Niedersachsen. Die Eigenanteile zur Pflege im Heim haben landes- und bundesweit einen neuen Höchststand erreicht, das macht eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich, wie die AOK Niedersachsen in einer Pressemitteilung berichtet.
Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen: „Die durchschnittliche finanzielle Belastung der Heimbewohnerinnen und Bewohner liegt in Niedersachsen inzwischen bei 2.358 Euro. Das sind zwar knapp 10 Prozent unter Bundesschnitt und rund 21 Prozent weniger als zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, aber für viele Pflegebedürftige und ihre Familien wird es immer schwerer, das zu schultern.“
Gesamtkosten bei 4.743 Euro
Laut Auswertung lagen die Gesamtkosten für einen Heimplatz in Niedersachsen Ende 2025 bei monatlich durchschnittlich 4.743 Euro. Davon trägt der Versicherte 2.358 Euro und 2.386 Euro zahlt die Pflegeversicherung. Der Eigenanteil der Pflegebedürftigen setzt sich aus Zahlungen für die Pflegeleistung, Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten zusammen. Bei Einführung der Pflegegrade in 2017 betrug er noch 1.465 Euro und ist seitdem um 60 Prozent gestiegen.
Betrachtet man den reinen Pflegeanteil, ohne Kosten für Unterkunft und Verpflegung und ohne die Investitionskosten, beträgt die Preisspanne im Vergleich der niedersächsischen Landkreise und kreisfreien Städte bis zu 52 Prozent: Von monatlich durchschnittlich 716 Euro in Helmstedt und 790 Euro in Wilhelmshaven, bis 1.086 Euro in Delmenhorst und 1.074 im Emsland.
"Zuzahlungen werden weiter steigen"
Die Leistungssätze in der Pflegeversicherung sind seit Anfang 2025 gestiegen: Zum Beispiel gibt es bei Pflegegrad 4 nun 1.855 Euro statt bisher 1.775 Euro pro Monat (plus 4,5 Prozent). Trotz der Zuschüsse zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen, werden die Zuzahlungen für die Pflege im Heim weiter steigen, so die AOK. Das habe unter anderem mit gestiegenen Lohnkosten infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer Mitarbeitenden und den inflationsbedingten Kostensteigerungen zu tun.
AOK-Chef Peter: „Wer ein Leben lang gearbeitet und vorgesorgt hat, darf im Pflegefall nicht zum Sozialfall werden. Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb brauchen wir wirksame Instrumente, um die Eigenanteile dauerhaft zu begrenzen und Pflege bezahlbar zu halten. Wenn das Land die Investitionskosten der Häuser tragen würde, wäre das schon mal ein Anfang.“

