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Wenn man Zeuge eines Suizids wird: Die Notfallseelsorge kümmert sich

von Christina Balder


Foto: regionalHeute.de

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19.08.2014


Braunschweig. Solche Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf: Wer mitbekommt, wie sich jemand anderes das Leben nimmt, trägt das oft noch lange mit sich herum. Eine Leserin berichtete uns kürzlich von einem solchen Fall: Ihr Mann wurde Zeuge, wie sich eine Person von einem Hochhaus stürzte. Die Notfallseelsorge der Feuerwehr nimmt sich dieser Fälle an und betreut die traumatisierten Menschen. 

Es sollte nicht passieren, dass Unbeteiligte Zeugen eines Freitods werden. Wenn die Feuerwehr beispielsweise zu jemandem gerufen wird, der von einem Hochhaus zu springen droht, wird das Gelände weiträumig abgesperrt, sagt Torge Malchau von der Berufsfeuerwehr Braunschweig. "Allerdings ist es unsere erste Priorität, mit der gefährdeten Person zu sprechen und sie zu beruhigen - die Absperrung errichten wir parallel." Es könne vorkommen, dass sich noch Unbeteiligte in der Gegend aufhielten, wenn es dann doch passiere. Wer dann Hilfe brauche, bekomme sie von der Notfallseelsorge. Das sind Ehrenamtliche, die bei Einsätzen wie schweren Verkehrsunfällen, Wohnungsbränden und eben auch Selbsttötungen mit alarmiert werden. "Wir suchen aber nicht aktiv die Gegend ab, ob da jemand Hilfe braucht", sagt Malchau.

"Am Besten sofort Hilfe suchen"


Oft ist Simone Cyrus mit vor Ort. Sie ist die zweite Geschäftsführerin der Braunschweiger Notfallseelsorge und ist seit 2010 mit dabei. Dass der Mann unserer Leserin die Bilder von dem Vorfall noch mit sich herumträgt, sei normal, sagt sie. "Das ist eine akute Belastungsreaktion, das kann bis zu sechs Wochen dauern", erklärt Cyrus. Sie empfehle in solchen Fällen, sich sofort Hilfe zu suchen. "Denn so etwas kann chronisch werden - wenn nach sechs Wochen immer noch Schlafstörungen und Flashbacks auftreten, kann es sein, dass man ein posttraumatisches Belastungssyndrom hat. Und dafür braucht man dann wirklich die Hilfe eines Psychologen."

Es sei individuell sehr unterschiedlich, wie man auf solche Ereignisse reagiere, sagt Cyrus. "Ob ich persönlich gefestigt bin, ob ich gerade ohnehin einen schlechten Tag habe und ob ich mich mit dem Opfer aus irgendeinem Grund identifizieren kann, beeinflusst stark, wie sehr einen so etwas mitnimmt", sagt sie. Viele Menschen vergäßen Raum und Zeit, manche könnten sich nach so einem Schock nicht an ihr Geburtsdatum erinnern. "Wir bringen dann gemeinsam eine Chronologie in die Ereignisse. Das ist unsere Erste Hilfe und der erste Schritt, so etwas zu verarbeiten", sagt die Notfallseelsorgerin.

Die Braunschweiger Notfallseelsorge besteht aus einem haupt- und neun ehrenamtlichen Seelsorgern, die zu kritischen Einsätzen mit alarmiert werden.



In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen, da solche Berichterstattung eine hohe Zahl von Nachahmern nach sich zieht. Falls Sie sich selbst betroffen fühlen, zögern Sie bitte nicht, sich Hilfe zu suchen. Die Braunschweiger Notfallseelsorge erreichen Sie unter der Nummer der Leitstelle, 0531/23450 - dort können Sie sich ein persönliches Gespräch mit Notfallseelsorgern vermitteln lassen. Die kostenlose Nummer der bundesweiten Telefonseelsorge ist die 0800/1110111 oder die 0800/110222 und rund um die Uhr erreichbar.


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