HAB: Heute Ausstellungseröffnung - Der Künstler Joachim von Sandrart und die „Teutsche Academie“




In der Augusteerhalle der Herzog August Bibliothek wird heute um 11.30 Uhr eine neue Ausstellung mit dem Titel „Unter Minervas Schutz. Bildung durch Kunst in Joachim von Sandrarts Teutscher Academie“  eröffnet.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der Künstler Joachim von Sandrart (1606-1688), einer der erfolgreichsten deutschen Maler des 17. Jahrhunderts, und seine drei Prachtbände der „Teutschen Academie“, die in den Jahren 1675 bis 1680 in Nürnberg erschienen sind. In deutscher Sprache trug er darin quasi alles verfügbare Wissen zeitgenössischer  Kunst, Malerei und Architektur zusammen. Darüber hinaus findet man darin ein umfangreiches Wissen über antike und moderne Künstler, die er in Porträts und biographischen Beschreibungen vorstellt, sowie Abhandlungen zu Kunstsammlungen des 17. Jahrhunderts bis hin zu Passagen über antike Mythologie und Ikonographie. „Die Bände bilden wichtige Quellen für barockes Kunstschaffen in Deutschland“, fasst es Julia Kleinbeck, eine der Kuratorinnen zusammen.  Unter der Leitung von Anna Schreurs (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zeichnen Kleinbeck, Carolin Ott (beide Kunsthistorisches Institut Florenz) sowie Christina Posselt und Saskia Schäfer-Arnold (beide Goethe-Universität Frankfurt) für die Ausstellung verantwortlich.

Die Kuratorinnen haben auch die Online-Edition bearbeitet, ein Pionierwerk mit vielen Zusatzinformationen, in dem man sowohl die Originalseiten der Bände durchblättern, als auch beispielsweise gezielt nach Orten, Bildern oder Künstlern suchen und entdecken kann, was bislang in den Archiven schlummerte – und zwar für jedermann (be)greifbar. Sie ist in dieser Form eine einzigartigen Quelle für die Kunst- und Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts.

„In der Ausstellung geht es nicht nur um Malerei, sondern auch um Architektur, Kunst und Gestaltung, zu sehen in der Professionalisierung und Kreativität des 17. Jahrhunderts“, sagt Schmidt-Glintzer. Die Ausstellung zeigt Einblicke in das Werk, stellt Bezüge zu seiner Entstehung her und zeichnet den facettenreichen Lebensweg des Autors nach, dessen Werk durch viele Reisen in zahlreiche Kunstmetropolen von europäischer Dimension ist.

Zu sehen sind unter anderem Leihgaben aus der Bayerischen Staatsbibliothek München und aus dem Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig. „In der Ausstellung erleben wir ein Jahrhundert, das in vielerlei Hinsicht auch heute von Bedeutung ist. Sie zeigt vieles, was in dieser Qualität sonst nicht zu sehen ist“, betont Schmidt-Glintzer. Die Ausstellung öffne den Horizont des Betrachters zum besseren Verständnis von Kunst, sagt er.

Die Bände, die von einer großen Wertschätzung für die Kunst der Antike zeugen, basieren vornehmlich auf einen Romaufenthalt des Malers. Sie sind reich mit Kupferstichen illustriert und zeigen unter anderem zeitgenössische Romansichten, Künstlerporträts sowie Beispiele antiker Architektur und Skulptur, die Sandrart in seinen Abbildungen häufig „verlebendigt“ hat, so Ott.

Den Eröffnungsvortrag hält Anna Schreurs (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg). Zu sehen ist die Ausstellung in der Augusteerhalle, in der Schatzkammer und im Kabinett bis 24. Februar 2013.