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Wenn der Notarzt per Video und Telefon Leben rettet

Der Rettungsdienst des Landkreises Goslar startet kommende Woche mit der Telenotfallmedizin in den Echtbetrieb.

Die Notfallsanitäter vor Ort kommunizieren über Telefon und Video mit dem Notarzt in der Rettungsleitstelle. Durch die Telenotfallmedizin wird die Verfügbarkeit der Ressource Notarzt erhöht.
Die Notfallsanitäter vor Ort kommunizieren über Telefon und Video mit dem Notarzt in der Rettungsleitstelle. Durch die Telenotfallmedizin wird die Verfügbarkeit der Ressource Notarzt erhöht. Foto: Landkreis Goslar

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29.12.2020

Landkreis Goslar. Im Landkreis Goslar wird ab Anfang kommender Woche die Telenotfallmedizin im Rettungsdienst eingeführt. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Landkreis Northeim und dem Klinikum Oldenburg realisiert. Der Northeimer Rettungsdienst wird jedoch erst ab April 2021 Telenotärzte in den Einsatz schicken. Das berichtet der Landkreis Goslar in einer Pressemeitteilung.



Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Goslarer Rettungsdienstes, freut sich auf den offiziellen Startschuss: „In den zurückliegenden Monaten haben wir unglaublich viel Kraft und Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Neben der Beschaffung und Erprobung von Technik und Software stand vor allem die Aus- und Weiterbildung unseres Personals im Fokus. Das war richtig anstrengend. Deshalb freue ich mich nun umso mehr, dass wir die Telenotfallmedizin endlich auf die Straße bringen können.“

Leistungsfähigkeit im Rettungsdienst verbessern


Rettungs- und Notfallmediziner Steffen verspricht sich von der Einführung der Telenotfallmedizin eine weitere Verbesserung der Leistungsfähigkeit im Rettungsdienst. „Um auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige notfallmedizinische Versorgung rund um die Uhr an jedem Ort gewährleisten zu können, müssen wir neue Wege gehen. Die Telenotfallmedizin bietet uns die Möglichkeit, in Echtzeit Daten von Notfallsituationen an Experten zu übertragen, so dass das Personal vor Ort in der Diagnostik und Therapie unterstützt werden kann. Letztlich schaffen wir so die Voraussetzungen, um die Patientinnen und Patienten im Rettungsdienst künftig noch schneller ärztlich versorgen zu können,“ so Dr. Steffen.

Bei der Telenotfallmedizin ist es also nicht mehr zwingend notwendig, dass der Notarzt physisch vor Ort ist, sondern die ausgebildeten Notfallsanitäter durch die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Arbeit vor Ort unterstützt, berät und Entscheidungen trifft, die ausschließlich Ärzten vorbehalten sind. Als Beispiel aus der Praxis nennt Dr. Steffen den Skiunfall im Winter. Während die Notfallsanitäter binnen weniger Minuten vor Ort sind, um sich um den verunglückten Sportler zu kümmern, passiert es mitunter, dass der Notarzt noch in einem anderen Einsatz gebunden ist, oder aufgrund der Verkehrssituation länger zur Einsatzstelle braucht. Der Telenotfallmediziner könnte zu diesem Zeitpunkt bereits per Video und Telefon zugeschaltet sein und beispielsweise die Entscheidung zur Verabreichung von Schmerzmitteln treffen. „Dem Patienten“, so Dr. Steffen, „kann somit viel schneller und effektiver geholfen werden, und unser Notarzt auf der Straße hätte Kapazitäten hinzugewonnen, die an anderer Stelle womöglich dringender benötigt werden.“

Notarzt-Standorte sollen bleiben


Mit der Einführung eines Telenotarztes, diese Feststellung ist Dr. Steffen wichtig, ist jedoch keine Reduktion von Notarzt-Standorten beabsichtigt, sondern vielmehr eine höhere Verfügbarkeit der Ressource Notarzt in der Fläche.

Landrat Thomas Brych freut sich ebenfalls auf den Startschuss und ist gespannt, wie das Projekt anlaufen wird. „Natürlich schwingt bei solch großen Projekten auch immer ein bisschen Aufregung mit. Ich weiß aber, dass unsere Einsatzkräfte bestens ausgebildet und vorbereitet sind, deshalb steht aus meiner Sicht einer erfolgreichen Einführung nichts im Wege“, so der Chef der Goslarer Kreisverwaltung. „Wichtig ist mir aber vor allem“, so Brych weiter, „dass wir mit diesem Projekt die Weichen für die rettungsdienstliche Versorgung der Zukunft stellen.“

Blaupause für landesweite Ausweitung?


Die Einführung der Telenotfallmedizin in den Rettungsdiensten der Kreise Goslar und Northeim soll dem Land Niedersachsen übrigens als Blaupause für eine möglicherweise landesweite Ausweitung dienen. Aus diesem Grund haben sich die Projektpartner auch gegenüber den Kostenträgern verpflichtet, die Ergebnisse genauestens zu evaluieren und zu dokumentieren.


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