Explosion von Wolfenbüttel: Wie sicher sind die Gasleitungen?

Nach der tragischen Explosion eines Hauses Anfang November fragen sich viele Menschen, wie sicher die Gasleitungen eigentlich sind. regionalHeute.de hat mit einer Expertin gesprochen.

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Symbolfoto
Symbolfoto | Foto: via dts Nachrichtenagentur

Wolfenbüttel. Im November vergangenen Jahres sorgte die Explosion eines Reihenhauses für Entsetzen und große Anteilnahme weit über die Stadtgrenzen hinaus. Das Gebäude stürzte infolge der Detonation ein, der 83-jährige Bewohner galt lange als vermisst und konnte erst zwölf Tage später tot aus den Trümmern geborgen werden. Viele Menschen fragten sich, wie das Unglück passieren konnte. regionalHeute.de hat bei den Stadtwerken Wolfenbüttel nachgefragt, wie sicher Gasleitungen sind und wie sich Bewohner im Notfall verhalten sollten.



Die Druckwelle war am Abend des 7. November noch in hunderten Metern Entfernung zu spüren, Leser berichteten davon, die Detonation sogar im benachbarten Braunschweig gehört zu haben. Mehrere angrenzende Gebäude waren durch die Explosion schwer beschädigt worden. Neben dem toten Bewohner des Hauses waren auch drei weitere Verletzte zu beklagen, zahlreiche weitere Anwohner mussten evakuiert werden. Die Ursache für das Unglück konnte jedoch nicht ermittelt werden.

Regelmäßige Überprüfung der Leitungen


Wie Kerstin Hecker von den Stadtwerken Wolfenbüttel auf Anfrage unserer Zeitung schildert, habe die Sicherheit der Bevölkerung für die Stadtwerke oberste Priorität. Der Bau, Betrieb, die Überwachung und die Instandhaltung der Gasleitungen würden nach klar definierten technischen Regeln und gesetzlichen Vorgaben erfolgen. Durch regelmäßige Prüfungen und moderne Messtechnik werde das Risiko von Undichtigkeiten oder Schäden auf ein sehr geringes Maß reduziert.

Die von den Stadtwerken betriebenen Gashauptleitungen und Hausanschlüsse würden gemäß dem DVGW-Arbeitsblatt G 465-1 regelmäßig überprüft. Dabei würden alle Leitungsstrecken begangen und mögliche Gaskonzentrationen durch Absaugung der Bodenluft erfasst. Gashochdruckleitungen würden in der Regel jährlich überprüft, Niederdruckleitungen aus Polyethylen (PE) je nach Ausführung in Abständen von bis zu sechs Jahren. Zusätzlich würden Prüfungen nach der EU-Methanverordnung abhängig vom Material in Intervallen von ein bis drei Jahren stattfinden. Ein weiterer Prüfturnus betreffe die innenliegenden Hausanschlussteile, also die Leitungen bis zur ersten Absperreinrichtung auf dem Kundengrundstück. Diese würden vom Unternehmen mindestens alle zwölf Jahre überprüft.

Im Stadtgebiet seien zuletzt im Jahr 2025 Prüfungen nach der EU-Methanverordnung (gesamtes Netz) sowie im Hochdrucknetz durchgeführt worden. Die letzte vollständige Netzprüfung habe im Jahr 2022 stattgefunden.

Verantwortung des Eigentümers


Die Prüfung der Gasinstallationsleitungen hinter der Hauptabsperreinrichtung liege in der Verantwortung der Eigentümer. Diese sei alle zwölf Jahre durch ein zugelassenes Gasinstallationsunternehmen durchzuführen. Zusätzlich empfehlen die Stadtwerke, die Gasheizung jährlich warten zu lassen – dabei sollten die Installationsleitungen auch einer Sichtprüfung unterzogen werden.


Auf diese Warnsignale sollten Bürger achten


Kerstin Hecker weist darauf hin, dass Gasinstallationsleitungen im Haus ausschließlich bestimmungsgemäß genutzt werden sollten. Es sollten keine Gegenstände daran befestigt oder aufgehängt werden, außerdem sei auf sichtbare Beschädigungen oder Korrosion zu achten. Alle Absperreinrichtungen müssten zudem jederzeit frei zugänglich sein. Erdgas werde mit einem deutlich wahrnehmbaren Warngeruch versehen – wer sich mit diesem Geruch vertraut machen möchte, könne sich ab dem 10. Februar eine Gasgeruchskarte im Kundenservice der Stadtwerke abholen.

Bei Gasgeruch im Gebäude und auch im Außenbereich sollte unverzüglich die Störungsstelle der Stadtwerke informiert werden. Diese sei rund um die Uhr unter der Telefonnummer 05331/408-111 erreichbar.

Verhalten bei Gasgeruch


Wenn Bewohner Gasgeruch im Haus wahrnehmen, sollten sie keine elektrischen Schalter betätigen (weder ein- noch ausschalten), weitere Zündquellen vermeiden, Fenster und Türen öffnen, um für Durchlüftung sorgen und die Gaszufuhr abstellen. Mitbewohner sollten ausschließlich durch Klopfen und nicht durch Klingeln gewarnt werden. Betroffene sollten außerhalb des Gebäudes auf den Störungsdienst warten. Bei Gasgeruch im Außenbereich sollten Fenster und Türen geschlossen, Zündquellen vermieden und mögliche Passanten gewarnt werden.