Säureangriff auf Ex-Partner: 27-Jährige wegen versuchten Mordes angeklagt

Ein Mann wurde im November mit hochkonzentrierter Ameisensäure übergossen und schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage erhoben und wirft einer 27-Jährigen versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor.

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Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. | Foto: regionalHeute.de

Schladen/Beuchte. Ein 32-jähriger Familienvater wurde im November des vergangenen Jahres Opfer eines brutalen Säureangriffs. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt und hat infolge der Tat sein Augenlicht verloren. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die mutmaßliche Täterin erhoben.



Erster Staatsanwalt und Pressesprecher Christian Wolters gab auf Nachfrage von regionalHeute.de bekannt, dass Ende Februar Anklage vor dem Schwurgericht Braunschweig gegen eine 27-jährige Frau aus Schladen wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erhoben wurde. Laut Wolters seien die Mordmerkmale Habgier und Heimtücke erfüllt. Eine schwere Körperverletzung liege immer dann vor, wenn besonders schwere Gesundheitsfolgen eingetreten sind, wie Verluste von Gliedmaßen, Hör- oder Sehvermögen. In diesem Fall hat das Opfer durch die Tat sein Sehvermögen eingebüßt, erklärt Wolters.

Frau soll Lebensversicherung auf Opfer abgeschlossen haben


Die Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft am 7. November 2025 gegen 16:45 Uhr einen Mordversuch an ihrem seit September 2024 getrennt lebenden Ehemann verübt haben. Zu diesem Zeitpunkt hätten auch die beiden gemeinsamen Kinder (2 und 3 Jahre) bei ihr gelebt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe das Opfer etwa zwei Wochen vor der Tat mitgeteilt, die Scheidung einreichen zu wollen. Daraufhin habe die Angeklagte beschlossen, ihn zu töten – unter anderem, um die Vermögensauseinandersetzung zu umgehen und von einer Risikolebensversicherung in Höhe von 400.000 Euro zu profitieren, die sie wenige Monate zuvor ohne Wissen des Ehemanns abgeschlossen hatte.

Mann mit Ameisensäure verätzt


Am Tatnachmittag soll die 27-Jährige ihren Ex-Partner unter dem Vorwand, einen defekten Kindersitz reparieren zu müssen, in den Keller des Hauses gelockt haben. Der Geschädigte sei dem nichts ahnend nachgekommen und habe sich in den dortigen Werkraum begeben. Während der Geschädigte in einer hockenden Position vornübergebeugt an dem Sitz arbeitete und aufgrund des vertrauten Umfeldes mit keinerlei Angriff rechnete, soll die Angeklagte unbemerkt an ihn herangetreten sein. Unter Ausnutzung seiner Arglosigkeit soll sie dem wehrlosen Opfer unvermittelt mit einem Gefäß einen Schwall hochkonzentrierter Ameisensäure von links über den Kopf- und Gesichtsbereich gegossen haben. Hierbei sei es der Angeklagten laut Wolters darauf angekommen, dass der Geschädigte durch die toxische Wirkung der Säure auf der Haut und durch die massiven Verätzungen der Atemwege verstarb.

Der Geschädigte flüchtete daraufhin blindlings und panisch in das Erdgeschoss, um sich im Badezimmer das Gesicht zu waschen. Dies sei durch die Angeklagte jedoch vereitelt worden, indem sie ihn bis ins Badezimmer verfolgte und auf ihn einredete. Ohne sich reinigen zu können, rettete sich der Geschädigte letztlich aus dem Haus ins Freie, indem er die Angeklagte zur Seite stieß. Vor dem Haus traf er zufällig auf einen Nachbarn, der unverzüglich Erste Hilfe leistete und einen Notruf absetzte.

27-Jähriger verliert Augenlicht


Durch den Angriff erlitt der Mann Verätzungen 4. Grades an den Augen und Verätzungen 3. Grades am Körper sowie ein schweres Inhalationstrauma. Die Hornhäute beider Augen wurden laut Wolters zerstört, sodass er vollständig erblindete. Die Verätzung der Atemwege sei akut lebensbedrohlich gewesen, sodass der Mann intubiert und für mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt werden musste.

Die Angeklagte, gelernte Altenpflegerin und zur Tatzeit erwerbslos, sei nicht vorbestraft. Sie wurde einen Tag nach der Tat festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft.

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