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Wie giftig ist der Ascheberg in Königslutter?

von Sandra Zecchino


Archivfoto: Eva Sorembik
Archivfoto: Eva Sorembik Foto: Eva Sorembik

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29.06.2017

Königslutter. In einem Bericht der NDR-Magazins wurde am vergangenen Dienstag der Vorwurf laut, dass aufgrund eines Ascheberges an der Bausstelle zum Fachmarktzentrum am Fischerwerk eine Gefährdung für die Anwohner durch Schwermetalle vorhanden sei. Nun reagiert der Landkreis Helmstedt auf diese Vorwürfe.



Laut des Berichtes, läge der Ascheberg, der als Grundlage für das neue Zentrum dienen werde, bereits seit Februar offen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Anwohnern und einem Kindergarten. Die Verwendung des Materials wäre zwar erlaubt, aber die Asche müsse zeitnah versiegelt werden.

Nach einer von NDR durchgeführten Laboruntersuchung befände sich der Anteil der Schwermetalle in einem für die Anwohner gesundheitsgefährdenden Bereich, da diese durch Windverwehungen in die Atmung gelangen könne.

Nun äußert sich der Landkreis


Wir veröffentlichen das Statement ungekürzt und unkommentiert:
Am 16. November letzten Jahres wurde dem Bauherrn des geplanten Fachmarktzentrums eine Teilbaugenehmigung für Erdarbeiten mit Geländeauffüllungen erteilt. Mit welchen Materialien diese Auffüllungen zu erfolgen haben, ist üblicherweise nicht Bestandteil der Baugenehmigung. Auch anderen Bauherren wird und darf in der Regel nicht im Rahmen der Baugenehmigung die Verwendung bestimmter Materialien vorgegeben werden. Vielmehr ist der Bauherr beziehungsweise der ausführende Architekt selbst für die Einhaltung der technischen Rahmenbedingungen verantwortlich.

Im Februar wies ein Anwohner den Landkreis darauf hin, dass bei der Baumaßnahme am Fischersteg so genannte Hausmüllverbrennungsasche (HMVA) zur Auffüllung eingebracht wurde. Die Verwendung dieser HMVA unterliegt in Niedersachsen keiner besonderen Genehmigungspflicht. Ungeachtet dessen hat die Bauaufsichtsbehörde diesen Hinweis zum Anlass genommen, den Bauherrn aufzufordern, Erklärungen und Unterlagen zu Herkunft und Art der verwendeten Materialien sowie den Nachweis deren bauphysikalischen Geeignetheit und Schadlosigkeit vorzulegen. Parallel dazu hat das Niedersächsische Umweltministerium bestätigt, dass der Einbau von HMVA unter Beachtung bestimmter Sicherheitsvorkehrungen zulässig ist. Demnach ist sicherzustellen, dass kein Sickerwasser entsteht und ein vorgegebener Grundwasserabstand eingehalten wird.

Unbedenklichkeit des verwendeten Materials wurde bestätigt


Die erforderlichen Unterlagen wurden zunächst nur zum Teil, aber nicht in Gänze vorgelegt. Daher hat das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig (GAA) seinerseits im Mai Proben genommen und festgestellt, dass die vorgeschriebenen Grenzwerte für den möglichen Wassereintrag weit unterschritten werden. Für den Schadstoffgehalt der Trockensubstanz gibt es keine Grenzwerte für HMVA. Dies hängt damit zusammen, dass diese technisch vorbehandelt ist. Durch diese Vorbehandlung und zusätzliche Waschungen ist sichergestellt, dass diese Verbrennungsrückstände – anders als bei Flugasche, wie sie jeder bei der Verbrennung zum Beispiel im heimischen Kamin oder Grill kennt – eben nicht in maßgeblicher Menge durch die Luft getragen werden können. Das GAA hat inzwischen die Unbedenklichkeit des verwendeten Materials bestätigt.

"Fakten passten nicht zur Intention des Panorama-Berichts"


Die starken Regenfälle am 22. Juni haben zu erheblichen Auswaschungen der HMVA aus der Aufschüttung geführt. Daher ist ein ordnungsgemäßer Einbau dieser Asche nun nicht mehr gewährleistet. Seitens der Bauaufsichtsbehörde wurde daher mit Sofortvollzug angeordnet, die auf angrenzende Grundstücke abgespülte HMVA zu bergen, die betroffenen Flächen zu reinigen und die Böschungen gegen weiteres Abrutschen zu sichern. Dies alles wurde vom Bauherrn im Laufe des 27. Juni auch so umgesetzt. Im Rahmen der Baubesprechung am selben Tag wurde vom Bauherrn deutlich gemacht, dass es zu weiteren Verzögerungen bei der Erstellung der Oberflächenbefestigung kommen wird. Aus diesem Grund wurde ebenfalls unter Sofortvollzug die Abdeckung der gesamten Aufschüttung mit PE-Folie angeordnet. „Diese Fakten wurden dem NDR-Filmteam im Rahmen des Interviews so auch dargelegt, passten aber vermutlich nicht in die Intention des Panorama-Berichts.“, wundert sich Marcus Wagner, Leiter der Bauaufsichtsbehörde.


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