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Neue Bohrung in Asse II könnte das Bergwerk absaufen lassen


Bürgerinitiativen, Vereine und Organisationen fordern schon lange die sichere Rückholung der nuklaren Abfälle aus dem unsicheren Salzstollen. Foto: Alexander Panknin
Bürgerinitiativen, Vereine und Organisationen fordern schon lange die sichere Rückholung der nuklaren Abfälle aus dem unsicheren Salzstollen. Foto: Alexander Panknin Foto: Alexander Panknin

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11.07.2019

Wolfenbüttel. Der Asse II-Koordinationskreis kritisiert das Vorhaben, im sensiblen Bereich der Schachtanlage Asse II an der Südflanke des Salzstockes eine Bohrung von rund 600 Metern Tiefe niederzubringen. Eine derartige Bohrung werde nach Auskunft der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Betreiberin der Schachtanlage Asse II, derzeit vorbereitet. Die Details erklärt der Koordinationskreis in einer Pressemitteilung.


Wie riskant solche Bohrungen sein können, zeige ein Beispiel: Eine bestehende Bohrung befindet sich direkt über der heutigen Hauptfassungsstelle der Laugen, die in das Bergwerk eindringen. Die Fließwege von der Oberfläche des Höhenzuges Asse und dem Deckgebirge in die Schachtanlage Asse II hinein sind bis heute nicht bekannt. Essei nicht auszuschließen, dass diese alte Bohrung mit dazu beigetragen habe, dass der Laugenzutritt von gegenwärtig etwa 14 Kubikmetern pro Tag seit 1988 das Bergwerk Asse II gefährdet. Weiterhinsei nicht auszuschließen, dass die neue Bohrung eine ähnliche Wirkung auf den Salzstockhabeund einen unbeherrschbaren Lösungszutritt auslöst.

Der Asse II Koordinationskreis warnt eindringlich davor, dass die nun beabsichtigte Bohrung das Absaufen der Schachtanlage Asse II zur Folge haben könnte. Durch diese Bohrung könnten sich neue Wasserwegsamkeiten ausbilden, die den Lösungszutritt in das Bergwerk erhöhen und im schlimmsten Fall zu einem unbeherrschbaren Lösungszutritt und dem Absaufen der ganzen Schachtanlage führen könnten. Die beabsichtigte Rückholung der 50.000 Kubikmeter Atommüll und Giftmüll aus Asse II wäre dann kaum mehr möglich – dabei handelt es sich u.a. um 102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium, 28 Kilogramm Plutonium und 500 Kilogramm Arsen.

Der Ansatzpunkt der gegenwärtig vorbereiteten Bohrung würde nahe bei den östlichen Stollen der schon früh abgesoffenen Schachtanlage Asse I und über westlichen Stollen von Asse II liegen.

Verfüllung von Abbaukammern angemahnt


Stark verwundert ist der Asse II Koordinationskreis auch darüber, dass schon seit mindestens zwei Jahren das Institut für Gebirgsmechanik Leipzig (IFG) dringend – aber erfolglos – angemahnt hat, die Abbaureihen 2 und 4 in Asse II so zu verfüllen, dass ein Kraftschluss hergestellt wird und damit die Verformung des Berges gebremst wird, die die Stabilität des Bergwerkes permanent gefährdet. Zuletzt wurde diese Kritik bei der Veranstaltung zur Gebirgsmechanik der Asse am 27. Juni in Schöppenstedt geäußert. Die Vertreter des Betreibers von Asse II konnten dort nicht zufriedenstellend beantworten, warum diese Verfüllung bisher nicht erfolgte. Auch schon der ehemalige Betreiber von Asse II, das Bundesamt für Strahlenschutz, hatte diese Verfüllung unterlassen.

Der Asse II Koordinationskreis erwartet zum Thema der neuen Bohrung im Bereich Asse II und zur erforderlichen Verfüllung der Abbaureihen 2 und 4 ein zeitnahes Gespräch mit der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), hierzu wurde die Geschäftsführung jetzt angeschrieben.


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