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Krankenkasse warnt: Deutlich mehr Nebenwirkungen nach Corona-Impfung



Krankenkasse warnt: Deutlich mehr Nebenwirkungen nach Corona-Impfung

Nach den Schätzungen der BKK ProVita müsse man von 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland ausgehen, die wegen Impfnebenwirkungen nach einer Corona-Impfung in ärztlicher Behandlung gewesen seien.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild
Symbolbild Foto: pixabay

Deutschland. Bislang ging man beim in Deutschland für Impfnebenwirkungen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut davon aus, dass es bei Corona-Impfungen in 0,3 Prozent der Fälle Nebenwirkungen gibt. Nun schlägt die Krankenkasse BKK ProVita Alarm. Ihren Berechnungen nach liege der Anteil der Personen mit Impfnebenwirkungen deutlich höher, zwischen 4 und 5 Prozent. Dass diese nicht erfasst würden, hätte mit dem Aufwand für die Ärzte zu tun, diese zu melden.



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In einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt und dessen Echtheit von der Pressestelle der Krankenkasse bestätigt wurde, wendet sich der Vorstand der BKK ProVita, Andreas Schöfbeck, an das Paul-Ehrlich-Institut und setzt darüber unter anderem auch die Stiko, die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in Kenntnis. "Die unserem Haus vorliegenden Daten geben uns Grund zu der Annahme, dass es eine sehr erhebliche Untererfassung von Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen nach Corona-Impfung gibt", heißt es in dem Schreiben.



Datengrundlage seien die Abrechnungsdaten der Ärzte. Statt der rund 245.000 vom Paul-Ehrlich-Institut gemeldeten Verdachtsfälle müsse man nach Hochrechnung der eigenen Daten von 2,5 bis 3 Millionen Menschen in Deutschland ausgehen, die wegen Impfnebenwirkungen nach einer Corona-Impfung in ärztlicher Behandlung gewesen seien.

Alarmsignal für den Einsatz der Impfstoffe



Die BKK ProVita bewertet dies als Alarmsignal, das unbedingt beim weiteren Einsatz der Impfstoffe berücksichtigt werden müsse. Die Zahlen könnten relativ leicht und kurzfristig überprüft werden, in dem die anderen Krankenkassen um eine entsprechende Auswertung der eigenen Daten gebeten würden.

Die Krankenkasse hat auch eine mögliche Erklärung, warum es zu dieser Untererfassung gekommen ist. Eine Meldung von Impfnebenwirkungen an das Paul-Ehrlich-Institut koste den Arzt etwa 30 Minuten. Zeit, die nicht vergütet werde. Bei 3 Millionen Verdachtsfällen summiere sich das auf 1,5 Millionen Arbeitsstunden. Diesen Aufwand gelte es zu überdenken.


Gefahr für das Leben?


Die BKK ProVita schließe eine Gefahr für das Leben von Menschen nicht aus und hatte in dem auf Montag datierten Schreiben um eine Rückmeldung bis Dienstag gebeten. Mögliche Reaktionen der angesprochenen Institutionen auf das Schreiben waren dem Pressesprecher der Krankenkasse am heutigen Donnerstag nicht bekannt.

Aktualisiert:
Für die Zahlen hat die BKK ProVita die gängigen ICD-Codes für Impfnebenwirkungen bei Corona-Impfungen ausgewertet. Mit ICD-Codes sollen medizinische Diagnosen möglichst weltweit einheitlich benannt werden. Differenziert, wie schwer die jeweiligen Nebenwirkungen sind, die von Hautausschlag bis zur Herzmuskelentzündung reichen können, wird in den Zahlen nicht. Gemeinsam haben die Fälle aber den Umstand, dass die jeweils betroffene Person damit zum Arzt gegangen ist.

Aktualisiert 3. März:
Inzwischen gibt es Zweifel an der Seriosität der Berechnungen der Krankenkasse. Nach Recherchen des SWR soll die Datenanalyse ein in der "Querdenker"-Szene gefragter Interviewpartner durchgeführt haben. Vorstand Andreas Schöfbeck sei mittlerweile vom Verwaltungsrat der BKK Provita entlassen worden. Der öffentliche Brief an das Paul-Ehrlich-Institut sei von der Webseite der Kasse entfernt worden. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte vergangene Woche angekündigt, die Daten der BKK Provita prüfen zu wollen.


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