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Wenn Kinder vor den Eltern sterben - Hospizverein will Trauernden helfen



Wolfenbüttel

Wenn Kinder vor den Eltern sterben - Hospizverein will Trauernden helfen

Der Weg dahin, den Tod des eigenen Kindes zu akzeptieren, sei schwer. Der Hospizverein Wolfenbüttel will den Abschied mit seinem Trauerkreis für verwaiste Eltern unterstützend begleiten.

Ein weitläufiger „Grüner Andachtsraum“ bietet Trauernden Platz zur Besinnung und Reflexion. Fünf „Räume der Stille“ greifen durch ihre Gestaltung die Phasen des Abschiednehmens auf (Friedhof in Hannover-Ricklingen). Schaukelgefühle gehören zur Phase des „Nicht wahrhaben Wollens“.
Ein weitläufiger „Grüner Andachtsraum“ bietet Trauernden Platz zur Besinnung und Reflexion. Fünf „Räume der Stille“ greifen durch ihre Gestaltung die Phasen des Abschiednehmens auf (Friedhof in Hannover-Ricklingen). Schaukelgefühle gehören zur Phase des „Nicht wahrhaben Wollens“. Foto: Anke Finke

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Wolfenbüttel. "Der Tod eines Kindes reißt tiefe Wunden, hinterlässt immer Narben – zunächst körperlich, langfristig seelisch. Fertig werden damit? Wohl kaum. Aber eine Gruppe verwaister Eltern kann stabilisieren. Sie ist ein kleiner Rettungsring in rauer See – gibt wenigstens ein wenig Halt", so der Hospizverein Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung. Das will der Verein mit dem Trauerkreis für verwaiste Eltern bieten. Am 15. September startet der nächste Trauerkreis mit zehn monatlichen Terminen.



Im Juli fand ein Pilotprojekt des Hospizvereins Wolfenbüttel seinen Abschluss: Der erste Trauerkreis für verwaiste Eltern. Seit September trafen sich Eltern, die ihr Kind in der Schwangerschaft oder auch danach verloren hatten, in einer festen Gruppe. Mütter und auch Paare fanden hier einen Ort, um sich auszutauschen. „Offene, verständnisvolle Gespräche über unsere verlorenen Kinder und das Leben mit der Trauer waren der Mittelpunkt unseres Zusammenseins“, beschreibt Anke Finke die Treffen. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie den Trauerkreis, der auf Initiative der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFB) zustande kam. Das Besondere: Die beiden haben 2015 ihre Zwillinge als Folge einer Frühgeburt verloren. Sie hatten erlebt, wie wichtig es ist, sich mit der Trauer auseinander zu setzen – sich mit anderen Betroffenen ausgiebig austauschen zu können. Ihre Erfahrungen möchten sie an andere weitergeben.

"Den Verlust des Kindes zu akzeptieren ist sehr schwer"


Zum Abschluss fuhr die Gruppe gemeinsam nach Hannover-Ricklingen. Auf dem Freigelände des dortigen Friedhofs bieten „Räume der Stille“ Gelegenheit zum Innehalten. Um einen „Grünen Andachtsraum“ herum sind fünf „Stille Räume“ angelegt. Diese Stationen symbolisieren Phasen des Abschieds und regen mit ihrer Gestaltung an, den eigenen Trauerprozess zu reflektieren. Von der Phase „Nicht wahrhaben wollen“ bis zur „Akzeptanz“ ist ein weiter Weg. Eine Teilnehmerin resümiert: „Dieser letzte Raum lässt uns fragen, ob wir hier innerlich schon angekommen sind. Den Verlust des Kindes zu akzeptieren ist sehr schwer. In Gemeinschaft diese Last zu tragen und in vertrauensvoller Atmosphäre darüber zu sprechen, entlastet jedoch.“


Verständnis für den Trauerprozess entwickeln


Diese Erfahrung möchten Anke und Michael Finke auch mit weiteren Betroffenen teilen. In Zusammenarbeit von EFB und Hospizverein Wolfenbüttel beginnt der nächste Trauerkreis für verwaiste Eltern am Dienstag, 15. September 2020, 19 Uhr. Mit 10 monatlichen Treffen richtet er sich an Eltern, die in naher Vergangenheit ein Kind kurz vor dem Geburtstermin, während der Geburt oder einige Jahre danach verloren haben. „Mit diesem Angebot möchten wir vor allem Paare ansprechen. Es ist wichtig, nicht nur mit der eigenen Trauer fertig zu werden, sondern auch Verständnis für den Trauerprozess des anderen zu entwickeln“, betont Michael Finke. „Aber selbstverständlich sind wir auch offen für betroffene Mütter oder Väter.“ Weitere Informationen und Anmeldung unter finke@hospizverein-wf.de, oder per Telefon unter 0151 54878251.


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