichert die Abwasserentsorgung für rund 150.000 Einwohner und Unternehmen.

Wasserwirtschaft in Zahlen


BS Energy beliefert in der Region Braunschweig rund 217.000 Kunden mit Trinkwasser. Betrieben wird das Wassernetz von der zur BS Energy Gruppe gehörenden Braunschweiger Netz GmbH (BS Netz). In Braunschweig werden jährlich circa 13 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch die BS Energy Gruppe bereitgestellt. Es handelt sich um Oberflächenwasser aus den Talsperren der Harzwasserwerke, das im Wasserwerk Bienroder Weg mit Braunschweiger Grundwasser vermischt wird. Das Braunschweiger Trinkwasser bewege sich heute im Härtebereich weich, zwischen 3,4°dH und 7,0 °dH.

Wasser bleibt weich


Ab 2024 ändert BS Energy den Trinkwasserbezug: Circa 5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser werden dann aus Brunnen im Landkreis Wolfenbüttel bezogen. Für den Transport nach Braunschweig wird in den kommenden Monaten eine neue Wassertransportleitung errichtet. Auch mit der neuen Bezugsquelle bleibt das Braunschweiger Wasser im Härtebereich weich, der Härtegrad verändert sich auf durchschnittlich 7,6°dH.

„Wir können es im Rahmen der Daseinsvorsorge als wichtigen Schritt ansehen, zukünftig über zwei hervorragende Wasserbezugsquellen mit jeweils eigener Infrastruktur versorgt zu werden. Das erhöht die Versorgungssicherheit für die Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen ganz erheblich”, so Maximilian Bohr, Abteilungsleiter des Individualkundenvertriebes bei BS Energy.

Zusätzliche Wasserressourcen werden durch den neuen Liefervertrag nicht in Anspruch genommen. Die vereinbarten Lieferungen beruhen auf Fördermengen, die durch den reduzierten Bedarf von Industrie und Gewerbe, auf Grund von geänderten Fertigungsprozessen frei werden und somit der Trinkwasserversorgung zur Verfügung stehen. Erklärt das Unternehmen.


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