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Welt-Aids-Tag: Kampagne soll für Klarheit und Aufklärung sorgen



Welt-Aids-Tag: Kampagne soll für Klarheit und Aufklärung sorgen

Im vergangenen Jahr gab es laut RKI 2.900 Neuinfektionen mit dem HI-Virus.

von Anke Donner


Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Mit einer Kampagne will man für Aufklärung und Akzeptanz sorgen.
Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Mit einer Kampagne will man für Aufklärung und Akzeptanz sorgen. Foto: Sina Rühland

Region. Am 1. Dezember findet der Welt-Aids-Tag statt. Genau an jenem Tag, an dem im Jahre 1981 Aids als eigenständige Krankheit erkannt wurde. Laut Robert Koch-Institut haben sich im Jahr 2019 geschätzt 2.600 Personen in Deutschland mit HIV infiziert. In diesem Jahr starten die Aidshilfen in Niedersachsen zum Welt-Aids-Tag die Kampagne „Jetzt testen lassen“. Unter anderem beteiligt sich auch die Aidshilfe Goslar an der Kampagne.



Bis heute hat die Krankheit etwa 30 Millionen Menschen weltweit das Leben gekostet. Ein prominentes Beispiele ist der Sänger der Gruppe Queen, Freddy Mercury. Er starb am 24. November 1991 infolge seiner Aidserkrankung mit nur 45 Jahren. Mercury starb an der Immunkrankheit zu einer Zeit, als HIV wenig erforscht, als Krankheit der Schwulen und Drogenabhängigen galt und ein absolutes Tabuthema war. Heute wird weltweit Aufklärung betrieben, um das Thema aus der Tabuzone zu holen. Denn noch immer ist die Erkrankung mit Stigmatisierung und Diskrimierung verbunden. Geblieben ist aber, dass die Krankheit auch nach 40 Jahren nicht heilbar ist und es noch immer eine hohe Zahl an Neuinfektionen gibt.

2.600 Neuinfektionen


Das Robert Koch-Institut hat anlässlich des bevorstehenden Welt-AIDS-Tages im Epidemiologischen Bulletin eine umfassende Darstellung der HIV/AIDS-Situation in Deutschland veröffentlicht. Demnach haben sich im Jahr 2019 geschätzt 2.600 Personen in Deutschland mit HIV infiziert, 2018 waren es 2.500 Neuinfektionen. „Dieser leichte Anstieg der Infektionszahlen zeigt, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, insbesondere um die Testangebote zu verbessern und den Zugang zur Therapie für alle in Deutschland mit HIV lebenden Menschen zu gewährleisten“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „In der Gesamtschau der vergangenen Jahre zeigt sich aber, dass der Ausbau von zielgruppenspezifischen Testangeboten und ein früherer Behandlungsbeginn Erfolge gebracht haben“, unterstreicht Wieler. Insbesondere ist in den vergangenen Jahren bei der wichtigsten Betroffenengruppe – Männer, die Sex mit Männern haben – die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesunken.



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Die Zahl der Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland ist bis Ende 2019 auf 90.700 gestiegen. Wer von seiner Infektion nichts weiß, kann das Virus unbeabsichtigt weitergeben, außerdem ist die Sterblichkeit bei Spätdiagnosen höher. Im Jahr 2019 sind geschätzt 380 Menschen an HIV gestorben, teilt das RKI mit.




Bei Männern, die Sex mit Männern haben, blieb die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen konstant im Vergleich zum Vorjahr und liegt bei etwa 1.600 Neuinfektionen, im Jahr 2013 waren es noch etwa 2.200. Beim Gebrauch intravenöser Drogen haben sich 2019 etwa 360 Menschen mit HIV infiziert, diese Zahl ist erneut leicht gestiegen. Etwa 650 Menschen haben sich in Deutschland auf heterosexuellem Weg mit HIV infiziert, auch in dieser Gruppe gibt es seit 2012 auf niedrigem Niveau einen Anstieg.

