Wolfenbüttel. Unter dem Titel „EDIKILEX: Edition, künstliche Intelligenz und Lexikographie – Interdisziplinäre Zugänge und digitale Methoden im Umgang mit frühneuhochdeutschen Texten“ startet im März 2026 ein vierjähriges Verbundprojekt zur Nutzung von KI für die Erschließung von Texten der Frühen Neuzeit. Ziel des Projekts ist es, Verfahren zu entwickeln, die frühneuhochdeutsche Texte automatisch lemmatisieren und semantisch auswerten, um sie besser verständlich und wissenschaftlich breiter nutzbar zu machen. Das berichtet die Herzog August Bibliothek in einer Pressemitteilung.
Im Verbund arbeiten mehrere niedersächsische Einrichtungen zusammen: An den Universitäten Göttingen und Hildesheim werden KI- und Natural Language Processing (NLP)-Verfahren entwickelt, die aus heterogenen frühneuhochdeutschen Textdaten verlässliche Wortformen und Bedeutungsinformationen gewinnen. Diese Ergebnisse fließen in Editionsprojekte der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ein und werden zugleich für die Weiterentwicklung des „Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs“ der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen nutzbar gemacht, die den Verbund koordiniert.
HAB stellt die Textgrundlagen
Die HAB stellt die Textgrundlagen bereit und erweitert eine etablierte Arbeitsumgebung für digitale Editionen um Schnittstellen zur Nutzung KI-generierter Daten. Darüber hinaus entwickelt das Projektteam der HAB das Frontend für das geplante Text-Wissens-System und übernimmt die Langzeitarchivierung sowie die Einbindung der Projektdaten in die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).
Am Beispiel der von der HAB gehosteten Karlstadt-Edition (https://karlstadt-edition.org/) werden die neuen Verfahren exemplarisch erprobt, sodass sich konkret nachvollziehen lässt, wie historische Quellen mit Hilfe von KI und Lexikographie besser erschlossen und vermittelt werden können. Die HAB bringt dabei ihre langjährige Expertise in der digitalen Editorik und im Umgang mit frühneuzeitlichen Quellen ein.
Impulse für interdisziplinäre Hypothesenbildung
Begleitend reflektiert das Projekt die enge Verschränkung von geisteswissenschaftlicher Forschung mit Methoden der Künstlichen Intelligenz und des NLP. Dabei sollen auch Impulse für eine interdisziplinäre Hypothesenbildung gewonnen werden, etwa zur Frage, wie sich digitale Werkzeuge und KI-gestützte Analysen auf das Verständnis historischer Texte, Begriffe und Diskurse auswirken.
Der Verbund wird von der niedersächsischen Landesregierung und der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms „zukunft.niedersachsen“ mit insgesamt 4,9 Millionen Euro gefördert. Rund eine Million Euro ist dabei für die Herzog August Bibliothek vorgesehen.

