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Wie hoch ist die Zustimmung zur Energiewende?



Wolfenbüttel

Wie hoch ist die Zustimmung zur Energiewende?

von Alexander Dontscheff


Julian Märtens (li.) und Frank Weyhers. Fotos: SPD/LKR
Julian Märtens (li.) und Frank Weyhers. Fotos: SPD/LKR

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Wolfenbüttel. Wie groß ist die Zustimmung der Bevölkerung zur Energiewende? Die Redaktion erreichte ein offener Brief von Frank Weyhers von der Partei Liberal-Konservative Reformer, der in Bezug auf die Aussage des stellvertretenden Landrates Julian Märtens die zitierte 95-prozentige Zustimmung anzweifelt. regionalHeute.de fragte bei Märtens nach.



Der offene Brief von Frank Weyhers im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Märtens,


in der Wolfenbütteler Zeitung vom Mittwoch, 21. Juni, werden sie als stellvertretender Landrat in einem Artikel mit folgenden Worten zitiert: „Rund 95 Prozent der Bevölkerung befürworten die Energiewende.“

Laut einer deutschlandweiten Befragung des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart (ZIRIUS), der Universität Münster sowie den Fraunhofer-Instituten für System- und Innovationsforschung (ISI) und für Solare Energiesysteme (ISE), deren Ergebnisse im Oktober 2016 veröffentlicht wurden, können nur 29Prozent der Bevölkerung als Unterstützer der Energiewende klassifiziert werden. [https://www.uni-stuttgart.de/universitaet/aktuelles/presseinfo/So_sieht_die_deutsche_Bevoelkerung_die_Energiewende/]

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Frank Weyhers. Foto: Privat




Dieser Grad an Zustimmung zur Energiewende würde noch deutlich geringer ausfallen, wenn die Öffentlichkeit über die negativen Auswirkungen neutral informiert würde. Durch die Energiewende ist der Preis für elektrische Energie in Deutschland in den Jahren seit der Liberalisierung des Energiemarktes im Jahr 1998 um über 100Prozent angestiegen, von ca. 13 ct/kWh auf nun ca. 29 ct/kWh. Dies ist nach Dänemark der zweithöchste Strompreis in der europäischen Union. [https://www.bdew.de/internet.nsf/res/ACB6766AE4CA66E0C1258132004BC873/$file/170531_BDEW_Strompreisanalyse_Mai2017.pdf]

Gleichzeitig fordert die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) bereits seit Jahren die Abschaffung des EEG, wegen dessen nachgewiesener Erfolglosigkeit. Weder konnte der CO2-Ausstoß reduziert werden, noch eine nennenswerte Innovationswirkung entfaltet werden. [https://www.helmholtz.de/wissenschaftspolitik/efi-gutachten-vorgelegt-2328]
Auch die gesundheitlichen Auswirkungen der Windkraftanlagen, die sich gefördert durch die Energiewende deutschlandweit verbreitet haben, werden nur selten öffentlich angesprochen. Der von Windkraftanlagen erzeugte Infraschall führt nachweislich zu vielfältigen Problemen, wie zum Beispiel Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Stress. [https://umweltmessung.com/wp-content/uploads/2015/06/Kommentierung-Studien-Infraschall.pdf]

Deutschlandweit gibt es fast 900 Bürgerinitiativen, die sich vehement gegen den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen aussprechen, einige davon auch im Landkreis Wolfenbüttel. [http://www.windwahn.com/karte-der-buergerinitiativen/]

Vor dem Hintergrund dieser Informationen würde mich interessieren, welche Umfrage die Basis für ihre oben zitierte Aussage ist? Wann wurde die Umfrage durchgeführt? Wer hat die Umfrage durchgeführt? Wie war die genaue Fragestellung der Umfrage? Wie viele Teilnehmer hatte die Umfrage? Wie war das genaue Ergebnis der Umfrage?

Mit freundlichen Grüßen

Frank Weyhers, Liberal-Konservative Reformer, Regionsverband Braunschweiger Land

Wir konfrontierten Julian Märtens mit den Aussagen des offenen Briefes. Hier seine Antwort:


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Julian Märtens. Foto: SPD



Der offene Brief von Herrn Weyhers bezieht sich auf ein Grußwort beim Tag des offenen Windrades in Cramme. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde die relativ neue Windkraftanlage für die Bevölkerung geöffnet und von weiteren Teilnehmern über den Fortschritt im Bereich der neuen Energien informiert sowie für die damit entstehenden Entwicklungschancen geworben. Zu dieser Veranstaltung war auch die Landrätin eingeladen und aufgefordert worden, ein kurzes Grußwort zu sprechen. Aufgrund mehrerer Paralleltermine der Landrätin habe ich in meiner Funktion als stellvertretender Landrat diesen Termin auf Wunsch der Landrätin wahrgenommen.

Herr Weyhers nimmt nun Anstoß an meiner Äußerung, „rund 95Prozent der Bevölkerung befürworten die Energiewende“ und zitiert mehrere Umfragen, die seiner Meinung nach diese Auffassung widerlegen. Aus einer Umfrage der "Agentur für erneuerbare Energien“ aus dem Jahr 2016 geht nun hervor, dass "der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien für 93 Prozent der Befragten wichtig bis außerordentlich wichtig“ sei. Des Weiteren arbeitet diese Umfrage heraus, dass 60 Prozent der Bevölkerung die mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien verbundene EEG-Umlage als „angemessen“ oder sogar “zu niedrig“ empfinden.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Akzeptanz von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien deutlich steigt, wenn bereits ähnliche Anlagen in der Wohnumgebung der Befragten vorhanden sind. Somit scheint die alltägliche Erfahrung der Menschen mit z.B Windkraftanlagen oder Solaranlagen sich positiv auf deren Ansehen in der Bevölkerung auszuwirken - eine Erkenntnis, die ich an diesem Tag in Cramme nach vielen Gesprächen auch bestätigen kann.

Die besagte Umfrage ist im Internet unter https://www.unendlich-viel-energie.de/themen/akzeptanz-erneuerbarer/akzeptanz-umfrage/repraesentative-umfrage-weiterhin-rueckenwind-fuer-erneuerbare-energien einzusehen.

Vor dem Hintergrund der Endlichkeit des Vorhandenseins fossiler Brennstoffe und der von Atomkraftwerken ausgehenden Gefahren und „Hinterlassenschaften“, die in unserer Region wie in keiner anderen zu beobachten sind, halte ich Veranstaltungen wie in Cramme für immens wichtig, um auch die letzten Menschen von den Vorzügen regenerativer Energien zu überzeugen und ihnen die Angst vor diesen Anlagen und damit verbundenen Vorurteilen zu nehmen.

Gerade in unserer Region, die mit der Asse und Schacht Konrad zwei erschreckende Beispiele für die Folgen falscher Energiepolitik zu beklagen hat, kann ich die große Skepsis von Herrn Weyhers und erst recht seine Aufregung über meine Äußerungen nicht nachvollziehen.


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