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"Welle von Insolvenzen nicht ausgeschlossen" - Konjunktur erholt sich nur langsam

Der gemeinsame Konjunkturbericht der IHK Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg für das dritte Quartal 2020 zeigt eine leichte Verbesserung der Lage. Doch die wieder steigenden Infektionszahlen veranlassen zur Sorge.

Die Kurve zeigt derzeit wieder nach oben. Doch wie lange noch?
Die Kurve zeigt derzeit wieder nach oben. Doch wie lange noch? Foto: IHK

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16.10.2020

Region. Nach dem Corona-bedingten Totalabsturz im Frühjahr befindet sich die Wirtschaft im Raum Braunschweig-Wolfsburg auf konjunkturellem Erholungskurs. Die im Anschluss an den Lockdown ab dem Frühsommer einsetzende Gegenbewegung hat sich bis in den aktuellen Herbst hinein fortgesetzt. Von geschäftlicher Normalität sind zahlreiche Betriebe aber immer noch merklich entfernt. Dies ergibt sich aus dem gemeinsamen Konjunkturbericht der IHK Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg für das dritte Quartal 2020.



Danach konnte der IHK-Konjunkturklimaindikator im Herbst einen kräftigen Anstieg um 25 Punkte verbuchen und erreichte einen Stand von 94. Schon im Vorquartal hatte er um 26 Punkte zugelegt. Die deutliche Erhöhung ist jedoch in Relation zum vorangegangenen Sturzflug zu sehen. So war der Indikator, der als Stimmungswert sowohl die aktuelle geschäftliche Lage der Unternehmen als auch ihre Geschäftserwartungen abbildet, im Frühjahr abrupt um 63 Punkte auf ein historisches Tief von 43 gefallen. Seine damaligen Verluste hat er also noch längst nicht aufholen können, heißt es in einer Pressemitteilung der IHK Braunschweig.

Lage der heimischen Wirtschaft immer noch angespannt


Folglich ist die geschäftliche Lage der heimischen Wirtschaft insgesamt immer noch als angespannt zu bezeichnen. Da sich das Wirtschaftsgeschehen für viele Branchen in den letzten Monaten stabilisiert hat, beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage im Herbst aber deutlich besser als im zurückliegenden Sommer. Momentan bewerten 17 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut und 54 Prozent sehen sie zumindest als befriedigend an. 29 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Situation hingegen als schlecht. Der Saldo aus guten und schlechten Lagebewertungen beträgt demnach -12. Er bewegt sich damit zwar weiterhin deutlich im Negativbereich – im Vorquartal hatte er allerdings noch bei -33 gelegen.

Mehr noch als die verbesserten Rückmeldungen der Unternehmen zu ihrer geschäftlichen Lage haben die inzwischen wieder zuversichtlicheren Geschäftserwartungen zum Anstieg des IHK-Konjunkturklimaindikators beigetragen. Nach der düsteren Vorausschau bei Ausbruch der Corona-Krise regt sich nun auch wieder Hoffnung auf bessere Zeiten. So halten sich positive und negative Geschäftsprognosen mittlerweile die Waage. Jeweils ein gutes Viertel der befragten Unternehmen prognostiziert eine Verbesserung beziehungsweise eine Verschlechterung seiner geschäftlichen Situation. Knapp die Hälfte geht von unverändertem Geschäftsverlauf aus.

Einzelne Wirtschaftszweige stark betroffen


„Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich unsere regionale Wirtschaft Schritt für Schritt aus dem Corona-Tal herausarbeitet. Aber so erfreulich die Erholung in Industrie, Handel und der Dienstleistungswirtschaft ist: Für Euphorie besteht kein Anlass“, sagt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg. „Nach wie vor sind einzelne Wirtschaftszweige wie das Reise- und Veranstaltungsgewerbe in besonderem Maße von der Corona-Pandemie betroffen, ohne dass rasche Besserung in Sicht ist. Zudem zeigt sich die Gastronomie angesichts steigender Infektionszahlen und des anstehenden Winterhalbjahrs besorgt.“ Eine Welle von Insolvenzen sei nicht ausgeschlossen.

Dabei sorge die bis zum Jahresende verlängerte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unsicherheit im Geschäftsverkehr, da die Regelung andere Unternehmen als Gläubiger gefährde, betont Zeinert: „Um die Sanierungsfähigkeit von Unternehmen außerhalb einer Insolvenz zu stärken, setzen wir uns für eine zügige Umsetzung der EU-Restrukturierungsrichtlinie in deutsches Recht ein.“

Wiederaufflammen der Pandemie bereitet Sorge


Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, fügt hinzu: „Vom deutlichen Anstieg des IHK-Konjunkturklimaindikators sollte man sich nicht täuschen lassen. Ein guter Teil davon gründet sich auf einen Rückprall-Effekt nach dem totalen Einbruch im Frühjahr. Die weitere Erholung wird mühsamer werden, an Tempo einbüßen und auch Rückschläge mit sich bringen. Vielen befragten Unternehmen bereitet derzeit das Wiederaufflammen der Pandemie große Sorge.

Da hiervon auch wichtige Absatzregionen im Ausland betroffen sind, wird das Exportgeschäft sicherlich noch eine gewisse Zeit leiden. Mit Investitionen halten sich viele Unternehmen aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie vorerst noch zurück. Der Konsum dürfte sich hingegen schneller erholen, zumal die Sparquote der privaten Haushalte in der Corona-Krise angewachsen ist und die Arbeitseinkünfte mit abnehmender Kurzarbeit wieder ansteigen.“


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