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Wiedereröffnung: Flüchtlingsunterkunft bietet Platz für bis zu 100 Menschen

Die ehemaligen Büroräume der Firma Streiff sollen als städtische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ab November wiedereröffnet werden.

von Julia Fricke


Die alten Büroräume der Firma Streiff bekommen ein neues Leben. Video: Ann-Kathrin Weusthoff Foto: Julia Fricke

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21.10.2020

Braunschweig. Das ehemalige Bürogebäude der Firma Streiff in der Saarbrückener Straße wird als städtische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge wiedereröffnet. Bereits bevor 2017 die Wohnstandorte in Braunschweig eröffnet wurden, wurde das Gebäude zwischen August 2016 und Juni 2017 genutzt. Nun wurden Küche und Nassbereiche erneuert sowie die Zimmer und Büros renoviert. In Zukunft können hier bis zu 100 Menschen eine Unterkunft finden. Aufgrund von Corona werde die Zahl jedoch vorerst auf 70 Personen reduziert, wie Annette Parchem von der Abteilung Migrationsfragen und Integration beim Pressetermin am Dienstag im Gebäude berichtete.



Zustande gekommen sei der Kontakt zwischen der Stadt und Unternehmer Helmut Streiff über Ingo Loof, ehemaliger Geschäftsführer der Stadt Braunschweig Zukunft GmbH. Streiff vermietet das Gebäude nun an die Stadt Braunschweig. Bei den Renovierungsarbeiten sei "eine ordentliche Summe" zusammengekommen.

Besonders die neu gestalteten Küchenzeilen seien wichtig für die Menschen. 15 Kochgelegenheiten gebe es nun in dem Gebäude, an denen sich die Flüchtlinge selbstständig ihr Essen zubereiten können. "In der Vergangenheit hatten wir ein Catering der Lebenshilfe die das auch alles toll gemacht haben. Aber die Essgewohnheiten der Geflüchteten sind einfach anders und nun haben sie die Möglichkeit sich selbst zu versorgen", so Sozialdezernentin Dr. Christine Arbogast. Derzeit gebe es jedoch auch hier Corona-bedingt einige Einschränkungen. Einzelne Küchen wurden vorübergehend gesperrt, indem Wasser und Strom abgeschaltet wurden. Einen Kühlschrank gebe es in den Küchen ebenfalls nicht. Diese befinden sich individuell auf den einzelnen Zimmern.


In mehreren Kochnischen können die Bewohner in Zukunft ihr Essen selbstständig zubereiten. Foto: Julia Fricke



Die Zimmer selbst sind ausgestattet mit einfachen Stahlbetten, teilweise gibt es Hochbetten. Auch einen Gemeinschaftsraum (der während Corona allerdings gesperrt ist), Verwaltungsbüros und Nassräume im Keller sind vorhanden. Dort gibt es auch die Möglichkeit Wäsche zu waschen und zu trocken.

Mehrere Flüchtlinge müssen sich ein Zimmer teilen, bevor sie an eine der weiteren sieben Wohnstandorte vermittelt werden. Zwischen zwei bis vier Monaten soll die Verweildauer in der Saarbrückener Straße sein - lediglich eine Durchlaufstation. Deswegen sollten möglichst keine Familien mit grundschulpflichtigen Kindern dort einziehen. "Die Kinder sind Schulpflichtig, das heißt, dass sie sofort an den Schulen angemeldet werden müssen. Wenn sie dann an einen anderen Wohnstandort ziehen, könnte das einen Schulwechsel mit sich bringen. Das wollen wir vermeiden", erklärt Parchem.



Auch einen Sicherheitsdienst werde es rund um die Uhr im Gebäude geben. Neben der Verwaltung wird ein Sicherheitsmann die Eingangstür im Auge behalten. Fremde, die reinwollen, müssen sich ausweisen können. Auch in der oberen Etage wird es 24 Stunden einen Sicherheitsmann geben.


Dieses Zimmer ist bereits fertig. Foto: Julia Fricke



Wohnhilfe muss gestärkt werden


Langfristiges Ziel sei es jedoch nicht, immer weitere Wohnstandorte zu errichten, wie Christine Arbogast weiter mitteilt. Vielmehr müsste dafür gesorgt werden, dass die Flüchtlinge in den Wohnstandorten schneller Wohnungen auf dem freien Markt finden. Dies sei jedoch nicht so einfach. "Auch wir von der IHK waren damals zu optimistisch, dass Flüchtlinge schnell in Lohn und Brot gebracht werden können", gibt IHK Präsident Helmut Streiff rückblickend zu. "Doch so leicht war es dann doch nicht. Sie müssen die Sprache lernen, Piktogramme verstehen und sie brauchen Schulungen, um auch einen Beruf zu bekommen." Erst, wenn Sprache und Beruf stimmen, sei es einfacher mit Vermietern ins Gespräch zu kommen, so Arbogast weiter. Sukzessive rücken Menschen nach, die die bereits da sind, ziehen aber nicht so schnell aus. So werde der Platz in der Saarbrückener Straße dringend gebraucht. Die Verteilung der Flüchtlinge auf die weiteren Wohnstandorte könne von dort besser gesteuert werden.


Waschmaschinen und Trockner stehen für die Flüchtlinge im Keller bereit. Foto: Julia Fricke



An den sieben weiteren Wohnstandorten leben zurzeit etwa 550 Menschen. Die Stadt Braunschweig habe derzeit eine noch offene Zuweisungsquote von 130. Diese Zahl von Flüchtlingen muss noch bis März 2021 in Braunschweig unterkommen. Annette Parchem zeigt sich optimistisch: "Es sind ja noch einige Monate Zeit."


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