Wolfenbüttel. Seit nunmehr Februar arbeiten acht ehrenamtliche Webhelferinnen in dem Projekt „Weben mit dementen Menschen“. An drei Tagen in der Woche weben sie mit dementen Bewohnern im AWO-Wohn- und Pflegeheim Im Kamp unter Anleitung am Webstuhl.

Herta Rothermann am Webstuhl wird von Salme Hirsch angeleitet. Foto:
Inzwischen ist die Webarbeit ein fester Bestandteil im Leben von 15 Bewohnern, darunter auch zwei Männer, geworden. Stolz zeigen sie gerne ihre selbstgefertigten Sitzkissen oder Tischläufer vor. Das Ertasten der Wolle, die wiederkehrenden Bewegungsabläufe und das rasch sichtbare Arbeitsergebnis machen das Weben am Webstuhl zu einer attraktiven Beschäftigung. Das selbstbestimmte Arbeiten und die Auswahl der Wolle, insbesondere der Farbe, ist für die Bewohner sehr wichtig. Einige erinnern sich an die Abläufe des Handwerks ganz genau, andere müssen das Weben bei jedem Besuch am Webstuhl neu für sich entdecken, berichtet die Webhelferin Brigitte Beier.
Jeder Bewohner webt mit seinen Möglichkeiten und in seinem Tempo und natürlich immer mit Unterstützung. Überraschend sei die Freude und Motivation mit denen sie am Webstuhl sitzen. Die acht Webhelferinnen Marion Priebe, Same Hirsch, Heike Sperhake, Elke Fortmeier, Brigitte Beier, Andrea Habelt, Marita Bartusch und eine anonyme Helferin kommen aus dem Landkreis Wolfenbüttel und aus Braunschweig. "Die meisten von ihnen bringen Vorerfahrungen im Weben oder im Umgang mit dementen Menschen mit", so Sabine Flomm vom Bildungszentrum des Landkreises. Sie unterstützen sich gegenseitig in der Arbeit mit den Bewohnern und tauschen ihre Erfahrungen regelmäßig aus.

Sabine Flomm, Salme Hirsch und Brigitte Beier mit einem von den Bewohnern gemeinsam gewebten Tischläufer. Foto:
"Bei der Projektvorstellung im September 2014 mussten zunächst viele Zweifel überwunden werden", erinnert sich Sabine Flomm, Fachbereichsleitung für Kultur und Gestalten der Volkshochschule Wolfenbüttel. "Zunächst wussten wir nicht, ob die Arbeit mit dementen Menschen am Webstuhl gelingen oder ob sie eine Überforderung darstellen würde. Darüber hinaus mussten nicht nur Menschen, die freiwillig als Webhelfer arbeiten wollten gefunden und qualifiziert werden, auch eine passende Einrichtung für das Pilotprojekt musste ausgewählt werden, die das Projekt mitfördert. Dazu mussten weitere Förderer gewonnen werden."
So kümmert sich zum Beispiel Kari Bottke aus Schöppenstedt (bei ihr wurde die Idee auch geboren) um die Versorgung der Wolle und um die Fachfragen rund um das Weben. Die Gesundheitsregion Landkreis Wolfenbüttel finanziert unter anderem die Qualifikation der Webhelferinnen. Ellen Arndt, Leiterin des AWO Wohn- und Pflegeheim, sorgt für die Unterstützung und um den Ablauf im Haus.
Das Projekt endet offiziell im Juni. Eine Fortsetzung ist geplant, allerdings werden hierfür noch weitere Webhelferinnen und Sponsoren gesucht. Bei Interesse können sich Interessierte bei Sabine Flomm im Bildungszentrum unter der Rufnummer 05331/84157 informieren.