Wolfenbüttel. Seit vielen Jahrzehnten erforschen ehrenamtliche Heimatpfleger die Geschichte und die Geschichten des Landkreis Wolfenbüttel. Durch ihre Arbeit tragen die derzeit 80 Ehrenamtlichen dazu bei, dass die Vergangenheit nicht nur erforscht wird, sondern auch lebendig bleibt, teilt der Landkreis in einer Pressemeldung mit.
Eine Herausforderung für das gesammelte Wissen stelle der demografische Wandel dar, denn viele Heimatpfleger sind bereits im fortgeschrittenen Alter. Oft sei die Nachfolge nicht gesichert, zahlreiche Nachlässe und Sammlungen sind weder sortiert noch digitalisiert und laufen Gefahr, verloren zu gehen. Das Projekt „Nachlasssicherung in der Heimatpflege“ soll das lokalhistorische Erbe im Landkreis Wolfenbüttel erhalten. Demnach soll das digitale Archiv mit dem Namen zukunft:heimat Anfang 2027 an den Start gehen.
Projekt soll umgesetzt werden
In dem auf drei Jahre angelegten Projekt der Abteilung Kultur & Medien des Bildungszentrums Landkreis Wolfenbüttel werde ein digitales Archiv aufgebaut, in dem kulturell wertvolle Zeugnisse von Regionalforscherinnen und Regionalforschern gesammelt, dauerhaft bewahrt und für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden sollen. Die zur Umsetzung der Online-Plattform nötigen Fördermittel in Höhe von 77.350 Euro wurden bei der LEADER-Region Nördliches Harzvorland, der Stiftung Zukunftsfonds Asse, der Braunschweigischen Stiftung und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz eingeworben. Damit könne das Projekt nun in die konkrete Umsetzungsphase starten.
Wissen auf Privatcomputer
Einer der rund 80 Ehrenamtlichen, die das vielfältige kulturelle Erbe des Landkreises aktiv bewahren und pflegen, ist Wolfgang Haberland. Der Heimatpfleger von Erkerode habe über viele Jahre hinweg nicht nur sorgfältig Kirchenbücher aus mehreren Jahrhunderten transkribiert, sondern auch Postkarten und Fotografien gesammelt. Sein umfangreiches Wissen sei bisher auf seinem privaten Computer in vielen Ordnern archiviert und warte darauf, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Zum geplanten Projektstart sagte Haberland: „Ich wünsche mir, dass meine ehrenamtliche Arbeit Wertschätzung erhält und für zukünftige Generationen erhalten bleibt.“
Geschichte bewahren und vermitteln
Die Online-Plattform werde ein zentraler Ort, an dem die Heimatpfleger ihre Sammlungen und Archivalien bewahren können. Sowohl in der Nutzung als auch in der Digitalisierung ihrer Sammlungen und Archivalien werden die Heimatforschenden in Workshops geschult und die Plattform könne eigenständig genutzt werden. Nicht nur als Archiv, sondern auch, um regionalgeschichtliche Inhalte zeitgemäß und ansprechend zu vermitteln und um sich auszutauschen. „Das Projekt sichert und wertschätzt nicht nur jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit, sondern erhält auch das kulturelle Gedächtnis unserer Region für zukünftige Generationen und stärkt die Identifikation mit dem Landkreis“, erklärte Landrätin Christiana Steinbrügge.
Zugang für Interessierte
Im Rahmen des Projekts werde außerdem geprüft, unter welchen Bedingungen eine Archivierung einzelner Dokumente aus Vor- und Nachlässen im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Wolfenbüttel, möglich sei. In Zukunft könne so jeder Interessierte über die Online-Plattform recherchieren und Informationen einsehen. Dann werde es nicht nur Einblick in die Kirchenbücher oder die Postkartensammlung des Heimatpflegers von Erkerode geben, sondern auch in die Sammlungen vieler anderer Regionalforscher.
Hinweise zu weiteren Sammlungen und Nachlässen, Fragen und Anregungen nimmt Projektkoordinatorin Maya Brockhaus per E-Mail oder telefonisch unter 05331 84794 entgegen.