Kein Todesurteil mehr



Jahrelange Forschung haben zumindest dafür gesorgt, dass die Diagnose HIV nicht immer ein Todesurteil sein muss. Verschiedene Medikamente können - wenn die Krankheit frühzeitig entdeckt wird - den Krankheitsverlauf aufhalten. Laut der Deutschen Aidshilfe können HIV-Medikamente die Vermehrung der Viren im Körper unterdrücken und so das Auftreten von Aids verhindern. Bei einem rechtzeitigen Behandlungsbeginn würden gute Chancen auf eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität bestehen.

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Der Anteil von Menschen mit einer HIV-Diagnose, die eine antiretrovirale Behandlung erhalten, habe laut RKI in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und liegt inzwischen bei 96 Prozent. Bei fast allen Behandelten (96 Prozent) ist die Behandlung erfolgreich, so dass sie nicht mehr infektiös sind. Infektionen werden in erster Linie durch Menschen übertragen, deren HIV-Infektion noch nicht diagnostiziert ist. Die Empfehlung, Kondome zu benutzen, bleibt daher weiterhin ein Grundpfeiler der Prävention von HIV und weiteren sexuell übertragbaren Infektionen.

Mit der oralen Chemoprophylaxe einer HIV-Infektion (sogenannte Präexpositions-Prophylaxe – PrEP) steht ein zusätzliches Instrument zur Verhinderung von HIV-Neuinfektionen zur Verfügung. Seit September 2019 werden in Deutschland die Kosten für Medikamente zur PrEP für Menschen mit substanziellem HIV-Risiko durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Inwiefern sich die Kostenübernahme über den individuellen Nutzen hinaus auch auf die epidemiologische Entwicklung in der Bevölkerung auswirkt, wird derzeit in einem vom RKI geleiteten Forschungsverbund eingehender evaluiert.

Landesweite Kampagne


Ab dem kommenden Dienstag - dem Welt-Aids-Tag - startet die landesweite Kampagne „Jetzt testen lassen!“. In Goslar kann man sich in der Aidshilfe kostenlos und anonym auf HIV und Syphilis testen lassen, solange das Kontingent reicht. Wie bei Corona heißt es auch bei HIV und Syphilis: die Infektionsketten müssen unterbrochen werden, um weitere Übertragungen zu vermeiden. Das Aufbrechen der Infektionsketten kann aber nur passieren, wenn man von seiner Infektion weiß, appelliert die Aidshilfe Goslar. Laut Robert Koch-Institut wissen 18 Prozent aller Menschen mit HIV in Niedersachsen noch nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Auch steigt die Zahl der Syphilisfälle deutschlandweit von ca. 2.000 Fälle im Jahr 2001 auf über 7.000 Fälle in 2018 an. Um diese Situation zu ändern, haben die niedersächsischen Aidshilfen zusammen mit dem Land Niedersachsen eine Testkampagne ins Leben gerufen, welche sich an alle sexuell Aktiven richtet. Landesweit stehen nun 1.000 HIV & Syphilis Schnelltests in den Aidshilfen kostenlos zur Verfügung, so auch in Goslar.

„Eine HIV-Infektion ist schon länger kein Todesurteil mehr und heute leicht behandelbar. Dank der HIV-Medikamente hat man gute Chancen auf eine normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität. Auch schützen die Medikamente vor einer Übertragung beim Sex ohne Kondom. Wichtig ist es aber so früh wie möglich über eine Infektion Bescheid zu wissen.“ so Günther Oles, Vorsitzender der Aidshilfe Goslar.
Ein Schnelltest auf HIV & Syphilis in der Aidshilfe Goslar dauert mit Beratungsgespräch etwa eine halbe Stunde und ist anonym und kostenlos. Für den Test wird nur ein kleiner Tropfen Blut aus dem Finger benötigt. Interessierte melden sich bitte telefonisch unter 05321 42551 für die Vereinbarung eines Termins für die Testung.


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